Anschlagsort in Ankara | Bildquelle: AFP

Nach Autobombenangriff in Ankara Türkei macht Kurden für Anschlag verantwortlich

Stand: 18.02.2016 10:50 Uhr

Kurdische Rebellen sollen laut türkischer Regierung hinter dem Anschlag von Ankara stecken. Der Attentäter soll syrischer Kurde sein, neun Menschen sind in Haft. Die Luftwaffe fliegt nun Angriffe gegen PKK-Stellungen im Nordirak. Gestern wurden durch eine Autobombe auf Armeebusse 28 Menschen getötet. Ministerpräsident Davutoglu sagte seine Reise zur EU nach Brüssel ab.

Der Autobombenanschlag in der türkischen Hauptstadt Ankara mit 28 Toten ist nach Angaben von Regierungschef Ahmet Davutoglu von der verbotenen Arbeiterpartei Kurdistans (PKK) und der YPG verübt worden. Die YPG ist der bewaffnete syrische Ableger der PKK in der Türkei. Ein YPG-Kämpfer aus Syrien habe den Anschlag mit Unterstützung der "separatistischen Terrororganisation" verübt, erklärte Davutoglu. Insgesamt seien nach dem Anschlag vom Mittwoch, bei dem auch mehr als 60 Menschen verletzt worden waren, neun Verdächtige festgenommen worden.

PKK-Führer Cemil Bayik bestritt eine Verwicklung in den Anschlag. "Wir wissen nicht, wer das getan hat", sagte er. Der Anschlag könne aber als Vergeltung für die "Massaker in Kurdistan" stehen. Die türkische Armee fliegt seit Sommer 2015 Einsätze auf Stellungen der verbotenen Arbeiterpartei und Dörfer im nordirakischen Kandil-Gebirge. Dort kontrolliert die PKK ein rund 50 Quadratkilometer großes Gebiet.

Stellungen der PKK im Nordirak bombardiert

Die türkische Luftwaffe bombardiert seit dem Abend mutmaßliche Stellungen der PKK im Nordirak. In der Region Haftanin seien in der Nacht 60 bis 70 PKK-Kämpfer ins Visier genommen worden, teilte das Militär mit. Zu der Gruppe hätten auch einige Führungskräfte der verbotenen Organisation gehört.

Kurz nach dem Anschlag hatte der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan Vergeltung angekündigt. Die Türkei sei entschlossen, von ihrem "Recht auf Selbstverteidigung" Gebrauch zu machen, hatte er erklärt.

Ziel des Anschlags im Regierungsviertel Cankaya in der Nähe des Parlaments waren Busse der türkischen Armee, die Angehörige der Streitkräfte transportierten. Mitten im abendlichen Berufsverkehr explodierte gegen 18:30 Uhr Ortszeit eine Autobombe, als ein Armeekonvoi an einer roten Ampel in der Nähe des Parlamentsgebäudes hielt. Zwei Busse brannten völlig aus.

Die regierungsnahe Zeitung "Sabah" berichtete unter Berufung auf Sicherheitskreise, ein Selbstmordattentäter habe das mit Sprengstoff beladene Auto in den Konvoi gesteuert und zur Explosion gebracht.

28 Tote bei Bombenexplosion in der türkischen Hauptstadt Ankara
tagesschau24 9:00 Uhr, 18.02.2016, Steffi Clodius, ARD-aktuell

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"Keine Rechtfertigung für solche Taten"

UN-Generalsekretär Ban verurteile die Explosion und wolle seine Hoffnung zum Ausdruck bringen, dass "die Täter des Terrorangriffs schleunigst zur Rechenschaft gezogen werden", sagte UN-Sprecher Stéphane Dujarric. Nato-Generalsekretär Jens Stoltenberg kritisierte die Tat ebenfalls scharf und drückte den Angehörigen der Opfer sein Mitgefühl aus. Es könne keine Rechtfertigung für solch schreckliche Taten geben. Die Nato stehe im Kampf gegen den Terrorismus an der Seite des Mitgliedslands Türkei.

Russland rief nach dem Anschlag alle Staaten zum gemeinsamen Kampf gegen den Terrorismus auf. Das Außenministerium in Moskau sprach dem türkischen Volk sowie den Angehörigen der Opfer sein Beileid aus.

Bundeskanzlerin Angela Merkel zeigte sich entsetzt über den Anschlag und verurteilte ihn "auf das Schärfste". Sie drückte den Angehörigen der Toten und den Verletzten ihr Mitgefühl aus. Frankreichs Präsident François Hollande verurteilte das "schändliche Attentat" und versicherte der Türkei seine Unterstützung.

Treffen des "Clubs der Willigen" fällt aus

Inzwischen sagte Ministerpräsident Ahmet Davutoglu seine Reise nach Brüssel ab. Dort wollte er angesichts der Flüchtlingskrise unter anderem mit Bundeskanzlerin Angela Merkel und dem griechischen Regierungschef Alexis Tsipras zusammentreffen und über konkrete Maßnahmen zur Bewältigung der Flüchtlingskrise sprechen. Doch nun findet das Treffen des "Clubs der Willigen" vor Beginn des EU-Gipfels nicht statt. Das teilte das österreichische Bundeskanzleramt der Nachrichtenagentur APA mit. Österreichs Bundeskanzler und Gastgeber des Mini-Gipfels, Werner Faymann, wolle so schnell wie möglich einen neuen Termin koordinieren, hieß es.

Oliver Mayer-Rüth, ARD Istanbul, zum Anschlag in Ankara
tagesschau 9:00 Uhr, 18.02.2016

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Wiederholt Anschläge in der Türkei

Die Türkei war in jüngster Zeit mehrfach Ziel von Terroranschlägen. Im Januar sprengte sich ein Selbstmordattentäter in der Nähe der Blauen Moschee inmitten von Touristen in die Luft und riss zehn Deutsche mit in den Tod. In Ankara hatte es im Oktober einen verheerenden Anschlag auf eine Friedensdemonstration mit mehr als 100 Toten gegeben.

Türkische Regierung macht syrische Kurdenmiliz für Anschlag verantwortlich
T. Bormann, ARD Istanbul
18.02.2016 10:07 Uhr

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