Protest gegen Massenentlassungen von Beamten in Argentinien.  | Bildquelle: AFP

Gegenwind für Argentiniens neuen Präsidenten Protest der entlassenen "Faulpelze"

Stand: 11.02.2016 17:26 Uhr

20.000 Beamte hat die Regierung des neuen argentinischen Präsidenten Macri seit Amtsantritt im November vor die Tür gesetzt. Die offizielle Begründung: Sie seien Ñoquis - Faulpelze. Nun regt sich Protest - und Präsident Macri steht eine schwere Zeit bevor.

Von Julio Segador, ARD-Studio Buenos Aires

Es ist Essenausgabe im Protestcamp auf der Plaza de Mayo, direkt beim Präsidentenpalast. Einige Frauen kratzen aus einem großen Topf noch die Reste aus. Es gibt Nudeln mit Fleisch, keine Gnocchis, auf die reagieren manche hier in Buenos Aires nämlich inzwischen buchstäblich allergisch. 

Nachwirkungen der Regierung Kirchner

Ñoquis - so werden in Argentinien jene Faulpelze genannt, die zur Arbeit nur am Monatsende erscheinen, um da ihren Lohn abzuholen. Abgeleitet wird der Begriff von der billigen italienischen Pasta, die es traditionell immer nur am Monatsende gab.

Und glaubt man Kabinettschef Marcos Peña hat die Vorgänger-Regierung der Kirchners noch bis unmittelbar vor dem Regierungswechsel solche Ñoquis in öffentliche Ämter gehoben. "Viele der Verträge, die wir jetzt beendet haben, wurden im vergangenen Jahr mit langen Laufzeiten geschlossen. Der Staat hat auf diese Weise die Zahl seiner Beschäftigten massiv vergrößert, und das Ganze ohne seriöse Ausschreibungen. In sehr vielen Fällen war das einzige Kriterium die politische Nähe" erklärt Peña.

Argentiniens Präsident Mauricio Macri bei einer Pressekonferenz. | Bildquelle: dpa
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Argentiniens Präsident Mauricio Macri bei einer Pressekonferenz.

María Ludueña sitzt jetzt auf der Straße. Sie war die Vize-Chefin eines Nachrichtenportals, das an das Justizministerium angeschlossen ist. Für sie kam die Entlassung am letzten Arbeitstag des vergangenen Jahres, dem 30. Dezember. Sie berichtet: "Die neue Chefin des Info-Portals überbrachte mir die Nachricht. Sie meinte nur, sie wolle nicht, dass die frühere Führungsebene weiter dort arbeite, damit war ich entlassen."

Jetzt werden die Ñoquis gefeuert - gerechtfertigt?

Nach Angaben von Gewerkschaften hat die neue Regierung etwa 20.000 öffentlich Beschäftigte auf die Straße gesetzt. Vor allem mit der Begründung: Es seien Ñoquis - also Faulpelze, die nur kassieren und nichts arbeiten. Journalistin María Ludueña wehrt sich entschieden gegen diesen Vorwurf. "Ich rede nicht gerne von den angeblichen Ñoquis. Ich habe mir hier nichts vorzuwerfen. Man kann alle meine Artikel nachlesen, es wurde alles veröffentlicht. Es geht doch in Wirklichkeit um etwas ganz anderes. Die Diskussion über die Ñoquis dient nur dazu Vorurteile zu schüren."

Protest gegen Massenentlassungen von Beamten in Argentinien. | Bildquelle: AFP
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Ehemalige Beamte des Kirchner Cultural Centre (CCK) protestieren gegen die Massenentlassungen von Beamten durch die Regierung.

Überall im Land hat die neue Regierung Leute aus öffentlichen Ämtern auf die Straße gesetzt. Der Präsident, der in seiner Regierungserklärung mehr Dialog versprochen hatte, handelt - ohne zu verhandeln. In allen Bereichen versucht der neue Staatschef das Erbe der Kirchners rigoros auszuradieren.

Dafür schlägt ihm nun erster Widerstand entgegen. Das Protestcamp auf der Plaza de Mayo ist auch eine Antwort auf die Entlassungswelle. María Ludueña glaubt, es ist nur der Anfang: "Da gibt es doch einen klaren Widerspruch. Noch während er seine Regierungserklärung abgab, kamen seine Leute und behinderten unsere Arbeit. Macri sprach von Pluralismus und Verhandlungen mit allen politischen Sektoren. Das waren leere Worte, geprägt von Zynismus und nicht von der Realität."

Präsident Mauricio Macri steht vor schwierigen Wochen. Schon bald stehen die Tarifverhandlungen an, die Leute erwarten eine spürbare Senkung der Inflation, ebenso, dass er seine Wahlversprechen einlöst. Die Schonfrist für Macri ist vorbei. Und mit den Massenentlassungen in der Verwaltung hat sich der neue Präsident in dem ohnehin stark polarisierten Land nur wenig Freunde gemacht.

Gegenwind für Präsident Macri
J. Segador, ARD Buenos Aires
11.02.2016 13:47 Uhr

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