IPhone mit FBI-Logo auf dem Display vor dem FBI-Hauptquartier | Bildquelle: AFP

Ermittler verzichten auf Zwangsentsperrung FBI knackt iPhone ohne Apple

Stand: 29.03.2016 07:38 Uhr

Die US-Behörden haben nach eigenen Angaben selbst das iPhone eines islamistischen Attentäters entschlüsselt und verzichten auf den Versuch, Apple zur Entsperrung zu zwingen. Der Konzern will nun seine Mobiltelefone sicherer machen.

Der Streit zwischen Apple und der US-Regierung um das Entsperren des iPhones eines toten Attentäters ist vorerst vom Tisch. Die Hilfe des Technologiekonzerns werde "nicht länger benötigt", hieß es in einem Schreiben des Justizministeriums an das Gericht. Die zuständige Bundesstaatsanwältin Eileen Decker erklärte, der entsprechende Ermittlungsschritt sei abgeschlossen.

Die US-Behörden hatten bereits vergangene Woche mitgeteilt, dass ihnen ein Weg zur Entschlüsselung vorgeschlagen worden sei. Wer der Helfer ist und wie die Methode funktioniert, wurde bisher nicht bekannt.

FBI entschlüsselt iPhone ohne Apple
tagesschau 20:00 Uhr, 29.03.2016, Ina Ruck, ARD Washington

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Datenschutz oder Täterschutz?

Apple war Mitte Februar von der Richterin in dem Verfahren angewiesen worden, dem FBI beim Entsperren eines iPhones 5C zu helfen, das vom Attentäter von San Bernardino genutzt worden war. Er hatte in der kalifornischen Stadt mit seiner Frau 14 Menschen getötet. Das Paar, das die Terrororganisation "Islamischer Staat" (IS) unterstützt haben soll, starb bei einer Schießerei mit der Polizei.

Die Behörden hatten in den vergangenen Wochen immer wieder betont, dass sie nicht ohne Hilfe von Apple an die Daten im Telefon herankommen könnten. Sie wollten vor allem, dass Apple per Software-Eingriff die Funktion aushebelt, die den Speicherinhalt eines Telefons löscht, wenn zehn Mal ein falsches Passwort eingegeben wird.

Apple wehrte sich vehement dagegen und argumentierte, durch ein solches Programm würde die Datensicherheit für alle Nutzer geschwächt. Der Konzern störte sich zudem daran, dass die Regierung als rechtliche Grundlage für ihre Forderungen den "All Writs Act" von 1789 vorbrachte - ein Gesetz, das Richter grundsätzlich bevollmächtigt, nötige Maßnahmen zu verfügen. Apple warnte, mit einem solchen Präzedenzfall könne die Tür für eine weitreichende Überwachung elektronischer Geräte geöffnet werden. Unterstützt wurde Apple in seinem Widerstand von anderen Software-Giganten wie Facebook, Google und Yahoo sowie von Bürgerrechtlern.

Streit nur vertagt?

Das Justizministerium entgegnete, es gehe nur um dieses eine iPhone. Der Staatsanwalt von Manhattan, Cyrus Vance Jr., beklagte sich vor kurzem aber, dass allein in seiner Behörde in mehr als 175 Fällen nicht entsperrbare iPhones die Ermittlungen behinderten.

In New York läuft schon seit Monaten ein ähnliches Verfahren, in dem sich der Richter auf die Seite von Apple stellte. Die große Debatte um die Auswirkungen von Verschlüsselung auf Ermittlungen ist also mit dem Ende des Verfahrens in Kalifornien keineswegs vorbei.

Verschiedene Erklärungsmuster

Wer dem FBI nun wie half, ist weiter Gegenstand von Spekulationen. Theoretisch könnte es auch sein, dass die Ermittler einen Hinweis auf das Passwort bekamen. Die Mitteilung von vergangener Woche legte allerdings nahe, dass es um eine technische Lösung geht. Die Mutmaßungen von Experten gingen von einer Schwachstelle in Apples Software bis hin zu einem komplexen Verfahren aus, bei dem das Telefon geöffnet und der Speicherinhalt auf einen anderen Datenträger kopiert wird.

Laut einem unbestätigten Bericht der Zeitung "Yedioth Ahronoth" kam die Hilfe von der israelischen Firma Cellebrite. Das Unternehmen ist darauf spezialisiert, Daten aus mobilen Geräten herauszuholen.

Apple reagiert

Der Apple-Konzern will nun die Sicherheit seiner Produkte erhöhen. Man bleibe dabei, dass die Forderung der US-Regierung nach einer Kooperation bei der Aushebelung der Entschlüsselung falsch gewesen sei, teilte das Unternehmen mit.

Apple werde "wie bisher" die Behörden bei ihren Ermittlungen unterstützen, werde aber auch die Sicherheit der eigenen Produkte weiter erhöhen, da die Angriffe auf die Daten immer raffinierter und häufiger würden, hieß es in der Erklärung weiter.

FBI gelingt Hack des iPhones der San Bernardino Attentäter
M. Schuler, ARD Los Angeles
29.03.2016 03:27 Uhr

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