Anschlagsort in Ankara | Bildquelle: dpa

28 Tote bei Bombenexplosion in Ankara Suche nach Hintermännern des Anschlags

Stand: 18.02.2016 09:20 Uhr

Nach dem Terroranschlag von Ankara sucht die Türkei nach den Hintermännern und bombardiert PKK-Stellungen im Nordirak. Die PKK erklärte, sie wisse nicht, wer hinter den Anschlägen steckt. Gestern wurden durch eine Autobombe in einem Konvoi von Armeebussen mindestens 28 Menschen getötet. Ministerpräsident Davutoglu sagte seine Reise zur EU nach Brüssel ab.

Die türkische Regierung sucht nach dem verheerenden Anschlag in der Hauptstadt Ankara nach den Hintermännern. "Uns liegen bisher noch keine Informationen darüber vor, wer diesen Angriff getätigt hat", sagte Vize-Ministerpräsident Numan Kurtulmus. Er sprach von einem Anschlag "auf die gesamte Nation". Der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan kündigte Vergeltung an. Die Türkei sei entschlossen, von ihrem "Recht auf Selbstverteidigung" Gebrauch zu machen, erklärte er.

Bei dem Anschlag auf einen Konvoi mit Bussen der Armee am Abend wurden nach seinen Angaben mindestens 28 Menschen getötet und 61 weitere verletzt. Ziel des Anschlags im Regierungsviertel Cankaya in der Nähe des Parlaments waren nach Angaben der Armee Busse, die Angehörige der Streitkräfte transportierten. Mitten im abendlichen Berufsverkehr explodierte gegen 18:30 Uhr Ortszeit eine Autobombe, als der Armeekonvoi an einer roten Ampel in der Nähe des Parlamentsgebäudes hielt. Zwei Busse brannten völlig aus.

Die regierungsnahe Zeitung "Sabah" berichtete unter Berufung auf Sicherheitskreise, ein Selbstmordattentäter habe das mit Sprengstoff beladene Auto in den Konvoi gesteuert und zur Explosion gebracht. Der Attentäter habe syrische Wurzeln und Verbindungen zur verbotenen kurdischen Arbeiterpartei PKK gehabt. Der Polizei sei es gelungen, den Angreifer anhand seiner Fingerabdrücke zu identifizieren, schrieb das Blatt weiter.

PKK-Führer Cemil Bayik gab inzwischen bekannt, dass er nicht wisse, wer hinter dem Anschlag stecke. Der Anschlag könne aber als Vergeltung für die "Massaker in Kurdistan" stehen. Die türkische Armee fliegt seit Sommer 2015 Einsätze auf Stellungen der verbotenen Arbeiterpartei und Dörfer im nordirakischen Kandil-Gebirge. Dort kontrolliert die PKK ein rund 50 Quadratkilometer großes Gebiet.

Stellungen der PKK im Nordirak bombardiert

Die türkische Luftwaffe bombardiert seit dem Abend Stellungen der PKK im Nordirak. Unklar war zunächst, ob die Angriffe im Zusammenhang mit dem jüngsten Anschlag standen.

28 Tote bei Bombenexplosion in der türkischen Hauptstadt Ankara
tagesschau24 9:00 Uhr, 18.02.2016, Steffi Clodius, ARD-aktuell

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"Keine Rechtfertigung für solche Taten"

UN-Generalsekretär Ban verurteile die Explosion und wolle seine Hoffnung zum Ausdruck bringen, dass "die Täter des Terrorangriffs schleunigst zur Rechenschaft gezogen werden", sagte UN-Sprecher Stéphane Dujarric. Nato-Generalsekretär Jens Stoltenberg kritisierte die Tat ebenfalls scharf und drückte den Angehörigen der Opfer sein Mitgefühl aus. Es könne keine Rechtfertigung für solch schreckliche Taten geben. Die Nato stehe im Kampf gegen den Terrorismus an der Seite des Mitgliedslands Türkei.

Bundeskanzlerin Angela Merkel zeigte sich entsetzt über den Anschlag und verurteilte ihn "auf das Schärfste". Sie drückte den Angehörigen der Toten und den Verletzten ihr Mitgefühl aus. Frankreichs Präsident François Hollande verurteilte das "schändliche Attentat" und versicherte der Türkei seine Unterstützung.

Auch der Iran verurteilte den Bombenanschlag. Im Namen der Regierung in Teheran sprach Außenamtssprecher Dschaber Ansari den Angehörigen der Opfer sowie der türkischen Regierung sein Mitgefühl aus. "Dieser Anschlag hat erneut bewiesen, wie wichtig und notwendig der gemeinsame Kampf gegen die Terroristen sei", sagte Ansbari nach Angaben der Agentur ISNA.

Treffen des "Clubs der Willigen" fällt aus

Inzwischen sagte Ministerpräsident Ahmet Davutoglu seine Reise nach Brüssel ab. Dort wollte er angesichts der Flüchtlingskrise unter anderem mit Bundeskanzlerin Angela Merkel und dem griechischen Regierungschef Alexis Tsipras zusammentreffen und über konkrete Maßnahmen zur Bewältigung der Flüchtlingskrise sprechen. Doch nun findet das Treffen des "Clubs der Willigen" vor Beginn des EU-Gipfels nicht statt. Das teilte das österreichische Bundeskanzleramt der Nachrichtenagentur APA mit. Österreichs Bundeskanzler und Gastgeber des Mini-Gipfels, Werner Faymann, wolle so schnell wie möglich einen neuen Termin koordinieren, hieß es.

Oliver Mayer-Rüth, ARD Istanbul, zum Anschlag in Ankara
tagesschau 9:00 Uhr, 18.02.2016

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Wiederholt Anschläge in der Türkei

Die Türkei war in jüngster Zeit mehrfach Ziel von Terroranschlägen. Im Januar sprengte sich ein Selbstmordattentäter in der Nähe der Blauen Moschee inmitten von Touristen in die Luft und riss zehn Deutsche mit in den Tod. In Ankara hatte es im Oktober einen verheerenden Anschlag auf eine Friedensdemonstration mit mehr als 100 Toten gegeben.

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