Rettungs- und Sicherheitskräfte am Ort des Anschlags in Ankara | Bildquelle: REUTERS

Selbstmordanschlag auf US-Vertretung in Ankara Linksextremer soll Botschaft angegriffen haben

Stand: 01.02.2013 17:20 Uhr

Bei einem Selbstmordanschlag auf dem Gelände der US-Botschaft in der türkischen Hauptstadt Ankara sind der mutmaßlich linksextreme Täter und ein Wachmann getötet worden. Eine Frau sei verletzt worden, sagte US-Botschafter Francis Ricciardione vor Journalisten. Türkische Medien berichten sogar von mehreren Verletzen.

Fernsehbilder zeigten Rauch über dem Gebäudekomplex sowie eine durch die Wucht der Explosion beschädigte Wand eines an die Straße grenzenden Gebäudes, in dem Wachpersonal arbeitet. Ersten Erkenntnissen zufolge war der Attentäter bis in eine Sicherheitsschleuse gelangt, wo Wachleute Besucher überprüfen und ihr Gepäck durchleuchten. Im Hauptgebäude der Botschaft soll es keine Schäden gegeben haben, da es weit entfernt vom Wachhäuschen liegt.

Behörden vermuten DHKP-C hinter dem Anschlag

Die türkische Polizei sperrte das Gelände weiträumig ab. Vermutlich befürchteten die Behörden, dass ein zweiter Anschlag verübt werden könnte.

Noch hat sich niemand zu dem Anschlag bekannt, die Sicherheitsbehörden verfolgen allerdings eine bestimmte Spur. Der Attentäter sei ein 30-jähriger Türke, der der verbotenen linksextremen Organisation DHKP-C angehört habe, berichteten türkische Sender unter Berufung auf Innenminister Muammar Güler. Er soll bereits wegen terroristischer Aktivitäten im Gefängnis gesessen haben. Den Namen des mutmaßlichen Täters gab das Innenministerium nicht bekannt. Der DHKP-C werden in der Türkei vor allem Anschläge gegen Polizei und Justiz mit dem Ziel eines Umsturzes vorgeworfen.

Linksextreme Organisation DHKP-C

Die "Revolutionäre Volksbefreiungsfront" (DHKP-C) ist eine linksextremistische Vereinigung in der Türkei. Ihr Ziel ist es, das türkische Regierungssystem durch einen revolutionären Umsturz zu beseitigen. Die DHKP-C will stattdessen ein kommunistisches System mit marxistisch-leninistischer Prägung errichten. Sie wird sowohl von der Europäischen Union als auch von den USA als Terrororganisation eingestuft.

Die DHKP-C hat zahlreiche Brand- und Sprengstoffanschläge verübt sowie gezielt Menschen getötet, seit 2001 setzt sie auch Selbstmordattentäter ein. Sie hat in westeuropäischen Staaten Strukturen aufgebaut, über die Gelder, Waffen und militärische Ausrüstung beschafft werden. In Deutschland ist die Organisation seit 1998 verboten.

Quelle: dpa

Zunächst hatte es auch Spekulationen über einen Anschlag kurdischer Separatisten, Gegnern des "Patriot"-Einsatzes der NATO an der Grenze zu Syrien oder einer islamistischen Gruppe gegeben. Islamistische Extremisten hatten 2008 einen Anschlag auf das US-Konsulat in Istanbul verübt. Dabei kamen drei Polizisten und drei Angreifer ums Leben.

Biden verurteilt Anschlag

Bundeskanzlerin Angela Merkel und US-Vizepräsident Joe Biden verurteilten den Anschlag auf die US-Vertretung. Merkel sagte zu Beginn eines Treffens mit Biden im Kanzleramt, sie habe von dem Anschlag in Ankara "mit Bestürzung" erfahren. Biden verwies darauf, dass es zwischen den USA und Deutschland bereits seit mehreren Jahren eine "sehr enge Zusammenarbeit gegen den Terrorismus" gebe.

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