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Gewalttätige Proteste gegen Anti-Islam-Film
Hardliner rufen zu weiteren Protesten auf
Die radikalislamische Hisbollah hat im Libanon zu Protesten gegen den anti-islamischen Film "Innocence of Muslims" aufgerufen. In einer Fernsehansprache sagte ihr Führer, Scheich Hassan Nasrallah, die USA müssten zur Verantwortung gezogen werden. Er forderte seine Anhänger auf, nicht nur ihren Ärger auf US-Botschaften zu richten, sondern ihre Regierungen zum Handeln aufzurufen. Diese müssten darauf dringen, dass der Prophet Mohammed und der Koran auf der ganzen Welt respektiert würden.
Das Schmähvideo sei ein Versuch, Unfrieden zwischen Christen und Muslimen in der Nahostregion zu stiften, sagte Nasrallah weiter, der die Rede an einem geheimen Ort hielt. Die US-Regierung nutze die Redefreiheit als Rechtfertigung für die Ausstrahlung des Films. Für heute kündigte die Hisbollah Demonstrationen im ganzen Land an.
Hisbollah ruft zu Protesten gegen USA auf
tagesschau24 10:00 Uhr, 17.09.2012, Swantje Hirsch, ARD aktuell
Erst am Vortag hatte sich Papst Benedikt XVI. bei seinem Besuch im Libanon für den Aufbau einer Friedenskultur im Nahen Osten stark gemacht und ein "neues Modell der Brüderlichkeit" und die Ächtung jedweder Gewalt gefordert.
Auch die Mullahs im Iran forderten Muslime auf, weiter gegen den in den USA produzierten Film zu protestieren, der den Propheten Mohammed lächerlich macht. Ahmad Chatami, ein Verbündeter des geistlichen Führers des Landes, Ayatollah Ali Chamenei, erklärte bei einer Versammlung in der Stadt Kom, dass die Proteste weitergehen sollten, um den USA zu zeigen, dass sie es nicht mit dem Islam aufnehmen könnten.
Verletzte bei Protesten in Pakistan
Auch eine im Jemen ansässige Unterorganisation von Al Kaida rief zu erneutem Protest auf. Die Angriffe in den vergangenen Tagen seien die "natürliche Antwort auf eine enorme Beleidigung" gewesen, erklärte die Organisation, und bezog sich damit auf den islamfeindlichen Film, der die Proteste ausgelöst hatte. Zudem rief die Terrororganisation die Muslime in den westlichen Ländern auf, auch dort Schlüsseleinrichtungen der jeweiligen Staaten anzugreifen.
Bei landesweiten Protesten in Pakistan gab es mehrere Verletzte. In der Hafenstadt Karatschi schoss die Polizei vor dem US-Konsulat in die Luft und ging mit Tränengas und Wasserwerfern gegen etwa 1000 Demonstranten vor. Nach amtlichen Angaben wurden mindestens acht Menschen verletzt, außerdem gab es 20 Festnahmen.
In Afghanistan kam es nach mehreren friedlichen Protesten erstmals zu Ausschreitungen. Mehr als 300 Demonstranten hätten sich in der Hauptstadt Kabul versammelt und antiamerikanische Parolen gerufen, teilte die Polizei mit. Die Lage sei eskaliert, als junge Männer Müllcontainer und Geschäfte in Brand gesetzt hätten. Den Angaben zufolge ging auch ein Polizeiauto in Flammen auf. Etwa 50 Sicherheitskräfte seien durch Steinwürfe leicht verletzt worden. Zudem sei aus der Menge in Richtung der Polizei geschossen worden.
"Erfüllungsgehilfen der Urheber"
Der Vorsitzende des Obersten Rates der Religionsgelehrten und Groß-Mufti von Saudi-Arabien, Scheich Abdulasis bin Abdullah al Scheich, mahnte die Muslime, sich nicht aus Wut dazu verleiten zu lassen, unschuldige Menschen zu töten und öffentliche Einrichtungen anzugreifen. Wer seinem Zorn nachgebe, mache sich letztlich nur zum Erfüllungsgehilfen der Urheber des Mohammed-Films, erklärte er.
Deutschland reduziert Botschaftspersonal im Sudan
Unterdessen reagierte die Bundesregierung auf den Angriff radikaler Muslime auf die deutsche Botschaft im Sudan. Ein Teil der Mitarbeiter werde abgezogen, teilte das Auswärtige Amt mit. Zudem würden zusätzliche Sicherheitskräfte entsandt. Derzeit sei die Lage zwar gespannt, aber ruhig, erklärte eine Sprecherin. Die Reisehinweise für das Land wurden verschärft. Es werde zu besonderer Vorsicht geraten und empfohlen, den Bereich um die deutsche Botschaft zu meiden, sagt die Sprecherin. Am Freitag hatten aufgebrachte Demonstranten die Botschaft gestürmt und in Brand gesetzt.
Auch die USA zogen Personal aus mehreren Botschaften ab.
Der mutmaßliche Drahtzieher des Videos "Unschuld der Muslime" wurde inzwischen von den US-Behörden befragt. Der 55-jährige Nakoula Basseley Nakoula soll laut US-Medienberichten ein verurteilter Bankbetrüger sein. Wegen seiner kriminellen Vergangenheit sei dem koptischen Christen auch für fünf Jahre der Zugang zum Internet verboten worden.
Muslime protestieren weltweit gegen Mohammed-Film
tagesschau 16:00 Uhr, 17.09.2012, Gabor Halasz, ARD Neu Delhi
Stand: 17.09.2012 09:58 Uhr
