Knapper Wahlausgang in Pakistan erwartet

Wahlen in Pakistan (Bildquelle: AFP)

Parlamentswahl in Pakistan

Knapper Wahlausgang erwartet

Anschläge in drei Provinzen überschatten die Parlamentswahl in Pakistan. Doch die Pakistaner lassen sich von der Gewalt nicht abschrecken - sie stehen in langen Schlangen vor den Wahllokalen. Es wird ein knappes Wahlergebnis erwartet.

Von Sandra Petersmann, ARD-Hörfunkstudio Neu-Delhi, zzt. Islamabad

Die Extremisten machen ihre Drohung wahr und bomben und töten und verletzen. Aber viele Menschen lassen sich nicht von dem Terror abschrecken, sondern sie stehen geduldig in langen, langen Schlangen. Sie können zum ersten Mal über eine gewählte Regierung entscheiden, die ihre volle Amtszeit beendet hat.

Michael Gahler, der Chef der EU-Wahlbeobachtermission, wertet das als Erfolg: "Also, zunächst mal glaube ich, dass es wichtig ist, dass die Wahlen gleichwohl stattfinden. Hätten es die Extremisten erreicht, dass diese Wahlen verschoben werden, dann wäre das für die ein Sieg gewesen. Was wir nicht ändern mit dieser Wahl ist die politische Struktur des Landes, aber wir wollen einen entscheidenden Beitrag leisten, dass diese Wahlen auch als glaubwürdig und professionell wahrgenommen werden." Die Taliban haben der pakistanischen Demokratie den Krieg erklärt. Landesweit sind über 600.000 Sicherheitskräfte im Einsatz, um die Wahl zu schützen.

"Nawaz ist okay, aber nicht gut genug für Pakistan, wir wollen Wandel, darum wählen wir Imran", sagen zwei junge Männer, die in Islamabad ihre Stimme abgegeben haben. Die beiden Studenten sind Erstwähler. Auch die weiteren Gespräche vor dem Wahllokal im Zentrum der Hauptstadt bestätigen den Trend: Nawaz Scharif und seine konservativ-religiöse Muslimliga gelten als Favorit, aber Cricket-Legende Imran Khan und seine Bewegung für Gerechtigkeit könnten für eine faustdicke Überraschung sorgen.

Historische Wahl im Würgegriff des Terrors
S. Petersmann, ARD Neu-Delhi zzt. Islamabad
11.05.2013 11:23 Uhr

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Pessimismus in der Bevölkerung

"Pakistan ist in einer wirklich sehr schwierigen Situation. Was wir jetzt vor allem brauchen, ist eine gute politische Führung. Aber die traurige Wahrheit ist, dass wir kaum Auswahl haben. Ich glaube, Khan ist unter diesen Voraussetzungen die beste Wahl. Wie ehrlich er ist, werden wir noch sehen." Die Frau, die das sagt, ist Mitte 50. Auch sie hat heute zum ersten Mal in ihrem Leben gewählt.

Optimistisch ist sie trotzdem nicht. "Ich glaube, dass Pakistan nicht zur Ruhe kommen wird. Die Drohnenangriffe der USA werden weitergehen, die Preise werden weiter steigen, wir haben nicht genug Treibstoff und Gas zum Kochen, wir haben kein sauberes Wasser in den Leitungen. Meine Tochter studiert in den USA. Und ich denke manchmal, dass sie besser nicht zurückkommen sollte." 

Land mit gewaltigen Problemen

Die Islamische Republik Pakistan, eine Atommacht, hat riesige Probleme. Terror und Gewalt gehören genauso zum Alltag wie Stromausfälle, lange Schlangen vor den Tankstellen, Inflation und Arbeitslosigkeit. Der Staat ist korrupt und so gut wie bankrott. Der mächtige Militärapparat frisst den Großteil des Haushalts auf, während für die Mehrheit der mehr als 180 Millionen Pakistaner eine gute Schuldbildung und eine gute Gesundheitsversorgung unerreichbare Träume sind.

Deswegen sagt dieser Geschäftsmann, dass er für den Mann stimmt, der schon zweimal Premierminister war. "Scharif hat viel Erfahrung, und das ist jetzt wichtig. Pakistan ist auf dem Weg, ein gescheiterter Staat zu werden. Wir brauchen eine Regierung, die in der Lage ist, unser Land zu einen. Wir brauchen jemanden, der gut verwalten kann. Und in dieser Hinsicht ist Scharif in einer besseren Position als Khan."

Anschläge überschatten Parlamentswahlen in Pakistan
tagesschau 15:00, 11.05.2013

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Beobachter gehen davon aus, dass es keiner Partei gelingen wird, eine eigene Regierungsmehrheit zu gewinnen. Viele rechnen mit schwierigen Koalitionsverhandlungen.

Stand: 11.05.2013 12:32 Uhr

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