Türkische Polizisten nehmen die Angreifer fest. | Bildquelle: dapd

"Patriot"-Einsatz in der Türkei Wütende Demonstranten attackieren deutsche Soldaten

Stand: 23.01.2013 13:09 Uhr

Aufgebrachte Gegner des "Patriot"-Einsatzes der NATO in der Türkei haben eine Gruppe Bundeswehrsoldaten angegriffen. Die in Zivil gekleideten Deutschen wurden im Zentrum von Iskerun von etwa 40 Demonstranten angepöbelt und bedrängt. Die Polizei nahm die Angreifer fest.

Von Thomas Bormann, ARD-Hörfunkstudio Istanbul

Demonstranten einer linksnationalistischen Partei haben in der südtürkischen Hafenstadt Iskenderun am späten Dienstagnachmittag eine Gruppe von Bundeswehrsoldaten tätlich angegriffen.

Die fünf deutschen Soldaten waren in Zivil gekleidet. Auf einer belebten Einkaufsstraße in der Innenstadt wurden sie plötzlich von etwa 40 Demonstranten umzingelt. Dabei wurde einem der Soldaten ein Sack über den Kopf gestülpt, in dem sich weißes Pulver oder Puder befand.

Die Bundeswehrsoldaten flüchteten in ein Geschäft. Die türkische Polizei war sofort zur Stelle und nahm die Angreifer fest. Niemand wurde verletzt.

Tätlicher Angriff auf Bundeswehr-Soldaten in der Türkei
T. Bormann, ARD Istanbul
23.01.2013 12:19 Uhr

Download der Audiodatei

Wir bieten dieses Audio in folgenden Formaten zum Download an:

Hinweis: Falls die Audiodatei beim Klicken nicht automatisch gespeichert wird, können Sie mit der rechten Maustaste klicken und "Ziel speichern unter ..." auswählen.

Reaktion auf Vorfall im Irak

Die Demonstranten gehören einer linken nationalistischen Splitterpartei an. Mitglieder dieser Partei hatten in den vergangenen Jahren mehrfach versucht, NATO-Soldaten Säcke über den Kopf zu ziehen. Damit reagieren sie auf einen Vorfall vor zehn Jahren im Irak.

Dort hatten damals amerikanische Soldaten mehrere türkische Soldaten festgenommen und sie mit Säcken über dem Kopf zum Verhör geführt.

Mehrheit der Türken befürwortet Patriot-Einsatz

Die Bundeswehr ist mit etwa 350 Soldaten in der Türkei vor Ort, um das Land vor möglichen Angriffen aus Syrien zu schützen. Die überwiegende Mehrheit der türkischen Bevölkerung hat keine Einwände gegen diesen Einsatz oder befürwortet ihn ausdrücklich.

Was ist das Flugabwehrsystem "Patriot"?

Das Flugabwehrsystem "Patriot" besteht aus radargestützten Lenkflugkörpern. Das System gilt als eine der modernsten Flugabwehrwaffen der Welt. Die Abschusscontainer und Radaranlagen sind in der Regel auf Sattelschlepper und Lkw montiert, so dass sie mobil sind. Das System wurde in den 60er-Jahren in den USA entwickelt. An der Fertigung waren auch deutsche Unternehmen beteiligt. Mit den Raketen können Flugzeuge, Marschflugkörper und ballistische Raketen bekämpft werden. Für die Abwehr kleiner Geschosse wie Mörsergranaten ist es nicht geeignet.
Das "Patriot"-System kann bis zu fünf Ziele gleichzeitig bekämpfen. Die Bundesrepublik führte die Waffe 1989 ein. Nach Angaben des Herstellers verfügen zwölf Staaten über "Patriot"-Systeme - darunter sechs NATO-Staaten.

Dieser Beitrag lief am 23. Januar 2013 um 13:22 Uhr im Deutschlandfunk.

Darstellung: