Ein Mann steht zwischen Trümmern in  Somalias Hauptstadt Mogadischu. | Bildquelle: dpa

Terror in Somalia Die Blutspur der Al Shabaab

Stand: 16.10.2017 15:58 Uhr

Die Terrororganisation Al Shabaab soll hinter dem Doppelanschlag mit 300 Toten in Mogadischu stecken. Seit Jahren machen sich die Verbündeten von Al Kaida das politische Chaos in Somalia zunutze.

Von Alexander Göbel, ARD-Studio Nairobi

Nach dem schwersten Terroranschlag in der Geschichte Somalias steht das Land unter Schock. Während in Mogadischu die Aufräumarbeiten weitergehen, macht die Regierung die radikalislamische Al-Shabaab-Miliz für die Tat vom Samstag verantwortlich. Nach der Explosion eines mit Sprengstoff beladenen Lkw sprechen die Behörden inzwischen von mehr als 300 Toten.

Nach Bombenanschlägen in Somalia mindestens 300 Tote
tagesschau 14:00 Uhr, 16.10.2017, Caroline Hoffmann, ARD Nairobi

Download der Videodatei

Wir bieten dieses Video in folgenden Formaten zum Download an:

Hinweis: Falls die Videodatei beim Klicken nicht automatisch gespeichert wird, können Sie mit der rechten Maustaste klicken und "Ziel speichern unter ..." auswählen.

Video einbetten

Nutzungsbedingungen Embedding Tagesschau: Durch Anklicken des Punktes „Einverstanden“ erkennt der Nutzer die vorliegenden AGB an. Damit wird dem Nutzer die Möglichkeit eingeräumt, unentgeltlich und nicht-exklusiv die Nutzung des tagesschau.de Video Players zum Embedding im eigenen Angebot. Der Nutzer erkennt ausdrücklich die freie redaktionelle Verantwortung für die bereitgestellten Inhalte der Tagesschau an und wird diese daher unverändert und in voller Länge nur im Rahmen der beantragten Nutzung verwenden. Der Nutzer darf insbesondere das Logo des NDR und der Tageschau im NDR Video Player nicht verändern. Darüber hinaus bedarf die Nutzung von Logos, Marken oder sonstigen Zeichen des NDR der vorherigen Zustimmung durch den NDR.
Der Nutzer garantiert, dass das überlassene Angebot werbefrei abgespielt bzw. dargestellt wird. Sofern der Nutzer Werbung im Umfeld des Videoplayers im eigenen Online-Auftritt präsentiert, ist diese so zu gestalten, dass zwischen dem NDR Video Player und den Werbeaussagen inhaltlich weder unmittelbar noch mittelbar ein Bezug hergestellt werden kann. Insbesondere ist es nicht gestattet, das überlassene Programmangebot durch Werbung zu unterbrechen oder sonstige online-typische Werbeformen zu verwenden, etwa durch Pre-Roll- oder Post-Roll-Darstellungen, Splitscreen oder Overlay. Der Video Player wird durch den Nutzer unverschlüsselt verfügbar gemacht. Der Nutzer wird von Dritten kein Entgelt für die Nutzung des NDR Video Players erheben. Vom Nutzer eingesetzte Digital Rights Managementsysteme dürfen nicht angewendet werden. Der Nutzer ist für die Einbindung der Inhalte der Tagesschau in seinem Online-Auftritt selbst verantwortlich.
Der Nutzer wird die eventuell notwendigen Rechte von den Verwertungsgesellschaften direkt lizenzieren und stellt den NDR von einer eventuellen Inanspruchnahme durch die Verwertungsgesellschaften bezüglich der Zugänglichmachung im Rahmen des Online-Auftritts frei oder wird dem NDR eventuell entstehende Kosten erstatten
Das Recht zur Widerrufung dieser Nutzungserlaubnis liegt insbesondere dann vor, wenn der Nutzer gegen die Vorgaben dieser AGB verstößt. Unabhängig davon endet die Nutzungsbefugnis für ein Video, wenn es der NDR aus rechtlichen (insbesondere urheber-, medien- oder presserechtlichen) Gründen nicht weiter zur Verbreitung bringen kann. In diesen Fällen wird der NDR das Angebot ohne Vorankündigung offline stellen. Dem Nutzer ist die Nutzung des entsprechenden Angebotes ab diesem Zeitpunkt untersagt. Der NDR kann die vorliegenden AGB nach Vorankündigung jederzeit ändern. Sie werden Bestandteil der Nutzungsbefugnis, wenn der Nutzer den geänderten AGB zustimmt.

