Trauer nach dem Anschlag in London | Bildquelle: AP

Attentäter von London Seit Jahren polizeibekannt

Stand: 06.06.2017 13:28 Uhr

Die Briten haben heute mit einer Schweigeminute der Opfer des Anschlags von London gedacht. Einer der Attentäter war den Behörden bekannt. Szenen aus einer Dokumentation über islamistischen Extremismus zeigten ihn, sogar eine Ermittlung war eingeleitet worden. Warum konnte er den Anschlag trotzdem verüben?

Von Thomas Spickhofen, ARD-Studio London

Es sind Bilder aus einer Dokumentation über islamistischen Extremismus in Großbritannien. Mehrere Polizisten sind darin in einem intensiven Wortgefecht mit Muslimen zu sehen. Einer von diesen soll Khuram Butt sein, den die Polizei inzwischen als einen der drei Attentäter von Samstagnacht identifiziert hat.

Auch in einer anderen Szene sieht man ihn: Männer breiten im Londoner Hyde Park eine Flagge des IS aus, die Polizei will sie daraufhin unter Berufung auf den Anti-Terror-Paragrafen in Gewahrsam nehmen.

Ausgestrahlt wurden die Bilder im vergangenen Jahr. Der Titel der Dokumentation lautet: "Die Dschihadisten an der Nachbartür".

Angesichts dieser Szenen stellen sich Fragen. Warum konnten diese Männer, warum konnte Khuram Butt so ungehindert zum IS stehen? 2015 sei eine Ermittlung gegen ihn eingeleitet worden, sagt Scotland Yard, aber es habe keine Hinweise auf einen Anschlag gegeben. Die Ermittlung sei deshalb herabgestuft worden.

London schweigt und gedenkt
tagesschau 20:00 Uhr, 06.06.2017, Julie Kurz, ARD London

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Seit 2013 wurden 18 Terrorversuche gestoppt

Eigenen Angaben zufolge verfolgt die Polizei dauerhaft rund 500 Terror-Verdachtsmomente, bei denen rund 3000 Personen unter Beobachtung stehen. Weitere 20.000 seien außerdem auf dem Radar des Geheimdienstes MI5 und seiner Partner. Seit 2013 seien 18 Terrorversuche gestoppt worden, davon allein fünf seit der Westminster-Attacke Ende März, sagte ein Sprecher von Scotland Yard.

Mohammed Shafiq, Chef der Ramadhan Foundation, die islamistischen Extremismus bekämpft, hat Khuram Butt im Mai 2013 kennengelernt. Er gab gerade ein Interview und nahm am Rande den Mann wahr, der die Taten des IS bejubelte. "Als ich dann zu ihm rüberging und ihn wütend zur Rede stellte, kamen wir in eine hitzige Debatte", erzählt Shafiq. "Er beschimpfte mich als Verräter. Er verwendete Worte, die auch der IS benutzt, wenn er muslimische Brüder tötet."

Er habe diese Situation nicht den Behörden gemeldet - wohl aber andere, spätere, in denen es auch um Butt gegangen sei. "Er war offensichtlich Mitglied einer Gruppe, die den Terrorismus verherrlicht. Mehrere Leute, auch ich, haben das den Sicherheitsbehörden mitgeteilt, die Anti-Terror-Einheiten und der MI5 wussten davon."

Khuram Shazad Butt, Rachid Redouane und Joussef Zaghba | Bildquelle: dpa
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Die Attentäter: Khuram Butt (links), Rachid Redouane und Youssef Zaghba (rechts)

"Diesem Gehirnwäsche-Zeug zu Leibe rücken"

Mehr Polizei, wie es die Labour-Opposition verlange, sei aber nicht die Lösung, sagt Außenminister Boris Johnson. Zehn Jahre lang war er Bürgermeister von London. In seiner Zeit sei die Zahl der Polizisten in der Metropole sogar stabil gehalten worden. "Die Frage ist, wie man die Radikalisierung dieser Leute stoppen kann", sagt er. "Was können wir zusammen mit den Internet-Unternehmen tun, um diesem Gehirnwäsche-Zeug zu Leibe rücken?"

Auch dritter Angreifer nun bekannt

Inzwischen ist auch der letzte der drei getöteten Angreifer identifiziert. Bei ihm handelt es sich laut Polizei um den 22-jährigen Youssef Zaghba, ein Italiener marokkanischer Herkunft. Er war den Behörden vor der Tat ebenso wenig aufgefallen wie sein Komplize, der Marokkaner Rachid Redouane.

Von den 48 Menschen, die nach dem Anschlag in die Krankenhäuser eingeliefert wurden, befinden sich 36 weiterhin zur Behandlung in den Kliniken. Bei 18 Menschen wird der Zustand immer noch als kritisch bezeichnet.

Mit einer Schweigeminute gedachten die Briten der Opfer. Landesweit verharrten die Menschen in Stille. Auf vielen Gebäuden waren die Flaggen auf Halbmast.

Islamistischer Extremismus in Großbritannien
T. Spickhofen, ARD London
06.06.2017 12:39 Uhr

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Über dieses Thema berichteten am 06. Juni 2017 NDR Info um 12:20 und 14:38 Uhr sowie die tagesschau u.a. um 14:00 Uhr.

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