Rechtsextremer Terroranschlag in Polen vereitelt Verdächtiger hatte Kontakt zu Massenmörder Breivik

Stand: 20.11.2012 18:08 Uhr

Pressekonferenz nach der Vereitelung des Terroranschlag auf die polnische Führung | Bildquelle: dpa
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Presskonferenz der Sicherheitsbehörden: Die Ermittler beobachteten den Mann seit 2011.

Der radikale Nationalist, der einen Anschlag auf das Parlament in Polen geplant hatte, hatte laut dem polnischen Ministerpräsident Donald Tusk Verbindungen zum norwegischen Attentäter Anders Behring Breivik, der im vergangenen Jahr in Norwegen 77 Menschen getötet hatte. "Er hat seine Faszination für Breivik nicht verhehlt", sagte Tusk bei einer Pressekonferenz in Warschau.

Das polnische Fernsehen berichtete unter Berufung auf Ermittlerkreise, der Verdächtige habe Breiviks Methoden kopieren wollen. Diese hatte im Juli 2011 einen Bombenanschlag auf das Osloer Regierungsviertel verübt und dann auf der Insel Utöya unter den Teilnehmern eines Ferienlagers der sozialdemokratischen Jugend ein Massaker angerichtet.

Fremdenhass, Antisemitismus und Nationalismus als Motiv

Tatmotiv des vereitelten Anschlags in Warschau seien Fremdenhass, Antisemitismus und Nationalismus. Ministerpräsident Tusk sprach von einer neuen und dramatischen Erfahrung. "Bisher hatten wir in Polen keine Erfahrung mit solchen Vorfällen", sagte er. Gleichzeitig forderte er die Politiker des Landes angesichts der immer polemischer geführten Diskussionen in Polen zum Umdenken auf. "Das ist ein Signal an uns alle. Es ist höchste Zeit, auf die Sprache des Hasses und der Aggression zu verzichten", mahnte er.

Laut den polnischen Sicherheitsbehörden sollte der Anschlag das Parlamentsgebäude zu einem Zeitpunkt treffen, an dem dort die Regierung und der Präsident anwesend waren.

Festnahme bereits am 9. November

Die Polizei habe bereits am 9. November im südpolnischen Krakau einen Mann festgenommen, der mit Gesinnungsgenossen den Anschlag vorbereitet habe. Der Festgenommene habe bereits angedeutet, dass der Anschlag während der Haushaltsdebatte zum Jahresende angepeilt worden sei.

Attentäter Anders Behring Breivik kurz vor der Urteilsverkündung gegen ihn. | Bildquelle: AFP
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Der norwegische Massenmörder Breivik hatte sich in Polen Sprengstoff verschafft

Ermittler waren erstmals im Rahmen der Untersuchung der "polnischen Spuren" des norwegischen Rechtsextremisten Breivik auf den 45-jährigen wissenschaftlichen Mitarbeiter der landwirtschaftlichen Hochschule Krakau aufmerksam geworden. Breivik hatte sich in Polen Sprengstoff verschafft. Der festgenommene Pole habe Zugang zu chemischen Materialien gehabt, die auch zum Bombenbau verwendet werden könnten.

Bereits im September mit Sprengstoff experimentiert

Im Zusammenhang mit dem vereitelten Anschlag auf Polens Führung beschlagnahmte Waffen | Bildquelle: dapd
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Bei landesweiten Durchsuchungen wurden Waffen und Sprengstoff sichergestellt.

Bereits im September habe er mit 250 Kilogramm Sprengstoff experimentiert, sagten die Ermittler. Bei dem geplanten Anschlag sollten nach den bisherigen Erkenntnissen vier Tonnen Sprengstoff zum Einsatz kommen. Im Rahmen der Ermittlungen seien zwei weitere Verdächtige festgenommen worden. Erste Hinweise auf den Hauptverdächtigen habe es bereits im vergangenen Jahr gegeben.

Seitdem habe der Mann unter Beobachtung gestanden. "Er meinte, dass sich die Lage im Land verschlechtert, weil in der Regierung Personen sind, die seiner Ansicht nach keine richtigen Polen sind", erklärte die Staatsanwaltschaft zu den Motiven des mutmaßlichen Attentäters. Der Mann gehöre keiner Partei oder Organisation an.

Bei landesweiten Durchsuchungen seien Sprengstoff und anderes Material sichergestellt worden. Auch Waffen, schusssichere Westen und Sturmhauben seien beschlagnahmt worden.

Über dieses Thema berichtete tagesschau24 am 20. November 2012 um 15:15 Uhr.

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