Argentinien gedachte der Opfer der Militärdiktatur | Bildquelle: AFP

Gedenken an Putsch vor 40 Jahren Argentinien erinnert an Opfer der Militärdiktatur

Stand: 25.03.2016 13:49 Uhr

In der argentinischen Hauptstadt Buenos Aires haben Zehntausende der Opfer der Gewaltherrschaft gedacht. Auch US-Präsident Obama nahm an der Zeremonie teil. Doch ihm und dem argentinischen Präsidenten schlug auch Kritik entgegen.

Unter dem Motto "Ohne Rechte gibt es keine Demokratie" sind in Argentinien Zehntausende auf die Straße gegangen: Sie gedachten der Opfer der vor 40 Jahren errichteten Militärdiktatur in dem Land. Die Menschen zogen in der Hauptstadt Buenos Aires zur zentralen Plaza de Mayo und forderten "Erinnerung, Wahrheit und Gerechtigkeit" angesichts der Verbrechen der Militärdiktatur von 1976 bis 1983. Auf einem langen Transparent zeigten sie Fotos von Opfern.

Obama: "Niemals mehr"

Auch US-Präsident Barack Obama nahm an einer Zeremonie mit Präsident Mauricio Macri teil und hob in seiner Rede das Engagement der Familien und Angehörigen hervor, an die Vergangenheit zu erinnern und dafür zu sorgen, das sie sich nicht wiederholt. "Niemals mehr", sagte Obama auf Spanisch.

Er räumte aber auch die Unterstützung seines Landes für die lateinamerikanischen Militärdiktaturen in den 1970er Jahren ein und versprach, Dokumente von Militär und Geheimdienst über die Zeit der Diktatur freizugeben. Bereits 2002 hatten die USA rund 4000 Unterlagen zugänglich gemacht.

US-Präsident Obama bei seiner Rede in Argentinien | Bildquelle: AFP
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US-Präsident Obama bei seiner Rede in Argentinien

Kritik an Macri und an Obamas Anwesenheit

Argentiniens Präsident Macri nannte die Militärdiktatur "die dunkelste Etappe unserer Geschichte". Auch er wurde jedoch von Menschenrechtlern und zahlreichen Demonstranten während des Gedenkens kritisiert: Es wird befürchtet, dass nun die Aufarbeitung der Diktatur beendet wird. "40 Jahre nach dem Putsch fühlen wir uns erneut berufen, die Demokratie zu verteidigen", las Estela de Carlotto, Präsidentin der Großmütter der Plaza de Mayo, aus einem Dokument vor, das von mehreren Organisationen unterzeichnet worden war.

Eine Teilnahme an der Zeremonie gemeinsam mit Obama, zu der sie eingeladen waren, hatten Menschenrechtsgruppen abgelehnt. Obamas Besuch am 40. Jahrestag des Militärputsches wurde kritisiert, Demonstranten trugen Schilder wie "Obama go home" oder "Obama - persona non grata" . Es sei nicht der richtige Moment, an so einem Ort zu sein, wenn sich ein Land an 40 Jahre voller Schmerz erinnere, sagte Estela de Carlotto.

40. Jahrestag des Militärputsches in Argentinien
tagesschau 09:55 Uhr, 25.03.2016

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30.000 Tote, immer noch Verschwundene

Am 24. März 1976 hatte das Militär in Argentinien die Macht übernommen. Rund 30.000 Menschen wurden nach Angaben von Menschenrechtsgruppen entführt und ermordet. Das Schicksal vieler Verschwundener ist bis heute unklar. Nach der Aufhebung der Amnestiegesetze 2005 war eine Prozesswelle in Gang gekommen. Nach offiziellen Angaben wurde von 2006 bis 2015 gegen mehr als 2300 Personen ermittelt, 669 Angeklagte wurden verurteilt.

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