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Nach Ausschreitungen wegen islamfeindlichen Films
USA befürchten offenbar anhaltende Krise
Offenbar rechnet US-Präsident Barack Obama nach den jüngsten anti-amerikanischen Ausschreitungen nicht mit einer schnellen Beruhigung der Lage im Nahen Osten.
Das Weiße Haus gehe davon aus, dass die gewaltsamen Proteste, bei denen auch vier US-Diplomaten getötet wurden, zu einer "anhaltenden Krise mit unvorhersehbaren diplomatischen und politischen Konsequenzen" führen könnten, heißt es in einem Bericht der Onlineausgabe der "New York Times".
US-Regierung warnt vor Reisen nach Tunesien
Als Konsequenz auf die gewaltsamen Angriffe auf ihre Vertretungen in Tunesien und im Sudan haben die USA damit begonnen, ihr Personal aus den dortigen Botschaften abzuziehen. Lediglich eine Notbesetzung soll vor Ort bleiben.
Zugleich warnte das US-Außenministerium die US-Bürger vor "allen Reisen nach Tunesien zum jetzigen Zeitpunkt". Wegen der "anhaltend kritischen" terroristischen Bedrohung wurde auch vor Reisen in den Sudan gewarnt.
USA ziehen Botschafterpersonal aus Tunesien und dem Sudan ab
tagesschau 09:55 Uhr, 16.09.2012, Matthias Ebert, ARD Kairo
Die USA hatten bereits damit begonnen, ihre Militärpräsenz in der Region zu verstärken. Das US-Verteidigungsministerium entsandte Marineinfanteristen in den Sudan, um die dortigen Einrichtungen zu schützen. Auch nach Libyen und in den Jemen wurden Soldaten geschickt.
Aufruf zu weiteren Angriffen
Radikale Gruppen hatten nach den Ausschreitungen in Teilen der muslimischen Welt zu weiteren Angriffen auf Botschaften und Einrichtungen der USA aufgerufen. Eine im Jemen ansässige Unterorganisation von Al Kaida erklärte, die Angriffe in den vergangenen Tagen seien die "natürliche Antwort auf eine enorme Beleidigung" gewesen und bezog sich damit auf den islamfeindlichen Film, der die Proteste ausgelöst hatte.
Zudem rief die Terrororganisation die Muslime in den westlichen Ländern auf, auch dort Schlüsseleinrichtungen der jeweiligen Staaten anzugreifen. Einen Aufruf zu Protesten verbreiteten auch die pakistanischen Taliban. Sie begründeten dies damit, dass weltweit zunehmend Symbole des Islam beleidigt würden.
Proteste auch in Australien und Frankreich
Der UN-Sicherheitsrat hatte die jüngsten Angriffe auf diplomatische Vertretungen in mehreren muslimischen Ländern verurteilt. In einer in New York veröffentlichten Erklärung hieß es, diplomatische Vertretungen seien von Natur aus friedlich.
Die Proteste in muslimischen Staaten halten seit Tagen an, am Samstag hatte sich die Lage allerdings etwas beruhigt. Die Proteste verliefen unblutig. Demonstrationen gab es auch in Australien und Frankreich. Vor dem US-Konsulat in Sydney kam es zu Auseinandersetzungen zwischen der Polizei und etwa 200 Menschen, die gegen den anti-islamischen Film demonstrierten.
Al Kaida ruft zur Gewalt gegen US-Botschaften auf
P. Steffe, ARD Kairo
15.09.2012 17:23 Uhr
In der Nacht zu Samstag hatten in der südafghanischen Provinz Helmand Taliban den Militärstützpunkt Camp Bastion mit Minenwerfern, Panzerfäusten und Handfeuerwaffen angegriffen. Zwei US-Soldaten wurden dabei getötet, mehrere verletzt. Ein Sprecher der Taliban erklärte: "Das Ziel dieses Angriffs war Rache an den Amerikanern wegen des Films, der sich gegen den Propheten richtet."
Am Freitag war im Sudan auch die deutsche Botschaft angegriffen worden. Bundesaußenminister Guido Westerwelle hatte daraufhin Regierungen in den islamischen Ländern aufgefordert, deutsche Botschaften effektiv vor gewaltbereiten Demonstranten zu schützen.
Zum Jahrestag der Anschläge vom 11. September 2001 waren am Dienstag bei einem Angriff auf das US-Konsulat im libyschen Bengasi der amerikanische Botschafter und drei Mitarbeiter getötet worden. Ausschreitungen gab es auch in Kairo und Tunis.
Stand: 16.09.2012 02:51 Uhr
