Angehörige von Opfern des Anschlags in Lahore | Bildquelle: AFP

Trauer nach Anschlag in Pakistan "Unsere Politik hat Terror gezüchtet"

Stand: 29.03.2016 12:05 Uhr

Nach dem Anschlag in Lahore, bei dem 73 Menschen starben, sprechen Anwälte und Menschenrechtler vom Versagen des Staates. Pakistan steht im Verdacht, mit Terrorgruppen zusammenarbeiten, um Indien zu schaden. So sei "Terror gezüchtet" worden.

Von Sandra Petersmann, ARD-Studio Neu-Delhi

Ein kleiner Sarg senkt sich in die Erde, Rosenblätter rieseln nieder. Eltern schluchzen und klammern sich ohnmächtig an Angehörige. Wohin nur mit dem Schmerz? Unter den Opfern von Lahore sind mindestens 35 Kinder. Der Selbstmordattentäter soll Lehrer in einer Madrasa, in einer islamischen Religionsschule, gewesen sein. Davon gibt es mehr als 20.000 im Land, während der Staat nur rund zwei Prozent seines Haushalts in Bildung investiert. Knapp 20 Prozent gehen an die Sicherheitskräfte.

Rechtsanwälte in Lahore sprechen nach dem mörderischen Anschlag vom Versagen des Staates und treten in den Streik: "Jeder wusste doch, dass unsere christliche Gemeinschaft an diesem Sonntag ihr Osterfest feiern würde. Jeder wusste, dass viele Frauen und Kinder im Park sein würden. Hätte die Regierung nicht für Sicherheit sorgen müssen", sagt einer der Anwälte.

Pakistan trauert um Opfer von Selbstmordanschlag
tagesschau 12:00 Uhr, 29.03.2016, Gabor Halasz, ARD Neu Delhi

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Premierminister Sharif schwört Rache

Premierminister Nawaz Sharif steht an der Spitze der gewählten pakistanischen Regierung. Er wendet sich mit einer Fernsehansprache an die Bevölkerung. "Ich erneuere meinen Schwur, dass wir jeden einzelnen Tropfen Blut unserer Märtyrer rächen werden. Die Rechnung ist noch nicht beglichen“, sagt Sharif.

Razzien finden statt, die Armee ist im Einsatz. Ihr Sprecher verkündet über Twitter, dass Waffen gefunden worden seien. Er vermeldet Festnahmen. Um wen es sich handelt, bleibt unklar.

Der Premierminister wirbt unterdessen um Verständnis. "Ich weiß, dass sich die Überbleibsel der Terroristen auf weiche Ziele wie Schulen und Parks konzentrieren, nachdem wir ihre Trainingslager und ihre Infrastruktur zerstört haben. Damit wollen sie ihre Verzweiflung überdecken."

Tatort in Lahore | Bildquelle: AFP
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Bei dem Anschlag starben mehr als 70 Menschen, darunter mindestens 35 Kinder.

Pakistan zahlt einen hohen Preis

Seit dem Blutbad in einer öffentlichen Armeeschule in Peschawar im Dezember 2014 ist das Militär in der Offensive gegen Extremisten im Grenzgebiet zu Afghanistan. Doch diese Strategie geht am Kern des Problems vorbei, sagt die pakistanische Menschenrechtlerin Asma Jahangir, die in Lahore lebt. "Unsere Politik, vor allem die des Militärs, hat Terror gezüchtet. Wenn eine Armee sich hinter nichtstaatlichen Akteuren versteckt, beschwört sie Unheil herauf."

Pakistan steht im Verdacht, mit ausgewählten Terrorgruppen zusammenzuarbeiten, um dem Erzfeind Indien zu schaden. Indien ist der Maßstab für pakistanische Politik. Am sichtbarsten ist der Konflikt in der umkämpften Region Kaschmir, die beide Länder für sich beanspruchen. Pakistans Bevölkerung zahlt einen hohen Preis für diese Politik. "Es ist eine militarisierte Politik, die versucht, zwischen guten und bösen Terroristen zu unterscheiden", sagt Menschenrechtlerin Jahangir.

"Wir leiden unter dem Terror, unsere Soldaten leiden, unsere Bevölkerung leidet. Aber ist die militärische Führung dieses Landes bereit, ihre Politik zu ändern? Weg von der aggressiven Politik einer Nation im Krieg, hin zu einer offenen, freundlichen und transparenten Politik gegenüber unseren Nachbarn?"

Die Armee ist der eigentliche Machthaber in Pakistan. Den unberechenbaren Terror berechnen und kontrollieren kann sie nicht. Terror und Extremismus haben sich über die Jahre tief in die pakistanische Gesellschaft gefressen.

Pakistans Ohnmacht nach der Parkbombe von Lahore
S. Petersmann, ARD Neu-Delhi
29.03.2016 11:25 Uhr

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