Google-Vizepräsident Kent Walker, Facebooks Justitiar Colin Stretch und Sean Edgett von Twitter bei einer Anhörung in Washington. | Bildquelle: REUTERS

Facebook und Twitter US-Wahlwerbung - in Rubel bezahlt

Stand: 02.11.2017 06:48 Uhr

Lange haben Facebook und Twitter versucht, das Problem kleinzureden - doch inzwischen wird immer deutlicher, wie stark Russland versucht hat, die US-Präsidentschaftswahl zu beeinflussen. Die Verantwortlichen der Tech-Firmen mussten nun vor dem US-Kongress antreten.

Von Martin Ganslmeier, ARD-Studio Washington

Noch vor einigen Monaten hatte Facebook-Chef Mark Zuckerberg beteuert, es sei eine "verrückte Idee" zu glauben, russische Propaganda-Anzeigen auf Facebook hätten das Wahlergebnis in den USA beeinflusst. Dies war eine Fehleinschätzung, gestand nun der Justitiar von Facebook bei der Anhörung im Kongress. Mittlerweile wisse man, in den zwei Jahren von Juni 2015 bis August 2017 wurden von Russland aus Anzeigen auf Facebook geschaltet, die 126 Millionen Nutzer in den USA erreichten - mehr als die Hälfte aller US-Bürger.

Google-Vizepräsident Kent Walker, Facebooks Justitiar Colin Stretch und Sean Edgett von Twitter bei einer Anhörung in Washington. | Bildquelle: AP
galerie

Google-Vizepräsident Kent Walker, Facebooks Justitiar Colin Stretch und Sean Edgett von Twitter bei einer Anhörung in Washington.

"Dass Ausländer die Offenheit unserer Plattform missbrauchen konnten, ist eine zutiefst schmerzliche Lektion für uns. Daraus werden wir Konsequenzen ziehen", so Facebook-Justitiar Colin Stretch. Auch Twitter fand heraus, dass 2700 seiner Accounts von der russischen Troll-Fabrik "Internet Research Agency" in St. Petersburg eingerichtet wurden.

Ziel, US-Bürger zu spalten

Bei der Anhörung im US-Kongress wurden mehrere Beispiele der insgesamt 3000 bei Facebook geschalteten russischen Anzeigen präsentiert. Unter dem Titel "Being Patriotic" wurde gefordert: "Down with Hillary" - "Nieder mit Hillary". Eine andere Anzeige hatte die Überschrift "Heart of Texas" und forderte überzeugte Texaner auf, sich für eine Loslösung von den USA einzusetzen. Und die demokratische Präsidentschaftskandidatin wurde als "Killary Rotten Clinton" verunglimpft.

Screenshots von Facebook-Seiten, die im US-Wahlkampf veröffentlicht wurden. | Bildquelle: AP
galerie

Anzeigen wie die des "Blacktivist" wurden in russischen Troll-Fabriken entworfen.

Mit fast 400.000 Likes besonders erfolgreich war eine Anzeige mit dem erfundenen Absender "Blacktivist" - zu deutsch "schwarzer Aktivist": Darin wurden Afroamerikaner angestachelt, sich mit Gewalt gegen die Vorherrschaft der Weißen zu wehren. All diese in der russischen Troll-Fabrik erdachten Anzeigen hatten ein gemeinsames Ziel: die US-Bürger zu spalten, ein Klima der Verunsicherung zu schaffen und Hillary Clinton zu verhindern.

Dass dies die Tech-Firmen aus dem Silicon Valley nicht erkannten, sorgte für Ärger unter den Senatoren und Abgeordneten. Zumal - so die Kritik des demokratischen Senators Al Franken - die Anzeigen in Rubel bezahlt wurden, über den in Moskau ansässigen Provider Qiwi. "Haben Sie sich nicht gewundert, dass für politische Anzeigen in Rubel bezahlt wurde? Wieso haben Sie nicht gesehen, dass das nichts Gutes heißt?" so Franken.

Demokraten und Republikaner einig

Die Vertreter von Facebook, Google und Twitter versuchten anfangs noch, sich zu rechtfertigen: Bei der Vielzahl von Anzeigen und Postings aus der ganzen Welt sei es nicht immer leicht, harmlose von manipulativen zu unterscheiden. Das ließ die demokratische Senatorin Dianne Feinstein nicht gelten: "Sie sind verantwortlich. Sie haben diese Plattformen geschaffen. Jetzt werden sie missbraucht. Wenn Sie nichts dagegen tun, dann werden wir das tun."

Trump und Clinton während einer Debatte im Oktober | Bildquelle: AP
galerie

Trump und Clinton im Wahlkampf: Die Kampagne gegen sie wurde auch von Russland aus gesteuert.

Demokraten und Republikaner waren sich einig: Eine solch umfassende Einmischung Russlands in amerikanische Wahlen dürfe es künftig nicht mehr geben. Der Justitiar von Facebook, Colin Stretch, versprach "erhebliche Investitionen" seines Unternehmens. Man stelle mehr Mitarbeiter ein, um die Anzeigen zu überprüfen. "Wir verdoppeln unsere Anstrengungen in der Sicherheitstechnik. Wir sorgen für strengere inhaltliche Auflagen bei Anzeigen. Und wir werden von Anzeigenkunden mehr Daten verlangen", so Stretch.

Außerdem könnten Facebook-Nutzer künftig dank einer neuen Grafik-Funktion auf eine Anzeige klicken, um zu erfahren, wer dahinter steckt und dafür bezahlt hat. Denn einige der Propaganda-Anzeigen aus Russland hatten sich als Botschaften der "Republikanischen Partei Tennessee" getarnt. Und wurden prompt von Mitarbeitern Donald Trumps und seinem Sohn weiterverbreitet.

Russische Wahlbeeinflussung im Netz - Anhörung im US-Kongress
Martin Ganslmeier, ARD Washington
02.11.2017 18:09 Uhr

Download der Audiodatei

Wir bieten dieses Audio in folgenden Formaten zum Download an:

Hinweis: Falls die Audiodatei beim Klicken nicht automatisch gespeichert wird, können Sie mit der rechten Maustaste klicken und "Ziel speichern unter ..." auswählen.

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 02. November 2017 um 06:45 Uhr.

Darstellung: