Karte: Tschetschenien mit Grosny

Tschetschenien Tote bei Anschlag auf Kirche in Grosny

Stand: 19.05.2018 19:04 Uhr

Vier Bewaffnete haben eine orthodoxe Kirche in der autonomen Republik Tschetschenien in Russland angegriffen. Mindestens sieben Menschen starben, darunter auch die Angreifer.

Mindestens sieben Menschen sind bei einem bewaffneten Angriff auf eine orthodoxe Kirche im muslimisch geprägten Tschetschenien gestorben, unter ihnen nach Angaben des tschetschenischen Präsidenten Ramsan Kadyrow auch die Angreifer.

Die Erzengel-Michael-Kirche steht im Zentrum Grosnys, der Hauptstadt der autonomen Republik Tschetschenien in Russland. Die russische Staatsanwaltschaft nahm die Ermittlungen zum Hergang des Überfalls auf. Ersten Erkenntnissen zufolge hatten vier Bewaffnete die Kirche angegriffen, um darin Geiseln zu nehmen. Sie konnten jedoch überwältigt werden. Bei den weiteren Toten handelt es sich den Ermittlern zufolge um zwei Polizisten und einen Kirchenbesucher.

Der Pfarrer der Erzengel-Michael-Kirche im Zentrum Grosnys, Vater Sergej, sagte der russischen Nachrichtenagentur RIA Nowosti, die Angreifer seien während eines Gottesdienstes gekommen. Die Menschen in der Kirche hätten von draußen Schüsse gehört. Sie hätten gerade noch die Türen verriegeln können, bevor die Angreifer eindringen konnten. Nach seinen Angaben wurde der Kirchgänger im Außenbereich der Kirche getötet, ein weiterer Gottesdienstbesucher in der Kirche sei verletzt worden.

Instabile Republik im Kaukasus

Ramsan Kadyrow | Bildquelle: dpa
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Regiert Tschetschenien mit äußerst harter Hand: Ramsan Kadyrow

Kadyrow ist einer der treuesten Gefolgsleute des russischen Präsidenten Wladimir Putin. Nach den Sezessionskriegen in den 1990er-Jahren hatte der Kreml auf ihn gesetzt, um die Lage in der überwiegend muslimischen, zu Russland gehörenden Kaukasusrepublik zu stabilisieren. Islamistische Extremisten, von denen einige der Terrormiliz IS Gefolgschaft geschworen haben, führen aber immer noch Anschläge in Tschetschenien und dem benachbarten Dagestan aus. Außerdem kämpfen dort kriminelle Banden gegen die Zentralregierung.

Die Angreifer in der Erzengel-Michael-Kirche sollen ihren Angriffsbefehl "aus einem westlichen Land" erhalten haben, sagte Kadyrow, der sich auf Geheimdienstinformationen berief. Drei von ihnen seien aus Tschetschenien gewesen, einer aus einer Nachbarregion. Sie seien mit Schusswaffen und Messern bewaffnet gewesen. Hintergründe der Tat waren zunächst nicht bekannt.

Die tschetschenische Hauptstadt Grosny gehört nicht zu den Austragungsorten der Fußballweltmeisterschaft in Russland, die Mitte Juni beginnt. Die ägyptische Nationalmannschaft hat dort aber ihr Trainingslager gebucht.

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 19. Mai 2018 um 20:00 Uhr.

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