Zigarette | Bildquelle: picture alliance

Kampagne im US-Fernsehen Tabakindustrie zahlt Anti-Tabak-Spots

Stand: 27.11.2017 07:27 Uhr

An den Folgen des Zigarettenkonsums sterben in den USA jedes Jahr Zehntausende Menschen. Fernsehwerbung ist dort bereits seit Jahrzehnten verboten. Nun ist die Tabakindustrie mit einer großen Kampagne zurück im TV - doch ganz und gar gegen ihren Willen.

Von Jan Bösche, ARD-Studio Washington

Werbung der Tabakindustrie ist zurück im Fernsehen: aber nicht so, wie es sich die Hersteller vielleicht gewünscht haben. Das, was gezeigt wird, bezahlen sie nicht freiwillig - das machen die Zigaretten-Hersteller gleich am Anfang der Werbespots deutlich: Eine monotone Stimme liest vor, ein Bundesgericht habe angeordnet, dass die Tabakkonzerne über die Gesundheitsfolgen des Rauchens informieren müssen.

"Rauchen tötet im Durchschnitt 1200 Amerikaner am Tag"

Eine brennende Zigarette | Bildquelle: dpa
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Die Folgen des Zigarettenkonsums sind auch in den USA verheerend.

Das Urteil stammt aus dem Jahr 2006. Die Richterin schrieb, die Tabakkonzerne hätten die amerikanische Öffentlichkeit belogen und getäuscht, welche Folgen Rauchen haben könne. Die Strafe: Eine Werbekampagne gegen das Rauchen. Anzeigen in großen Zeitungen und Fernsehspots in den großen Sendern - insgesamt ein Jahr lang. Im Spot heißt es: "Rauchen tötet im Durchschnitt 1200 Amerikaner am Tag. Jedes Jahr sterben mehr Menschen an Rauchen als an Mord, Aids, Selbstmord, Drogen, Autounfällen und Alkohol zusammen."

Die Spots und Anzeigen sind einfach gestaltet: Schwarzer Text auf weißen Grund. Über die Texte wurde jahrelang gerungen. Das Gesundheitsministerium verlangte, dass die Tabakindustrie eingesteht, dass sie die Amerikaner getäuscht habe. Die Industrie wehrte sich dagegen, sprach von einer Demütigung. Ein Berufungsgericht entschied schließlich, die Spots sollten sachlich sein. So erklärt die Stimme jetzt nüchtern, dass die Tabak-Konzerne Zigaretten absichtlich so entwickelten, dass sie abhängig machen.

Krebsgesellschaft hofft auf den Wendepunkt

Mary Rouvelas von der amerikanischen Krebs-Gesellschaft sagte dem Sender NBC über die Kampagne: "Das ist wirklich ein Wendepunkt: Die Industrie bekennt zum ersten Mal wirklich Farbe über die Gesundheitsfolgen des Rauchens. Wir hoffen, das hilft Leuten und rettet Leben."

Andere Kritiker der Tabakindustrie sind mit der Kampagne überhaupt nicht zufrieden. Robin Koval zum Beispiel. Seine "Truth Initiative" richtet sich vor allem an Jugendliche. Er kritisierte, die Industrie habe den Start der Kampagne lange verzögert, während sich die Medienlandschaft grundlegend geändert habe. Die Kampagne setzt auf Zeitungen und große Fernsehsender - Medien, die junge Leute kaum noch konsumieren. Für Koval eine vertane Chance.

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Amerikanische Fernsehzuschauer und Internet-Nutzer bekommen schon länger Werbung gegen das Rauchen zu sehen. Dazu gehört eine Kampagne der Bundesbehörde CDC. Raucher sprechen hier über die lebensgefährlichen Folgen. Terrie zum Beispiel litt an Kehlkopf-Krebs und starb mit 53. Ihre Videos werden online millionenfach angeklickt. In einem wurde sie von Kindern gefragt, warum sie so seltsam spreche. Ihre Antwort: "Weil ich Zigaretten geraucht habe."

Kritiker sagen, der Kampf gegen das Rauchen gehe weiter. Sie werfen den Konzernen vor, mit neuen Produkten und falschen Versprechen weiterhin auf Kundenfang zu gehen. Die Unternehmen versprechen dagegen Besserung. Altria zum Beispiel teilte mit, man wolle offen über die Gesundheits-Folgen des Rauchens informieren.

Neu im US-Fernsehen: Anti-Zigarretten-Werbung, bezahlt von Tabak-Industrie
Jan Bösche, MDR Washington
27.11.2017 07:48 Uhr

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Über dieses Thema berichtete NDR Info am 27. November 2017 um 06:20 Uhr.

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