Kim Jong Nam auf dem Flughafen in Peking (Aufnahme aus dem Jahr 2007) | Bildquelle: AP

Der Fall Kim Jong Nam Mordanklage gegen zwei Verdächtige

Stand: 28.02.2017 12:13 Uhr

Die malaysische Staatsanwaltschaft wird eine Indonesierin und eine Vietnamesin wegen Mordes anklagen. Sie sollen Kim Jong Nam, den Halbbruder des nordkoreanischen Diktators, mit einem Nervengift getötet haben. Nun droht ihnen die Todesstrafe.

Kaltblütige Mörderinnen oder einfach nur naiv? Was das Motiv der beiden 25 und 29 Jahre alten Frauen war, die im Zusammenhang mit dem Giftanschlag auf Kin Jong Nam festgenommenen wurden, ist noch unklar. Fest steht nun aber, die Staatsanwaltschaft von Malaysia wird sie des Mordes anzuklagen. Damit droht ihnen die Todesstrafe.

In Aufnahmen einer Sicherheitskamera am Flughafen von Kuala Lumpur ist zu sehen, wie die Frauen dem Halbbruder des nordkoreanischen Machthabers das tödliche Nervengift VX ins Gesicht schmieren. Kim Jong Nam starb nur 20 Minuten später auf dem Weg ins Krankenhaus.

Zwei Tage später konnte die Polizei die Frauen festnehmen. Ihre Aussage macht den Fall noch kurioser. Die beiden gaben an, sie hätten geglaubt ihre Aktion sei ein Streich im Rahmen einer Reality-TV-Sendung. Sie habe dafür umgerechnet 90 Dollar Belohnung bekommen, sagte die Indonesierin Siti Aisyah einem Vertreter ihrer Botschaft. Das indonesische Außenministerium hat nach eigenen Angaben einen Anwalt für die junge Frau bestellt.

Kim Jong Nam | Bildquelle: AP
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Kim Jong Nam, der Halbbruder des nordkoreanischen Machthabers soll schon lange im Visier des Regimes gewesen sein.

Polizeifoto mit einer Verdächtigem nach dem Tod von Kim Jong Nam | Bildquelle: AP
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Die Bilder einer Überwachungskamera am Flughafen zeigen die beiden Verdächtigen.

Nordkorea fordert Herausgabe des Leichnams

Mittlerweile ist auch eine hochrangig besetzte nordkoreanische Delegation in Malaysia eingetroffen. Die Abordnung will die sterblichen Überreste des Ermordeten nach Nordkorea überführen und die Freilassung eines inhaftierten Nordkoreaners erwirken, sagte ein Sprecher. Die malaysischen Behörden weigern sich bisher, den Leichnam frei zu geben.

Die Staatsanwaltschaft plane aktuell nicht, den noch inhaftierte Nordkoreaner anzuklagen, sagte der malaysische Generalstaatsanwalt. Seine Untersuchungshaft laufe allerdings noch bis Ende der Woche. Neben dem Inhaftierten werden weitere sieben Nordkoreaner mit dem Anschlag in Zusammenhang gebracht. Vier von ihnen sind noch am Tag des Anschlags aus dem Land geflüchtet.

Ein von Nordkorea inszenierter Mord?

Der ermordete Kim Jong Nam lebte mit seiner Familie in Macau unter dem Schutz der chinesischen Regierung. Er hatte sich kritisch über die Familiendynastie in seiner Heimat geäußert. Südkoreanische und US-Regierungsvertreter gehen davon aus, dass der Mord von Nordkorea deshalb inszeniert wurde. Südkoreanischen Regierungskreisen zufolge erteilte Nordkoreas Machthaber bereits vor Jahren den Auftrag zur Ermordung seines älteren Halbbruders.

Das geruchs- und geschmacklose Nervengift VX, das Kim Jong Nam tötete, ist nach der Chemiewaffenkonvention verboten und soll im Besitz Nordkoreas sein.

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 28. Februar 2017 um 11:00 Uhr

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