Fußball in der französischen Liga | Bildquelle: dpa

Globales Durchschnittsgehalt Fußballprofi mit 1000 Dollar Gehalt

Stand: 29.11.2016 05:30 Uhr

Profi-Fußballer verdienen viel Geld. Was wie ein Allgemeinplatz klingt, stimmt in Wirklichkeit gar nicht. Denn die meisten Profis müssen mit weniger als 1000 Dollar im Monat auskommen. So das Ergebnis einer Studie der Fußballergewerkschaft FIFPro.

Von Thomas Spickhofen, ARD-Studio London

Es gibt Spieler, die sind definitiv nicht gemeint, wenn sich die FIFPro, die Internationale Gewerkschaft der Fußballprofis, um die Arbeitsbedingungen von Fußballern sorgt. Mesut Özil zum Beispiel gehört zur kleinen Top-Klasse von Fußballprofis, die sich wenig Gedanken machen müssen um die Laufzeit ihres Vertrages, oder wie pünktlich sie ihr Geld erhalten oder wie sicher ihr Arbeitsplatz ist.

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Ausgesorgt: Özil und Schürrle müssen sich wohl kaum Gedanken um Geld machen.

1000 Dollar im Monat - wenn es gut läuft

Aber Tausenden Berufsfußballspielern weltweit geht es da ganz anders, sagt Theo van Seggelen, Generalsekretär der FIFPro: "Um ehrlich zu sein: Es war noch schlimmer, als ich dachte", sagt der Gewerkschafter. Ein Weckruf für die Clubs und für die übergeordneten Verbände sei diese Studie, findet van Seggelen: Mehr als 50.000 Fußballer seien bei ihr organisiert, sagt die FIFPro, 14.000 haben an der Befragung teilgenommen, aus 54 Ländern, aus 87 Ligen. Das Ergebnis: Zwei Drittel von ihnen verdienen eigenen Angaben zufolge weniger als 1000 Dollar im Monat, jeder fünfte muss monatelang auf sein Geld warten.

Geoff Pearson von der Universität in Manchester hat die Daten ausgewertet. Er erklärt: "Die meisten haben nur sehr kurze, unsichere Verträge. Manche werden nie für den Club spielen, der sie beschäftigt, sie sind nur ein Anlageobjekt. Andere werden zu Spielmanipulationen gedrängt, und wenn sie sich dem nicht beugen, dann bekommen sie ihr Geld nur mit Verzögerung oder werden gezwungen, allein zu trainieren."

Die Verträge haben durchschnittlich nur eine Laufzeit von zwei Jahren, und die Spieler können sich kaum etwas für die Zeit danach aufbauen, so das Ergebnis der FIFPro-Untersuchung: "Es ist die Realität unserer Fußball-Industrie - die komplett anders aussieht als das, was die meisten Fans denken", sagt Gewerkschafter van Seggelen.

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Fußball ist ein Milliardengeschäft - aber nicht für jeden Spieler.

In den "teuren" Ligen geht es eher um Zwang

Befragt wurden für die Studie vor allem Fußballer in Europa, Afrika und Südamerika. Drei ganz große Ligen waren nicht dabei: die Bundesliga, die englische Premier League und die spanische Primera Division. Aber aus Frankreich und Italien gebe es belastbare Daten, berichtet Pearson. Dort seien nicht die Bezahlung und Vertragstreue das Problem, sagt der Wissenschaftler, sondern zum Beispiel, dass die Spieler unter dem Druck stehen, gegen ihren Willen den Verein zu wechseln: "Was wir innerhalb der EU gesehen haben ist, dass Spieler mit Ablösesumme eher zum Wechsel gedrängt werden als die in kleineren Ligen oder außerhalb von Europa. Das würden wir wahrscheinlich auch in der deutschen Bundesliga oder in der Premier League finden."

FIFPro-Generalsekretär van Seggelen fordert die Clubs und den Weltverband FIFA auf, ein funktionierendes Lizenzsystem durchzusetzen. Es gebe Vereine, die stellten Verträge aus, von denen sie von vorneherein wüssten, dass sie sie nicht bezahlen könnten, sagt der FIFPro-Funktionär. Dem Einhalt zu gebieten, sei auch eine Aufgabe der FIFA: "Unsere Forderungen richten sich an die Clubs, die verstehen müssen, dass sie nicht Verträge ausstellen können, von denen sie von vorneherein schon wissen, dass sie sie nicht bezahlen können, aber das ist natürlich auch eine große Verantwortung für die Weltregierung des Fußballs, die FIFA." Und der Gewerkschafter fügt hinzu: Zur Not müsse man manche Verbände halt von internationalen Wettbewerben ausschließen.

Abseits des großen Geldes: Studie zu Arbeitsbedingungen von Fußballprofis
T. Spickhofen, ARD London
29.11.2016 05:30 Uhr

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Dieser Beitrag lief am 29. November 2016 um 06:22 Uhr auf WDR 5.

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