Die Apollo-1-Astronauten Roger Chaffee, Edward  Higgins White und Virgil Grissom | Bildquelle: picture-alliance / dpa

50 Jahre Apollo 1 "Feuer im Cockpit!"

Stand: 27.01.2017 11:03 Uhr

Eigentlich war es nur ein harmloser Test am Boden - doch er endete in einer Katastrophe: Vor 50 Jahren fing die Apollo 1 Feuer, die gesamte Crew starb. Der Vorfall leitete eine Wende bei der NASA ein - und trug so zum späteren Erfolg bei.

Von Jan Bösche, ARD-Studio Washington

Der Test am 27. Januar 1967 bereitete von Anfang an Probleme. Die Besatzung von Apollo 1 saß in ihrer Kapsel, an der Spitze der Trägerrakete. Es war eine Probe, ein Countdown - ohne tatsächlichen Start.

Die Apollo-1-Astronauten Roger Chaffee, Edward  Higgins White und Virgil Grissom | Bildquelle: picture alliance / Uncredited/NA
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Die Apollo-1-Astronauten Roger Chaffee, Edward Higgins White und Virgil Grissom (l-r) testen in einem Simulator ihren Start auf dem Gelände des Raumfahrtzentrums Kap Kennedy in Florida (undatiert).

Probleme gab es zum Beispiel mit der Kommunikation: Wie sollten sie zum Mond gelangen, wenn sie noch nicht einmal zwischen zwei Gebäuden reden könnten, schimpfte Kommandeur Gus Grissom. Die Crew war erfahren: Grissom war der zweite Amerikaner im All, Edward White der erste Amerikaner, der einen Weltraum-Spaziergang absolviert hatte. Roger Chaffee war Testpilot, dies sollte sein erster Weltraumflug sein.

Dann plötzlich, nach fünf Stunden Test und immer neuen Unterbrechungen: "Feuer im Cockpit!"

Raumanzüge verschmolzen mit den Wänden

Das Feuer breitete sich rasend schnell aus. Flammen und giftiger Rauch füllten die Kapsel. Die Crew versuchte, die Einstiegsluke zu öffnen. Das gelang aber nicht. Die Mitarbeiter auf der Abschussrampe brauchten über fünf Minuten, um die Tür von außen zu öffnen. Sie konnten die Astronauten nicht sofort bergen - ihre Raumanzüge waren teilweise mit den Wänden verschmolzen.

Die ausgebrannte Apollo 1 | Bildquelle: picture alliance / ASSOCIATED PR
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Das Feuer breitete sich rasend schnell aus. Flammen und giftiger Rauch füllten die Kapsel.

Das Feuer und der Tod der Astronauten waren ein Schock für die USA. Amerika befand sich im Wettrennen mit der Sowjetunion, das "Apollo"-Programm sollte den Vorsprung auf dem Weg zum Mond bringen. Nun dieser Rückschlag. "Ich glaube, niemand, der an 'Apollo' arbeitete, fühlte sich nicht verantwortlich", erinnerte sich NASA-Flugdirektor Gene Kranz später. "Wenn wir etwas anders gemacht hätten, wäre unsere Crew vielleicht nicht gestorben."

Die Untersuchung des Unglücks dauerte drei Monate. Warum genau das Feuer ausbrach, blieb offen. Ein Kurzschluss, vielleicht ein Funken. Verheerend: Die Raumkapsel war für den Start mit reinem Sauerstoff gefüllt - das war der Brandbeschleuniger. Innenausstattung und Raumauszüge waren aus leicht entzündlichem Material. Die Einstiegsluke bestand aus drei Ebenen, die aufwändig zu öffnen waren. Weil der Druck in der Kapsel erhöht war, ließ sich die Luke von innen nicht öffnen. "Eine Crew bei einem Test am Boden zu verlieren, weckte jeden auf", sagte Astronaut Alan Shepard. "Das war wichtig."

"Selbstzufrieden und übermäßig selbstbewusst"

Die NASA reagierte auf den Weckruf: Sie verbesserte die Qualitätskontrolle, Sicherheitsvorschriften und Ablaufprotokolle. Die Raumkapsel wurde neu konstruiert. "Das "Apollo-1"-Feuer verbesserte das ganze System. Leute realisierten, dass sie zu selbstzufrieden waren, übermäßig selbstbewusst, und es bewirkte eine komplette Neukonstruktion von vielen Teilen des Raumschiffes", sagte Astronaut Shepard. "Ich denke, das Feuer trug zum späteren Erfolg bei."

Eineinhalb Jahre später startete die erste bemannte Apollo-Mission, später ging es zum Mond - und alle Apollo-Flüge brachten die Astronauten heil zur Erde zurück.

Die NASA ehrt die Astronauten der Apollo-1-Mission mit einer neuen Ausstellung. Zu sehen ist unter anderem zum ersten Mal die Einstiegsluke - das verheerende Bauteil, dass die Besatzung in der Kapsel einsperrte.

Heute vor 50 Jahren: Feuer in Apollo1 - die erste Katastrophe der NASA
J. Bösche, ARD Washington
27.01.2017 09:36 Uhr

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Über dieses Thema berichtete Inforadio am 27. Januar 2017 um 14:51 Uhr.

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