Seitenueberschrift
Pazifik-Anrainer beraten in Wladiwostok
APEC-Zone will sich gegen Eurokrise schützen
Die Eurokrise war eines der beherrschenden Thema auf dem APEC-Gipfel. Im fernen Osten Russlands diskutierten die Pazifik-Anrainer, wie sie sich vor dem Abwärtstrend der Euro-Zone schützen können. Das Treffen fand auf einer Insel vor Wladiwostok statt, die für mehrere Millarden entwickelt worden war.
Von Bernd Großheim, ARD-Hörfunkstudio Moskau
Am Ende des APEC-Gipfels in Wladiwostok verzichteten die Teilnehmer auf das traditionelle Abschlussfoto in Landestracht. Also keine Kosakenhemden und keine bunten Kleider, sondern Anzüge und Kostüme, um dem Treffen einen eher geschäftlichen Charakter zu verleihen.
Im Abschlussdokument stimmten sich die 21 Pazifik-Anrainerstaaten untereinander ab, wie sie gegen Einflüsse der Eurokrise auf ihre Volkswirtschaften vorgehen wollen. Ihr Konzept: freier Handel, Reformen und die Stärkung der öffentlichen Finanzen.
Russlands Präsident Wladimir Putin ist sich sicher, dass sich die Handelsströme verschieben werden. Derzeit macht Russland mehr als die Hälfte seiner Geschäfte mit der EU, 24 Prozent mit APEC-Staaten. "Je größer das wirtschaftliche Potenzial der Pazifischen Region wird, desto größer soll de facto das Handelsvolumen mit Russland werden. Das heißt nicht, dass wir einfach herumsitzen und schauen, was passiert. Wir müssen uns darauf vorbereiten. Wie? Wir verbessern unsere Infrastruktur. Eisenbahn, Häfen, Energie. Das ist eine der wichtigsten Aufgaben der Region", so der Präsident.
APEC-Gipfel in Wladiwostok beendet
B. Großheim, ARD Moskau
09.09.2012 16:44 Uhr
Putin kritisiert Kartellverfahren der EU gegen Gazprom
Putin kritisierte das Kartellverfahren, das die EU-Kommission gegen den russischen Energiekonzern Gazprom eingeleitet hat. Die EU wolle dadurch von den Problemen in der Eurozone ablenken. "Vor einigen Jahren sind osteuropäische Länder in die EU eingetreten, und diese hat sich verpflichtet, ihre Volkswirtschaften zu subventionieren. Jetzt hat offenbar jemand in der EU-Kommission beschlossen, dass Russland einen Teil dieser Subventionen übernehmen soll. Das Vereinte Europa will seinen Einfluss behalten, und wir sollen das bezahlen. Das ist nicht konstruktiv", kritisierte Putin.
Engere Kooperation soll Pazifik-Anrainer krisenfest machen
tagesschau 16:15 Uhr, 09.09.2012, Udo Lielischkies, ARD Moskau
Uneinigkeit in der Syrien-Frage
Keine Annäherung brachte der APEC-Gipfel in der Frage, wie die internationale Gemeinschaft auf die Krise in Syrien reagieren soll. US-Außenministerin Hillary Clinton sagte, in Gesprächen mit Putin und ihrem russischen Kollegen Sergej Lawrow habe es nur begrenzte Fortschritte gegeben. Russland werde Sanktionen im Sicherheitsrat der Vereinten Nationen nach jetzigem Stand nicht zustimmen. Es sei aber zwecklos, eine zahnlose Resolution zu verabschieden, denn man habe gesehen, dass Syriens Staatschef Baschar al Assad sie ignoriere und sein Volk weiter angreife.
Putin erklärte, er wolle sich zu Inhalten des Gesprächs mit Außenministerin Clinton nicht äußern. "Das Treffen war konstruktiv und interessant. Ich glaube aber, ich sollte ihnen hier nicht alle Einzelheiten erzählen, weil wir keine Entscheidungen oder Vereinbarungen getroffen haben", meinte Putin.
Moskau pumpt Milliarden in die Infrastruktur
Insgesamt wertete der russische Präsident den APEC-Gipfel als Erfolg. Zahlreiche Abkommen für eine bessere wirtschaftliche Zusammenarbeit wurden geschlossen. Für Russland bedeutsam sind Energieprojekte in Südkorea und Japan. Putin hatte angekündigt, Energielieferungen in den asiatisch-pazifischen Raum zu verstärken. Ein politischer und wirtschaftlicher Schachzug, der dem rohstoffreichen, aber strukturschwachen Fernen Osten Russlands zugute kommen soll. Einige Investitionen wurden schon getätigt. Allein in den Tagungsort Wladiwostok pumpte Moskau Milliarden. Nicht ohne Hintergedanken: In den vergangenen 20 Jahren verließen 300.000 Menschen die Stadt, die Hälfte der jetzigen Bevölkerung.
Harte Kritik an der Infrastruktur im fernen Osten Russlands übten Top-Manager. Einer beklagte, vor ein paar Jahren habe es fünf Tage gedauert, um einen Güterzug mit Waren aus Sibirien zur chinesischen Grenze zu befördern. Heute dauere es zehn. Der nächste APEC-Gipfel findet im kommenden Jahr auf der indonesischen Insel Bali statt.
Stand: 09.09.2012 15:48 Uhr
