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Anne Frank war erst 15 Jahre alt, als sie im KZ Bergen-Belsen starb. Doch ihr Tagebuch hat wie kein zweites Werk bewirkt, dass junge Menschen überall auf der Welt sich mit dem Holocaust beschäftigen. Heute vor 80 Jahren wurde Anne Frank in Frankfurt am Main geboren.
Von Ludger Kazmierczak, WDR-Hörfunkstudio Den Haag
"Ich will dieses Tagebuch meine Freundin sein lassen. Und diese Freundin heißt: Kitty! Liebe Kitty, ich will gleich beginnen. Es ist so hübsch ruhig. Vater und Mutter sind weg."
[Bildunterschrift: Im KZ erlag Anne Frank einer Typhus-Erkrankung. ]
Anne Frank hat das Tagebuch mit ihrem Vater zusammen gekauft, erinnnert sich Annemarie Bekker, ein paar Wochen, bevor die Franks untertauchen mussten. "Im Hinterhaus konnte sich Anne ihre Ängste von der Seele schreiben. Sie schildert, wie hier acht Personen auf wenigen Quadratmetern miteinander auskommen müssen."
Annemarie Bekker ist Sprecherin der Anne-Frank-Stiftung in Amsterdam. Jedes Jahr besuchen hier fast eine Million Menschen aus der ganzen Welt das Hinterhaus an der Prinsengracht 263.
Im vorderen Teil des Gebäudes befinden sich die alten Büro- und Lagerräume von Otto Franks Firma. Über eine steile Holztreppe gelangt der Besucher zu jenem berühmten Akten-Regal, das sich zur Seite schieben lässt und so den Zugang zum Hinterhaus freigibt. Als Annes Schwester Margot im Sommer 1942 von der SS verhaftet werden soll, versteckt sich die Familie in diesem "Achterhuis" .
"Unser Hinterhaus ist wirklich ein ideales Versteck", schrieb Anne Frank dazu. "Wenn es auch feucht ist und ein bisschen krumm und schief, wird man doch wahrscheinlich kaum noch mal so etwas Komfortables in Amsterdam finden."
Nur fünf Angestellte von Otto Frank sind eingeweiht. Sie versorgen die Untergetauchten, zu denen neben den Franks die dreiköpfige Familie van Pels und der jüdische Zahnarzt Fritz Pfeffer gehören. Ihre Freundinnen wissen nichts von dem Versteck. Schulfreundin Jacqueline van Maarsen wähnt das 13-jährige Mädchen sogar in Sicherheit. "An einem Tag kam eine Nachbarin zu mir und sagte: die Familie Frank ist verschwunden. Sie sind nach die Schweiz gegangen. So habe ich den ganzen Krieg gedacht, Anne war in der Schweiz und habe mir nicht wirklich Sorgen gemacht."
[Bildunterschrift: Anne Franks Tagebuch wurde in 70 Sprachen übersetzt. ]
Das kleine rot-weiß karierte Tagebuch reicht bald nicht mehr aus, um Annes Gedanken und Gefühlen Raum zu geben. Auf Blättern aus dem Büro ihres Vaters schreibt sie weiter. Und je länger sie schreibt, desto mehr entwickelt sich die aufgeweckte, aber anfangs noch kindlich-naive Teenagerin zur eigenständigen und erstaunlich klugen Schriftstellerin. "Liebe Kitty! Ich glaube nicht, dass allein die führenden Männer, die Regierenden und Kapitalisten am Krieg schuld sind. Nein, der kleine Mann anscheinend auch, sonst würden die Völker als solche nicht mitmachen."
Und an einer anderen Stelle heißt es: "Gestern sprach Minister Bolkestein am Oranje-Sender darüber, dass nach dem Krieg eine Sammlung von Tagebüchern und Briefen aus dieser Zeit herauskommen soll. Stell dir vor, wie interessant es wäre, wenn ich einen Roman vom Hinterhaus veröffentlichen würde."
Anne überarbeitet danach ihre Aufzeichnungen und schreibt eine zweite Fassung ihres Tagebuches. Doch nachdem das Versteck der Untergetauchten verraten wird, verhaftet die Gestapo am 4. August 1944 alle Bewohnter dieses Hinterhauses.
Man konnte auch Geld verdienen, wenn man einen Jude angezeigt hat, berichtet Annemarie Bekker. Das sei natürlich auch mit Anne passiert. "Man weiß nicht, wer das war. Sie waren vielleicht gar nicht nationalsozialistisch, aber möchten gerne Geld verdienen und waren gleichgültig, was mit die Juden passierte."
In dem Chaos, dass die Geheimpolizei in den Räumen hinterlässt, findet eine Mitarbeiterin von Otto Frank kurz nach der Razzia das Tagebuch. Sie bewahrt es auf, bis Otto als einziger Überlebender der Hausbewohner im Juni 1945 nach Amsterdam zurückkehrt.
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Anne stirbt im März 1945 im Alter von 15 Jahren im KZ Bergen Belsen an Thyphus - kurz nach ihrer Schwester Margot und nur wenige Wochen vor der Befreiung des Lagers. Tief bewegt von den Aufzeichnungen seiner Tochter, veröffentlicht Otto Frank 1947 schließlich das Tagebuch. "Ich habe sehr lange gebraucht, bis ich es lesen konnte. Und dann war ich sehr erstaunt über Annes tiefe Gedanken. Das war eine völlig andere Anne als meine Tochter."
"Liebe Kitty! Ich suche immer wieder nach einem Mittel, so zu werden, wie ich so gern sein möchte, und wie ich sein könnte, wenn….ja, wenn keine anderen Menschen auf der Welt lebten." Hier endet Annes Tagebuch.
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