Seitenueberschrift
Bus durch Explosion zerstört
Hamas bejubelt Anschlag in Tel Aviv
Die im Gazastreifen herrschende radikal-islamische Hamas hat den Bombenanschlag auf einen Bus in der israelischen Metropole Tel Aviv begrüßt. "Wir gratulieren unserem Volk zu dieser heldenhaften Tat", hieß es in einer Mitteilung, die über die Lautsprecher von Moscheen verlesen wurde. Es handele sich um eine "natürliche Reaktion" auf die Tötung von Zivilisten durch die israelische Luftwaffe, hieß es im Hamas-Fernsehsender. Im Gazastreifen gab es nach israelischen Medienberichten auch Freudenschüsse in die Luft.
Der Anschlag ereignete sich, während die Bemühungen um einen Waffenstillstand zwischen Israel und militanten Palästinensern auf Hochtouren laufen. Seit Tagen greifen israelische Streitkräfte die im Gazastreifen regierende Hamas an. Palästinensische Kämpfer beschießen ihrerseits von dort Israel mit Raketen. In der Nacht und am Vormittag hatte Israel besonders heftige Angriffe durchgeführt, unter anderem auf Waffenlager, Tunnel und Raketenabschussrampen. Dabei wurden laut Militärangaben 30 Palästinenser getötet.
Bisher starben in der Enklave am Mittelmeer etwa 140 Menschen durch israelische Angriffe, darunter viele Zivilisten. Auf israelischer Seite starben fünf Menschen durch den Raketenbeschuss.
Eskalation statt Waffenruhe in Israel
tagesschau 17:00 Uhr, 21.11.2012, Markus Rosch, ARD Tel Aviv
Regierung spricht von Terroranschlag
Am Mittag waren bei dem Anschlag laut Polizeiangaben mindestens 21 Menschen verletzt worden. Er ereignete sich auf dem Schaul-Hamelech-Boulevard im Stadtzentrum. Es war der erste Bombenanschlag auf einen Tel Aviver Bus seit dem Jahr 2006. Noch hat sich niemand zu der Tat bekannt.
Ein Sprecher von Ministerpräsident Benjamin Netanjahu sprach von einem terroristischen Akt. Die meisten Opfer seien aber nur leicht verletzt worden.
Der israelische Rundfunk meldete, es habe sich nicht um einen Selbstmordanschlag gehandelt. Möglicherweise habe ein Attentäter eine Bombe gelegt und sei entkommen. Im israelischen TV waren Bilder zu sehen, die den qualmenden Bus mit zerborstenen Scheiben zeigten.
Anschlag auf Stadtbus in Tel Aviv
T. Teichmann, ARD Tel Aviv
21.11.2012 13:42 Uhr
Ringen um Waffenruhe geht weiter
Eine Waffenruhe zwischen Israel und den Militanten im Gazastreifen bleibt unterdessen trotz intensiver diplomatischer Bemühungen der USA und Ägyptens aus. Die amerikanische Außenminister Hillary Clinton vermittelt weiter in der Region.
Israelische Regierungsvertreter und Sprecher der Hamas ließen über ägyptische Vermittler mitteilen, dass Hoffnung auf eine baldige Feuerpause bestehe. Allerdings sei das noch lange nicht sicher. Zuvor hatte ein Hamas-Sprecher erklärt, eine Einigung sei noch heute zu erwarten.
Bundeskanzlerin Angela Merkel verteidigte die israelische Offensive. Angesichts der ständigen Raketenangriffe auf israelisches Staatsgebiet habe die dortige Regierung das Recht zur Verteidigung ihrer eigenen Bevölkerung, sagte sie im Bundestag. Zugleich setze die Bundesregierung alles daran, den politischen Verhandlungsprozess in Gang zu setzen, um eine Waffenruhe zu erreichen. Dazu gebe es keine vernünftige Alternative.
Iran bekennt sich zu Militärhilfe für die Hamas
Der iranische Parlamentspräsident Ali Laridschani bestätigte, dass der Iran der Hamas auch militärische Hilfe leistet und darauf stolz sei: Der Iran hatte bislang angegeben, dass man Hamas und Palästina nur politisch und nicht militärisch unterstütze.
"Die arabischen Länder veranstalten Konferenzen und reden nur, aber sie müssen wissen, dass die Palästinenser dies nicht brauchen. Wir sind daher stolz zu verkünden, dass unsere Hilfe für Hamas finanziell und militärisch ist", sagte Laridschani nach Angaben der Nachrichtenagentur Fars.
Stand: 21.11.2012 14:04 Uhr
