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Gespannte Situation im Libanon nach Anschlag
Proteste vor Trauerfeier in Beirut
Vor der Trauerfeier für den ermordeten Geheimdienstschef al Hassan befindet sich die libanesischen Hauptstadt Beirut im Ausnahmezustand. Der mutmaßlich politische Anschlag hat das Land gespalten. Viele vermuten die Hintermänner des Attentats in Syrien, doch auch im Libanon selbst gibt es ungelöste Konflikte.
Von Björn Blaschke, ARD-Hörfunkstudio Kairo
Straßensperren, verschärfte Kontrollen, patrouillierende Soldaten und ein abgeriegeltes Stadtzentrum: Mit diesen Vorkehrungen wollen die Behörden in Beirut die Trauerfeier für den ermordeten libanesischen Geheimdienstchefs Wissam al Hassan sichern. Riesige Plakate mit seinem Bild ehren den Verstorbenen als "Märtyrer der Souveränität und Unabhängigkeit".
Außer Hassan wurden durch den Sprengstoffanschlag vergangenen Freitag sieben weitere Menschen getötet, Dutzende erlitten Verletzungen. Bekannt hat sich zu dem Attentat bisher niemand. Aber viele Libanesen vermuten die Drahtzieher im benachbarten Syrien.
Ein Verdacht, der nahe liegt: Geheimdienstchef Hassan hatte Ermittlungen gegen einen früheren libanesischen Informationsminister geleitet, der als einer der engsten Verbündeten des syrischen Regimes in Libanon gilt. Der Minister wurde vor rund anderthalb Monaten verhaftet - wegen der Planung von Terroranschlägen. Er soll mittlerweile zugegeben haben, Sprengstoff von Syrien über die Grenze nach Libanon transportiert zu haben.
"Wenn er ein Gewissen hätte, wäre er gegangen"
Aus Protest gegen den Tod von Geheimdienstchef Hassan haben unterdessen Demonstranten ein Zeltlager vor der Residenz des libanesischen Regierungschefs eingerichtet. Sie wollen den Rücktritt des Premierministers Najib Mikati erzwingen. Angeblich soll Mikati seinen Rücktritt angeboten haben, aber Libanons Staatspräsident lehnte ihn bis auf weiteres ab.
Einer der Demonstranten sagt: "Wenn er ein Gewissen hätte, wäre er gegangen. Er wäre zu keiner Regierungssitzung erschienen. Er hätte die Gelegenheit gehabt, als Hassan getötet wurde. Er hätte zurücktreten müssen. Aber es ist eben die Regierung von Baschar al Assad."
Schwere Vorwürfe - mit einem Kern Wahrheit: Najib Mikati wurde durch die Hisbollah zu Libanons Regierungschef. Die schiitische Organisation ist unstrittig ein enger Verbündeter des syrischen Regimes im Libanon. Neben der Hisbollah und deren Anhängern zählen noch einige weitere libanesische Gruppen zum Pro-Assad-Lager.
Das Anti-Assad-Lager wird dagegen durch Sunniten dominiert, die der Hisbollah-Regierung eine Beteiligung an dem Attentat vom vergangenen Freitag vorwerfen.
Trauerfeier in Beirut nach Anschlag
B. Blaschke, ARD Kairo
21.10.2012 12:49 Uhr
Gewaltsame Proteste in mehreren Städten
Die anti-syrische Opposition nutzt die Trauerfeier für den ermordeten Geheimdienstchef Hassan zu Protesten: "Wir sind heute auf der Straße um 'Nein' zu sagen. Wir haben vor niemandem mehr Angst und auch nicht vor Explosionen, egal wie stark die sind", sagt einer der Demonstranten. "Wir bleiben auf den Straßen, bis Mikatis Regierung abtritt. Sie sie ist in Hassan Tod verwickelt."
Am Wochenende kam es in verschiedenen libanesischen Städten, in denen vor allem Sunniten wohnen, zu gewaltsamen Protesten. In Tripoli im Norden des Landes lieferten sich Angehörige des Anti-Assad-Lagers Schießereien mit Pro-Assad-Leuten.
Manche Libanesen fürchten, dass diese Auseinandersetzungen nach der Bestattung der Anschlagsopfer fortgesetzt werden.
Bombenanschlag schürt Angst vor Bürgerkrieg im Libanon
tagesthemen 23:05 Uhr, 20.10.2012, Thomas Stephan, ARD Kairo
Stand: 21.10.2012 12:58 Uhr
