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Die Attentäter warteten bis zum Schichtwechsel in der Fabrik, um sich dann inmitten der Arbeiter in die Luft zu sprengen. Vermutlich rund 60 Menschen verloren ihr Leben. Pakistanische Politiker sprachen von einer "barbarischen Tat" und suchen die Schuldigen im Ausland.
Von Kai Küstner, ARD-Hörfunkstudio Neu Delhi
[Bildunterschrift: Rettungskräften bleibt die traurige Arbeit der Leichenbergung. ]
Der Terror - so scheint es - hat Pakistan drei Tage nach dem Rücktritt von Pervez Muscharraf fest im Griff: Zwei Selbstmordattentäter sprengten sich vor einer Waffenfabrik, nur etwa 30 km von der Hauptsstadt Islamabad entfernt, in die Luft. Ein Augenzeuge, der zum Zeitpunkt der Explosionen in der Nähe war, berichtet mit brüchiger Stimme: "Nachdem ich mein Fahrrad abgestellt hatte, sah ich Berge von Verletzten. Viele davon haben wir in Fahrzeuge getragen, danach wurden sie in die Krankenhäuser gebracht. Dieses ganze Gebiet hier war voller Blut, es war ein grauenhafter Anblick."
Wieder einmal haben sich Attentäter eine Militäreinrichtung als Ziel ausgesucht. Offenbar weil es ihnen aber nicht gelang, direkt auf das Gelände zu gelangen, sprengten sie sich außerhalb in die Luft. Genau dort, wo sich wegen des Schichtwechsels gerade jede Menge Menschen aufhielten. "Es war ungefähr 14.30 Uhr und ich saß gerade in einem nahegelegenen Hotel, als ich die Explosionen hörte: Alle rannten nach draußen, überall flogen Trümmerteile durch die Gegend, Menschen weinten und schrien und rannten orientierungslos umher," beschreibt ein Augenzeuge den Anschlag.
Der pakistanische Ableger der Taliban beeilte sich, die Verantwortung für den Anschlag zu übernehmen. Genau wie vor zwei Tagen, als sich in der unruhigen Nordwestprovinz ein Selbstmordattentäter in der Notaufnahme eines Krankenhauses in die Luft gesprengt hatte. Wieder drohten die Taliban mit weiteren Bluttaten, wenn die Regierungstruppen in den Stammesgebieten weiter gegen sie vorgingen.
Im Nordwesten des Landes liefert sich die Armee seit Wochen heftige Gefechte mit Extremisten. Hunderte Menschen kamen dabei bisher ums Leben, Tausende sind aus der Region geflohen. Es sei aber immer schwer, die wahren Verantwortlichen für diese Anschläge zu finden, so der Politikexperte Ejaz Haider: "Es kann schon sein, dass die Hintermänner in den zerklüfteten Bergregionen, in den Stammesgebieten von Wasiristan sitzen, aber die finden immer Rekruten aus den dichter besiedelten Gebieten. Das macht es extrem schwierig für die Sicherheitskräfte, dieses Netzwerk zu unterwandern."
[Bildunterschrift: Verwandte trauern um die Opfer des Selbstmordanschlages. ]
Klar ist nur, dass auch drei Tage nach dem Rücktritt von Präsident Musharraf das Land nicht zur Ruhe kommt. Die Koalitionsregierung wird jede Menge Arbeit bekommen. Schon im vergangenen Jahr hatten die Taliban immer wieder Militäreinrichtungen attackiert. Als es die Regierung dann mit Verhandlungen in den Stammesgebieten versuchte, wurde es zwar etwas ruhiger. Doch die Extremisten nutzen diese Zeit, um sich neu zu gruppieren und weiter in Richtung der Großstädte vorzurücken. Die Armee sah sich wieder zum Eingreifen gezwungen. Jetzt ist die Gewalt neu aufgeflammt.
Der Sprecher der Regierungspartei PML-N, Siddiq ul Faruk, verurteilte den Anschlag als "barbarisch". Er sagte: "Die haben jetzt angefangen, unsere Militärorgane ins Visier zu nehmen. Wir brauchen jetzt dringend eine Politik, für die ganze Nation. Schon aus Selbstverteidigungsgründen. Wir erkennen auch die Handschrift des Auslands in diesen barbarischen Attacken."
Ohne den Namen Afghanistan auszusprechen, ist es fast schon an der Tagesordnung, die Schuld den Nachbarn in die Schuhe zu schieben. Afghanistan beschwert sich beständig, dass die Aufständischen aus Pakistan über die Grenze einsickern. Ganz ähnlich wirft Pakistan dem Nachbarn Afghanistan vor, das Grenzgebiet nicht wirklich im Griff zu haben.
Es sieht stark danach aus, als würde dieses Spiel, die Schuld bei den Anderen zu suchen, noch eine Weile so weitergehen.
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