Zerstörter Innenraum einer schiitischen Moschee in Kabul | Bildquelle: AFP

Anschläge in Afghanistan 72 Menschen in Moscheen getötet

Stand: 21.10.2017 07:42 Uhr

Bei zwei Angriffen auf Moscheen in Afghanistan sind mindestens 72 Menschen ums Leben gekommen. Beide Selbstmordattentäter sprengten sich nach Angaben der Polizei in die Luft. Der IS reklamierte eine Tat für sich.

Bei einem Selbstmordanschlag in einer schiitischen Moschee in Kabul sind nach Angaben des Innenministeriums mindestens 39 Menschen getötet worden. Der IS reklamierte die Attacke für sich. Bei einem weiteren Anschlag in einer sunnitischen Moschee in der zentralafghanischen Provinz Ghor seien mindestens 33 weitere Menschen gestorben und zehn verletzt worden. Die Moscheen waren am für Muslime heiligen Freitag voll besetzt. Unter den Opfern seien auch Frauen und Kinder.

Nach Ansicht eines Mitglieds des Provinzrats, Muwed Ahmad, war das Ziel des Anschlags ein bekannter Milizenkommandeur und erbitterter Gegner der radikalislamischen Taliban namens Fasl Ahad, der mit seinen Männern zum Abendgebet in die sunnitische Moschee gekommen war.

Viele Tote bei Anschlägen in Afghanistan
tagesschau 12:00 Uhr, 21.10.2017

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Die USA verurteilten die beiden Anschläge als sinnlos und feige. Es habe sich um zwei terroristische Vorfälle in Kabul und Ghor gehandelt, erklärte die Sprecherin des US-Außenministeriums. Die Unterstützung der Vereinigten Staaten für Afghanistan sei unerschütterlich, sie stünden weiter an der Seite des Landes, um dort Frieden und Sicherheit zu schaffen.

Anschläge zumeist während des Freitagsgebets

Der Anschlag in Kabul war der dritte Angriff auf eine schiitische Moschee in Kabul in knapp zwei Monaten. Ende September waren bei einem Angriff auf eine schiitische Moschee sieben Menschen getötet worden, Ende August starben bei einem weiteren Anschlag mindestens 28 Menschen. Ein ähnliches Attentat gab es Anfang August auch in der westafghanischen Stadt Herat, damals kamen 29 Menschen ums Leben.

Fast jedes Mal kamen die Attentäter, wenn die Moscheen voll waren - entweder an einem hohen Feiertag oder während eines Freitagsgebets. Anschläge auf schiitische Moscheen hat bisher fast immer die sunnitische Terrormiliz "Islamischer Staat" für sich reklamiert. Anders als in vielen muslimischen Ländern gibt es in Afghanistan keine Geschichte blutiger Fehden zwischen Sunniten und Schiiten. Aber seit dem Aufkommen des IS 2015 sind Schiiten - die meist der ethnischen Minderheit der Hasara angehören - zunehmend Ziel brutaler Angriffe.

Angriffe auf schiitische Moscheen in Afghanistan
Silke Diettrich, ARD Neu-Delhi
20.10.2017 20:56 Uhr

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Über dieses Thema berichtete tagesschau24 am 20. Oktober 2017 um 19:00 Uhr.

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