Arafats Grab geöffnet: War die Todesursache Polonium?

Wandbild von Jassir Arafat (Bildquelle: AFP)

Untersuchungen zur Todesursache

Starb Arafat an einer Polonium-Vergiftung?

Poloniumfunde auf seiner Kleidung erhärten den längst gehegten Verdacht, dass Palästinenserpräsident Arafat vergiftet worden ist. Ein internationales Expertenteam soll dem nachgehen und die Todesursache klären. Acht Jahre nach seinem Tod wurde Arafats Grab deshalb geöffnet, Ärzte entnahmen Knochenproben.

Von Clemens Verenkotte, ARD-Hörfunkstudio Tel Aviv, zzt. Ramallah

Die Zufahrtsstraße zur Muqaata, dem Amtssitz des Chefs der Autonomiebehörde, ist abgesperrt. Doch die blau uniformierten Polizisten brauchen nicht einzugreifen.

Eine Phalanx von mindestens 20 Kamerateams hat sich an dieser Straßenkreuzung in Ramallah aufgebaut, um den besten Blick auf das mit großen, blauen Plastikplanen abgeschirmte Mausoleum Arafats zu haben.

Exhumierung Arafats unter Ausschluss der Öffentlichkeit
C. Verenkotte, ARD Tel Aviv
27.11.2012 11:29 Uhr

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"Es ist der Ort in der Geschichte des palästinensischen Volkes"

Juwan Abed Hafiz, Korrespondent des arabischen Nachrichtensenders Al Arabjia, sagt zur Bedeutung des Ereignisses für seine Zuschauer: "Das ist eine sehr wichtige Geschichte, weil wir über Jassir Arafat reden. Er ist eine nationale Persönlichkeit, er ist die Sache des palästinensischen Volkes, und das ist genau der Ort in der Geschichte des palästinensischen Volkes und des Konflikts. Die Sache ist wichtig, weil es um Jassir Arafat geht."

Wurde Arafat getötet und wenn ja, wie und von wem?

Der Al-Arabija-Korrespondent war schon vor acht Jahren hier, als die Hubschrauber der jordanischen Luftwaffe am 12. November 2004 die sterblichen Überreste des jahrzehntelangen Palästinenser-Chefs zurück nach Ramallah brachten. Hunderttausende waren damals auf den Beinen.

Untersuchung von Arafats Leichnam soll Todesursache klären
tagesschau 20:00 Uhr, 27.11.2012, Richard C. Schneider, ARD Tel Aviv

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Viele seiner Kollegen von Al Arabija hätten live auf dem Sender weinen müssen, sagt Hafiz. Für alle in der Region sei die Exhumierung bedeutend, weil es um Jassir Arafat gehe: "Auch wegen der geheimnisvollen Umstände seines Todes: Vor acht Jahren gab es unheimlich viele Diskussionen über die Frage, wie er ums Leben kam und wer Jassir Arafat umgebracht hat. Alle diese Fragen warten bis heute auf eine Antwort. Nicht allein für das palästinensische Volk, das das wissen will, sondern auch für die Araber ist das wichtig. Sie warten darauf zu wissen, was seinen Tod verursacht hat."

"Er ist unser Symbol und er ist unser Anführer"

Ab Mitternacht stand nur ein einziger journalistischer Augenzeuge vor dem abgeschirmten Mausoleum, Mohammad Abu Rub, eine junger palästinensischer Reporter für Radio Palestine.

Aus dem Archiv: Jassir Arafat wird in Ramallah beigesetzt
tagesschau 20:00 Uhr, 12.11.2004, Peter Dudzik, BR

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Er habe verfolgen können, dass bereits um 1.00 Uhr nachts die Präsidialgarde aufgezogen sei, während zeitgleich die Grabstelle geöffnet worden sei. Dann, noch vor Sonnenaufgang, seien die Wissenschaftler und Ermittler aus Frankreich, der Schweiz und Russland vorgefahren: "Ich sah einen Bus für den Transport der Experten, so gegen 4.30 Uhr und 5.00 Uhr am Morgen."

Seine Freundin steht neben dem jungen Journalisten des palästinensischen Rundfunks und sagt etwas zur Bedeutung Arafats: "Arafat lebt in unseren Herzen und in unserem Bewusstsein immer noch. Er ist unser Symbol  und er ist unser Anführer. Ich hoffe, er könnte aus seinem Grab herauskommen, um zu sehen, dass es unter Palästinensern keine Teilung mehr gibt."

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Jassir Arafat: Bilder aus drei Jahrzehnten

Jassir Arafat

Rückblicke: Jassir Arafat im Jahr 1996 ... (Bildquelle: picture-alliance / dpa)

Gegen 10.30 Uhr Ortszeit ist alles wieder vorbei. Zehn bis 20 Menschen verlassen das abgeschirmte Zelt vor dem Mausoleum und steigen die wenigen Stufen ins die Muqaata hoch. Das seien die Experten, die jetzt ihre Arbeit abgeschlossen hätten, sagten einige umstehende Journalisten.

Ergebnis in vier Monaten

Vor Frühjahr des nächsten Jahres werden die Ergebnisse der Wissenschaftler nicht vorliegen und bis dahin bleibt die Frage offen, die Omar, ein Geschäftsmann aus Ramallah aus dem Fenster seines Autos ruft, das im Stau vor dem Präsidentengebäude stecken bleibt: "Jeder Palästinenser wartet immer noch darauf, die Fakten zu erfahren, was der eigentliche Grund für seinen Tod war."

Stichwort: Polonium

Das Schwermetall Polonium kann durch seine radioaktive Strahlung Krebs auslösen. Gefährlich ist die Alphastrahlung vor allem, wenn Polonium in den Körper gelangt. Das Metall ist silberweiß glänzend und regt im Dunkeln die Luft in seiner Umgebung zu hellblauem Leuchten an.

Polonium gehört zu den seltensten chemischen Elementen. Es ist in geringen Mengen in Uranerzen enthalten. In der Erdkruste kommt Polonium in Spuren vor. Es wurde in geringen Mengen auch in Tabakpflanzen gefunden, wobei der Gehalt je nach Standort sehr unterschiedlich ist. Künstlich wird Polonium in Kernreaktoren erzeugt.

Entdeckt wurde das Element mit der Ordnungszahl 84 im Jahre 1898 von Marie Curie und nach ihrer Heimat Polen (lateinisch Polonia) benannt.

Das mit blauen Planen verhängte Mausoleum (Bildquelle: REUTERS)
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Das abgesperrte Mausoleum: Die Exhumierung erfolgte unter Ausschluss der Öffentlichkeit. Foto- und Fernsehaufnahmen waren im Mausoleum selbst nicht erlaubt.

Stand: 27.11.2012 12:10 Uhr

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