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Nach dem Antisemitismus-Vergleich des persönlichen Predigers des Papstes bemüht sich der Vatikan um Schadensbegrenzung. Papstsprecher Lombardi nannte den Vergleich missverständlich. Benedikt XVI. hingegen schweigt. Auch zum Missbrauchsskandal melden sich andere zu Wort.
Von Gregor Hoppe, ARD-Hörfunkstudio Rom
Papstsprecher Pater Federico Lombardi hat sich beeilt, den umstrittenen Antisemitismus-Vergleich des päpstlichen Hauspredigers Raniero Cantalamessa zurückzuholen. In einem Telefoninterview mit dem staatlichen RAI-Radio erklärte Lombardi, Cantalamessa habe aus einem an ihn persönlich gerichteten Brief eines jüdischen Freundes zitiert. Dennoch könne, so Lombardi, ein solcher Vergleich sehr missverständlich wirken.
[Bildunterschrift: In der Kritik: Papstprediger Cantalamessa ]
Raniero Cantalamessa hatte in der Andacht zu Jesu Leiden und Sterben am Karfreitag in der Petersbasilika in Anspielung auf die heftige Kritik an der Kirche vor dem Hintergrund der Missbrauchsfälle in der katholischen Jugendarbeit gesagt: "Ich habe in diesen Tagen den Brief eines jüdischen Freundes bekommen, und mit dessen Erlaubnis teile ich Euch hier eine Passage mit. Er sagt: Ich verfolge mit Abscheu den gewaltsamen und konzentrierten Angriff gegen die Kirche, den Papst und alle Gläubigen seitens der gesamten Welt. Der Gebrauch des Stereotyps, und die Überleitung von persönlicher Verantwortung und Schuld hin zur Kollektivschuld erinnern mich an die schändlichsten Aspekte des Antisemitismus. Daher möchte ich Ihnen persönlich, dem Papst und der ganzen Kirche, meine Solidarität als die eines dialogbereiten Juden ausdrücken, und den Beistand all derer, die in der jüdischen Welt, und es sind viele, diese Gefühle der Brüderlichkeit teilen."
[Bildunterschrift: Der Papst spricht zum Beginn der Kreuzwegsprozession ein Gebet und lässt die Debatte um die Missbrauchsvorwürfe erneut unerwähnt. ]
Roms Oberrabbiner Riccardo Segni hatte den Vergleich sofort als unangemessen bezeichnet, wie Vertreter des Judentums in anderen Ländern auch. Der Papst hatte die Worte seines Hauspredigers mit unbewegter, konzentrierter Miene verfolgt. Zuvor hatte Cantalamessa die Missbrauchsfälle nur nebenbei erwähnt: "Ich rede hier nicht von der Gewalt gegen Kinder, mit der sich unglücklicherweise nicht wenige Kirchenmänner befleckt haben. Darüber wird außerhalb der Kirche schon genug geredet."
Die Vatikanzeitung Osservatore Romano druckt in der heutigen Ausgabe Cantalamessas Ausführungen im Wortlaut und unkommentiert ab - auf Seite 7. Auf der Titelseite bringt das Vatikanblatt den Aufruf von 70 französischen Intellektuellen. Die Schlagzeile lautet: "Mit den Opfern und mit dem Papst." Darin werden die Massenmedien eingeladen, zu einer "Ethik der Verantwortung" zurückzukehren.
Derweil nahm der Glaubenspräfekt Kardinal James Levada den Papst besonders gegen Vorwürfe der "New York Times" in Schutz: Diese hatte dem damaligen Glaubenspräfekten Kardinal Josef Ratzinger eine Mitschuld daran zugeschrieben, dass der massenhafte Missbrauch eines US-Klerikers an gehörlosen Kindern in den Jahren 1950 bis 1974 im Jahr 1996 nicht zur Entfernung des Täters aus dem Priesteramt geführt hatte.
Dazu schrieb Levada auf der Website seines Bistums San Francisco, der Artikel ermangle aller Standards des seriösen Journalismus. Tatsächlich ruderte die "New York Times" zwei Tage nach den ersten Angriffen zumindest ein Stück weit zurück: Sie verwies auf die Äußerungen Benedikts XVI. während seines USA-Besuchs vor zwei Jahren, als der Papst rückhaltlose Aufklärung von Missbrauchsfällen ankündigte, Bestrafung der Täter und Schutz und Wiedergutmachung gegenüber den Opfern versprach und sich auch mit Opfern sexuellen Missbrauchs durch katholische Priester traf. Benedikt XVI. sei der erste Papst, der eine klare Linie in dieser Frage vertrete, so zitierte die "New York Times" einen bekannten Vatikanjournalisten.
Diese päpstlichen Stellungnahmen finden in der aktuellen Debatte keine Wiederaufnahme. Im Moment wirkt es, als befördere das Schweigen des Papstes weitere Missverständlichkeiten.
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