Trauer um die Opfer der Angriffe in London | Bildquelle: REUTERS

Anschlag in London Getroffen ins Herz

Stand: 23.03.2017 07:53 Uhr

Nach den Angriffen in London ist die Zahl der Toten auf fünf gestiegen. Auch der Angreifer ist tot. Die Polizei vermutet einen islamistischen Hintergrund. Möglicherweise führt eine Spur nach Birmingham. Dort soll es in der Nacht eine Durchsuchung gegeben haben.

Bei den Angriffen am britischen Parlament in London am Mittwochnachmittag sind nach jüngsten Angaben der Polizei mindestens fünf Menschen getötet worden, unter ihnen der mutmaßliche Täter. Rund 40 Menschen seien verletzt worden, teilte ein Sprecher von Scotland Yard mit. Bei den Opfern des Anschlags handelt es sich um einen 48-jährigen Polizisten sowie drei Passanten.

Laut Polizei ein Einzeltäter

Den Angreifer stufte die Polizei als Einzeltäter ein. Sie nahm Ermittlungen wegen Terrorverdachts auf. Scotland Yard geht davon aus, dass seine Identität geklärt ist. "Wir gehen davon aus, dass er vom internationalen Terrorismus inspiriert wurde", sagte der Sprecher. Weitere Details wollte er nicht nennen. Bei den Opfern des Anschlags handelt es sich um einen 48-jährigen Polizisten sowie drei Passanten.

Britische Medien berichten, dass es in der Nacht in Birmingham eine Durchsuchung gegeben habe, die in Zusammenhang mit dem Angriff gestanden habe. Die Boulevardzeitung "The Sun" schreibt, Einsatzkräfte hätten gegen 23 Uhr (Ortszeit) ein Gebiet im Südwesten der Stadt abgeriegelt und eine Wohnung durchsucht. In der Nähe des Gebäudes sei das Tatauto gemietet worden, berichtet das Blatt weiter. Mehrere Personen seien in Gewahrsam genommen worden, meldet auch der TV-Sender "Sky". Eine offizielle Bestätigung hierfür gibt es noch nicht.

Die zweitgrößte britische Stadt gilt als ein Zentrum der Islamistenszene in Großbritannien. Einer der mutmaßlichen Drahtzieher von Brüssel und Paris, Mohamed Abrini, hatte dort gewohnt.

Der Anschlag in London
Morgenmagazin, 23.03.2017, Lida Askari, NDR

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Der Attentäter war zunächst auf der Westminster-Brücke neben dem Parlament mit einem Auto in die Passanten gerast, später krachte der Wagen in den Zaun des Parlaments. Anschließend griff der Mann auf dem Parlamentsgelände einen Polizisten mit einem Messer an, der später an seinen Verletzungen starb. Der Angreifer wurde von anderen Polizisten niedergeschossen.

May spricht von "krankem Anschlag"

Premierministerin Theresa May sprach von einem "kranken und verkommenen Anschlag". Der Ort des Anschlags sei kein Zufall gewesen. "Der Terrorist wollte das Herz unserer Hauptstadt treffen, wo Menschen aller Nationalitäten, Religionen und Kulturen zusammenkommen, um die Werte der Freiheit, Demokratie und Meinungsfreiheit zu feiern." Jeder Versuch, diese Werte mit Gewalt zu besiegen, sei jedoch zum Scheitern verurteilt. Die Briten würden sich nicht unterkriegen lassen. Mit Blick auf den nächsten Tag sagte May: "Morgen früh wird das Parlament zusammentreten - wie immer."

Julie Kurz, ARD London, zu den neusten Erkenntnissen nach dem Anschlag
Morgenmagazin, 23.03.2017

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Die Terrorwarnstufe in Großbritannien wird nicht erhöht. Sie ist bereits auf der zweithöchsten Stufe. Das Anschlagsrisiko werde schon länger als "ernst" eingestuft, "und daran wird sich nichts ändern", sagte May nach einem Krisentreffen des Kabinetts. Londons Bürgermeister Sadiq Khan gab sich kämpferisch: "Londoner werden sich niemals von Terror einschüchtern lassen."

Die britische Premierministerin Theresa May. | Bildquelle: dpa
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Die britische Premierministerin Theresa May.

Merkel telefoniert mit May

Bundeskanzlerin Angela Merkel telefonierte am späten Abend mit der britischen Premierministerin Theresa May und sprach ihr und allen Briten ihre Anteilnahme aus, wie Regierungssprecher Steffen Seibert per Twitter mitteilte. Gleich nach dem Anschlag hatte Merkel erklärt, dass Deutschland im Kampf gegen jede Form von Terrorismus "fest und entschlossen an der Seite Großbritanniens" stehe. Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier sagte: "In diesen Stunden sind wir Deutsche dem britischen Volk in besonderer Weise verbunden."

Steffen Seibert @RegSprecher
Kanzlerin #Merkel hat eben mit PM Theresa #May telefoniert + ihr und allen Briten ihre Anteilnahme ausgesprochen. #londonattack

Bundesinnenminister Thomas de Maizière bekräftigte die Vermutung der britischen Sicherheitskräfte, dass es sich um einen Anschlag mit terroristischem Hintergrund handele. Das Auswärtige Amt erklärte, es stehe in engem Kontakt mit den britischen Behörden. Bislang sei unklar, ob zu den Opfern auch Deutsche zählten.

New York verstärkt Sicherheitsvorkehrungen

Auch der US-Außenminister Rex Tillerson verurteilte die Angriffe in London als "schrecklichen Gewaltakt" und sprach den Betroffenen sein Mitgefühl aus. Es bestehe kein Unterschied für die Opfer, ob solche Taten "von gestörten Einzelpersonen oder von Terroristen ausgeführt werden". US-Präsident Donald Trump sicherte der britischen Premierministerin May telefonisch die volle Unterstützung der USA zu. Unterdessen wurden in New York nach Polizeiangaben die Sicherheitsvorkehrungen vor Einrichtungen verstärkt, die mit Großbritannien in Zusammenhang stehen.

Über Twitter drückten auch der EU-Kommissionspräsident Jean-Claude Juncker und der EU-Ratschef Donald Tusk ihr Mitgefühl aus. " Ich bin heute sehr emotional. Habe nicht genügend Worte um zu beschreiben, wie ich mich fühle", sagte Juncker.

European Commission @EU_Commission
.@JunckerEU "We are with the victims of the #LondonAttacks.I am highly emotional today.Don't have words enough to express what I am feeling" https://t.co/pdFF1P6wJn

Über dieses Thema berichtete das ARD-Morgenmagazin am 23. März 2017 um 05:38 Uhr.

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