Einverstanden

Zum einbetten einfach den HTML-Code kopieren und auf ihrer Seite einfügen.

Die Menschen gehen gegen den Terror auf die Straße und trauern um die Opfer: Mehrere tausend Männer, Frauen und Kinder ziehen ins Stadtzentrum von Mogadischu. Sie alle tragen Bänder aus blutrotem Stoff um die Stirn, im Gedenken an die vielen Opfer des Anschlags vom Samstag. Mitten in die offizielle Staatstrauer mischen sich Verzweiflung und Wut über den Terror, der in Somalias Hauptstadt so verheerend zugeschlagen hat, wie nie zuvor.

"Es war ein Massaker", sagt Rahma Abdi Ali, "so etwas hat es hier in 30 Jahren nicht gegeben." Sie habe den abgetrennten Kopf eines kleinen Jungen gesehen, auch die Köpfe der Mutter und der Geschwister. Viele Körperteile von Menschen wurden in verschiedenen Gräbern beerdigt, weil sie so weit verstreut gefunden wurden. "Es war schockierend. Und ich werde diese Bilder nie mehr los", sagt Abdi Ali.

Regierende beschwören Gemeinschaft

Thabit Mohamed Abdi, Bürgermeister von Mogadischu, beschwört die Menschen, zusammenzustehen: "Dies muss uns allen eine Lehre sein. Niemals wieder werden wir eine solche Tragödie zulassen. Ich rufe die Jugend Mogadischus auf, den Rettungskräften zu helfen. In dieser schweren Zeit brauchen wir einander mehr als je zuvor."

Die Demonstranten auf der Straße meinen die Schuldigen zu kennen: "Nieder mit Al Shabaab", skandieren sie. Sie sind sicher: Die islamistische Terrormiliz, die schon seit Jahren eine Blutspur durch Somalia und die Nachbarstaaten zieht, ist auch für diesen Anschlag verantwortlich.

Auch Somalias Präsident Mohamed Abdullahi Farmajo hatte in seiner Fernsehansprache gesagt, er sei davon überzeugt. Von einem tragischen Ereignis sprach Farmajo, verurteilte Al Shabaab dafür, unschuldige Zivilisten zu töten. Der Terror jedoch werde niemals siegen, versicherte der Staatschef den Menschen.

Al Shabaab profitiert vom Chaos in Somalia

Doch für viele fühlt es sich gerade an, als sei Somalia all die Jahre auf diesen schwersten Anschlag zugesteuert. Seit dem Bürgerkrieg Anfang der 1990er Jahre, seit dem Sturz des Diktators Siad Barre, hat Somalia keine Regierung mehr, die im ganzen Land anerkannt wäre. Lange bekämpften sich korrupte Clans und diverse Warlords bis aufs Blut. 2012 konnte immerhin eine Parlamentswahl durchgeführt werden, doch die aktuelle Regierung hat nur auf einige Regionen Einfluss. In weiten Teilen herrschen die Milizen von Al Shabaab - seit gut zehn Jahren können sich die Verbündeten von Al Kaida das Chaos in Somalia zunutze machen.

Versagen der Politiker

Maryan Nor Weheliye schimpft auf das Versagen der Politiker, mitten in Mogadischu schreit sie ihre Wut heraus: "Unser Land ist verraten und verkauft worden, von Leuten, die sich nie um den Schutz der Bevölkerung geschert haben. Seit 27 Jahren herrscht Krieg in Somalia, und wir beten zu Gott, dass es endlich Frieden gibt für unser Land."

Schon so oft hat man den Somaliern versprochen, dass alles besser wird - schließlich setzen die USA Kampfdrohnen gegen die Islamisten ein, mehr als 20.000 Soldaten der Afrikanischen Union und viele andere Partner helfen dem somalischen Militär. Sicher sind die Menschen in Somalia trotzdem nicht - vielleicht auch gerade deswegen. Al Shabaab ist unter Druck und zeigt: Wir können überall zuschlagen, jederzeit. Auch das ist die bittere Lektion der Tragödie von Mogadischu.

Wut und Trauer: Somalia nach dem schweren Terroranschlag
Alexander Göbel, HR, Rabat
16.10.2017 15:12 Uhr

Download der Audiodatei

Wir bieten dieses Audio in folgenden Formaten zum Download an:

Hinweis: Falls die Audiodatei beim Klicken nicht automatisch gespeichert wird, können Sie mit der rechten Maustaste klicken und "Ziel speichern unter ..." auswählen.

Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 16. Oktober 2017 um 14:00 Uhr.

Darstellung: