Ermittler am Tatort in Frankreich | Bildquelle: AP

Offenbar islamistischer Hintergrund Terroranschlag auf Gaswerk in Frankreich

Stand: 26.06.2015 15:11 Uhr

In Frankreich hat es einen Anschlag auf ein Gaswerk gegeben. Ein Mann wurde enthauptet. Die Polizei nahm einen mutmaßlichen Täter fest, der laut Regierung Verbindungen zur salafistischen Szene hatte. Präsident Hollande sprach von einem Terroranschlag.

In Frankreich hat es einen Anschlag mit offenbar islamistischem Hintergrund auf ein Gaswerk gegeben. Dabei wurde ein Mann enthauptet. Seine Leiche fanden Ermittler unweit der Fabrik in Saint-Quentin-Fallavier nahe Lyon. Bei dem Toten handelt es sich nach Angaben von Innenminister Bernard Cazeneuve um ein "unschuldiges Opfer, das ermordet und auf widerwärtige Weise enthauptet" worden sei. Die Identifizierung sei jedoch noch nicht abgeschlossen. Ermittler berichten, dass sie bei dem Opfer Hinweise auf einen islamistischen Hintergrund gefunden hätten.

Französische Polizei in Saint-Quentin-Fallavier | Bildquelle: AFP
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Französische Polizei in Saint-Quentin-Fallavier

Die Polizei nahm einen Mann fest. Er war den Geheimdiensten wegen einer islamistischen Radikalisierung bekannt. Der Festgenommene habe Verbindungen zur "salafistischen Bewegung" gehabt, sagte Innenminister Cazeneuve. 2006 sei er auf eine Liste der Sicherheitsbehörden gesetzt, 2008 aber wieder herausgestrichen worden. Vorstrafen habe der 35-Jährige keine. Der Attentäter sei bei dem Anschlag von einem Feuerwehrmann aufgehalten worden, berichtete Cazeneuve. Die Polizei habe inzwischen auch weitere Personen festgenommen, die der Komplizenschaft verdächtigt würden.

Explosion auf dem Fabrikgelände

Der genaue Hergang des Anschlags ist noch nicht klar. Laut ARD-Korrespondentin Ellis Fröder durchbrach am Morgen ein Auto die Sicherheitsschranken der Anlage. Vermutet wird, dass das Werk in die Luft gejagt werden sollte. Zeugen berichteten von einer "enormen Explosion". Mehrere Gasflaschen seien in die Luft gesprengt worden, hieß es aus Ermittlerkreisen. Zwei Menschen wurden verletzt. Das Gaswerk, in dem etwa 40 Menschen arbeiten, wurde evakuiert. Der Schaden hielt sich dann aber offenbar in Grenzen.

Offenbar islamistischer Terroranschlag in Frankreich
tagesschau 16:00 Uhr, 26.06.2015, Verena Bünten, WDR

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Laut französischem Justizministerium hat die Anti-Terror-Einheit den Fall übernommen. Es werde wegen Mordes und Mordversuchs durch eine terroristische Vereinigung ermittelt, teilte die Staatsanwaltschaft mit.

Die Firma "Air Products"

Das Ziel des Terroranschlags von Frankreich war eine Fabrik des US-Unternehmens "Air Products". Das Werk liegt in der Nähe von Lyon und ist spezialisiert auf Gas- und Chemieprodukte für die Industrie. Der Standort in Saint-Quentin-Fallavier wird von den französischen Behörden als Anlage mit gefährlichen Gütern eingestuft, allerdings nicht auf der obersten Risikostufe. "Air Products" bietet Industriegase und -chemikalien sowie technisches Zubehör an und bezeichnet sich selbst als weltweit führenden Anbieter von Wasserstoff und Helium. Nach eigenen Angaben hat das Unternehmen weltweit mehr als 21.000 Mitarbeiter bei über 750 Produktionsstätten und ist in mehr als 50 Ländern aktiv. Kunden sind unter anderem Unternehmen aus den Bereichen Lebensmittel, Gesundheit, Energie und Verkehr.

Hollande kehrt aus Brüssel zurück: "Terroristischer Anschlag"

Regierungschef Manuel Valls ordnete verstärkte Überwachung aller potenziell gefährdeten Objekte in der Region an. Der nationale Sicherheitsrat wird am Nachmittag tagen.

Wegen des Anschlags kehrt Frankreichs Präsident François Hollande am frühen Nachmittag vom EU-Gipfel in Brüssel nach Paris zurück. Er sprach von einem Terroranschlag. Der Staatschef sei in ständigem Kontakt mit seinem Innenminister Bernard Cazeneuve, der am Tatort ist, und den Sicherheitsbehörden, hieß es aus dem Umfeld Hollandes.

Immer neue Berichte über islamistische Terrorpläne

Anfang des Jahres hatten islamistische Terroristen in Paris Anschläge unter anderem auf die Satirezeitschrift "Charlie Hebdo" verübt. Dabei wurden inklusive der Terroristen 20 Menschen getötet.

Laut ARD-Korrespondentin Fröder veränderte sich die Lage in dem Land seitdem. Sie verwies darauf, dass für Paris immer noch die höchste Terrorwarnstufe gilt. In den vergangenen Monaten wurden mehrere islamistische Terrorpläne aufgedeckt, und es gab Festnahmen. Fröder wies darauf hin, dass es in den vergangenen Tagen Berichte über mögliche Anschlagspläne auf einen Pariser Vorortzug und die besonders bei Touristen beliebte Pariser Kirche Sacre-Coeur gab.

Bundesinnenminister Thomas de Maizière sicherte dem Nachbarstaat die Solidarität Deutschlands zu. "Wir sind alle in Gedanken bei unseren französischen Freunden", sagte er. Auch Außenminister Frank-Walter Steinmeier sprach den Angehörigen der Opfer seine Anteilnahme aus und verurteilte "diesen Akt des Terrors und des Fanatismus auf das Schärfste".

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