Ermittler untersuchen den Tatort in London | Bildquelle: AP

Terrorakt in London Geheimdienst kannte den Attentäter

Stand: 23.03.2017 12:21 Uhr

Wer war der Mann, der die Terrorattacke von London verübte? Die britischen Behörden geben sich weiter bedeckt. Premierministerin May teilte im Parlament aber mit, dass der Täter in Großbritannien geboren wurde. Und er war den Ermittlern bekannt.

Der Mann, der gestern bei einer Terrorattacke unweit des britischen Parlaments drei Menschen tötete, bevor er erschossen wurde, war dem Geheimdienst MI5 aus früheren Ermittlungen bekannt. Das teilte Premierministerin Theresa May in einer Erklärung vor dem Parlament mit.

Der Täter wurde demnach in Großbritannien geboren und war in der Vergangenheit in Zusammenhang mit Extremismus verhört worden. Damals habe man ihn aber für eine Randfigur gehalten. Er sei ein Einzeltäter gewesen.

Weitere Informationen zum Attentäter und etwaigen Hintermännern gab May nicht - sie verwies auf die laufenden Ermittlungen. Sie bestätigte aber, dass es an sechs Orten Durchsuchungen gab und dass acht Personen festgenommen wurden. Scotland Yard hatte zuvor mitgeteilt, dass unter anderem Räume in London und Birmingham durchsucht worden seien.

Ein Deutscher unter den Verletzten

Die Premierministerin sagte, dass bei dem Anschlag rund 40 Menschen verletzt wurden. Unter ihnen ist auch ein Deutscher. Das Auswärtige Amt bestätigte das.

May sprach vor den Abgeordneten von einem Angriff "auf freie Menschen" überall auf der Welt. Er habe den Werten der freien Demokratie gegolten. Sie bekräftigte die Entschlossenheit ihrer Regierung, den Terrorismus zu bekämpfen. "Wir fürchten uns nicht", betonte sie.

Eine demonstrative Sitzung

May und das Parlament demonstrierten mit der heutigen Sitzung Normalität - auch als ein Zeichen dafür, dass man sich dem Terrorismus nicht beugen werde.

Zugleich verstärkten die Behörden um das Parlament und überall im Land die Sicherheitsmaßnahmen. Die Präsenz der Polizei wurde deutlich erhöht.

"Vom Terrorismus inspiriert"

Scotland Yard geht weiter davon aus, dass der Täter "vom internationalen Terrorismus inspiriert wurde", wie der Chef der britischen Terror-Abwehr, Mark Rowley, am Morgen bekräftigte. Auch der britische Verteidigungsminister Michael Fallon erklärte, der Terrorakt stehe im Zusammenhang mit dem islamistischen Terrorismus.

Nach Auskunft von Rowley sind sieben der Verletzten in einem kritischen Zustand. Bei den Opfern des Anschlags handelt es sich um einen 48-jährigen Polizisten sowie zwei Passanten - ein Mann und eine Frau.

Stille in der Hauptstadt

Der Tatort am Parlamentsgebäude war weiterhin abgesperrt, ebenso mehrere umliegende Straßen rund um Big Ben, auch die Westminster Bridge, die direkt am Parlament über die Themse führt. Spezialisten untersuchten auch am Vormittag den Tatort und seine Umgebung.

Wie ARD-Korrespondent Thomas Spickhofen berichtet, herrschte am Morgen "gespenstische Stille" auf Straßen, wo sonst Tausende Touristen zu den Attraktionen der Hauptstadt unterwegs sind. Im gesamten Stadtbild seien deutlich mehr Polizisten als sonst üblich zu sehen - auch an Bahnhöfen und Flughäfen.

Der Attentäter war zunächst auf der Westminster-Brücke neben dem Parlament mit einem Auto in Passanten gerast, später krachte der Wagen in den Zaun des Parlaments. Anschließend griff der Mann auf dem Parlamentsgelände einen Polizisten mit einem Messer an, der später an seinen Verletzungen starb. Der Angreifer wurde von anderen Polizisten niedergeschossen.

Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 23. März 2017 um 12:00 Uhr.

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