Deutsches Konsulat in Masar-i-Sharif nach Angriff der Taliban. | Bildquelle: AFP

Sprengstoffanschlag in Masar-i-Sharif Tote bei Angriff auf deutsches Konsulat

Stand: 11.11.2016 10:59 Uhr

Bei einem Taliban-Angriff auf das deutschen Generalkonsulat in der nordafghanischen Stadt Masar-i-Sharif sind mindestens sechs Menschen getötet worden, mehr als 100 Menschen wurden verletzt. Am Morgen vereitelten Bundeswehrsoldaten möglicherweise einen zweiten Anschlag.

Die radikalislamische Taliban-Miliz hat das deutsche Generalkonsulat in der nordafghanischen Stadt Masar-i-Sharif angegriffen und offenbar mindestens sechs Menschen getötet. Der Leiter des großen Zivilkrankenhauses, Nur Mohammed Fais, hatte zunächst von zwei Toten gesprochen, die Opferzahl dann aber nach oben korrigiert. Alle vier Toten seien Afghanen. Auch die Zahl der Verletzten stieg von rund 110 auf 119.

Das Auswärtige Amt erklärte allerdings, es sei noch nicht abschließend geklärt, wie viele afghanische Zivilisten oder Sicherheitsbeamte bei dem Angriff getötet oder verletzt wurden. Alle deutschen Mitarbeiter des Konsulats seien "sicher und unverletzt", sagte ein Sprecher des Auswärtigen Amtes. Im Generalkonsulat sind etwa zwei Dutzend Deutsche beschäftigt. Es war 2013 vom damaligen Außenminister Guido Westerwelle eingeweiht worden. Masar-i-Sharif ist auch ein Schwerpunkt der deutschen Entwicklungshilfe für Afghanistan.

Gabor Halasz, ARD Neu-Delhi, zum Anschlag in Afghanistan
nachtmagazin 00:00 Uhr, 11.11.2016

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Das Auswärtige Amt erklärte den Angriff für beendet. "Die schwer bewaffneten Angreifer sind vom Sicherheitspersonal des Generalkonsulats, von afghanischen Sicherheitskräften und Sondereinsatzkräften von 'Resolute Support' aus Camp Marmal zurückgeschlagen worden". so der Sprecher. Deutsche Truppen hätten das Gebäude durchkämmt und keine weiteren Angreifer entdeckt, sagte Polizeichef Saied Sadat.

Laut lokalen Behörden attackierte ein Selbstmordattentäter am späten Donnerstagabend mit seinem Auto das Gelände. Der Angreifer steuerte demnach einen Kohlelaster. Unter der Kohle soll der Sprengstoff versteckt gewesen sein. Die Autobombe sei am Tor der diplomatischen Einrichtung explodiert, sagte der Sicherheitschef der Provinz Balch, Abdul Rasik Kaderi. Dadurch seien das Tor und die Mauer zerstört worden.

Die Bombe riss einen großen Krater in die Straße. In einem weiten Umkreis gab es Schäden. Lokale Reporter sprachen von einem Chaos, das ausgeprochen sei. Der Strom sei ausgefallen. Viele Menschen hätten in ihren beschädigten Häusern ausgeharrt aus Angst, dass noch mehr Extremisten auf den Straßen unterwegs sein könnten.

Bundeswehrsoldaten erschießen Motorradfahrer

Am Morgen gab es möglicherweise einen weiteren Anschlagsversuch. Bundeswehrsoldaten, die das Generalkonsulat sicherten, erschossen dort zwei Motorradfahrer. Das bestätigte der Sprecher des Gouverneurs der Provinz, Munir Farhad. Insgesamt drei Motorradfahrer hätten nicht angehalten, als sie dazu aufgefordert worden seien. Als die Motorradfahrer sowohl auf Warnschüsse als auch auf Leuchtraketen nicht reagierten, rechneten die Deutschen offenbar mit einem neuen Angriffsversuch, hieß es. Einer der möglichen Angreifer sei verletzt worden.

Vergeltung für Luftangriff in Kundus?

Die Taliban bekannten sich zu der Sprengstoffanschlag. Der Angriff sei als Vergeltung für einen Luftangriff in der nordafghanischen Provinz Kundus erfolgt, schreibt die Nachrichtenagentur dpa. Vor einer Woche waren dort bei einem mutmaßlichen NATO-Luftangriff auf radikalislamische Taliban mehr als 30 Zivilisten getötet worden, 19 wurden verletzt. Der Angriff vor einer Woche hatte international Kritik ausgelöst. Der Tod von Zivilisten sei nicht hinnehmbar und untergrabe die Bemühungen zum Aufbau von Frieden und Stabilität in dem Land, sagte der UN-Beauftragte für Afghanistan, Tadamichi Yamamoto.

Die Taliban gaben den Deutschen eine Mitverantwortung an dem US-Luftangriff. Das sagte der Sprecher der Taliban, Sabiullah Mudschahid, der dpa. Die Deutschen hätten den US-Streitkräften die notwendigen nachrichtendienstlichen Informationen zukommen lasse, daher seien sie nun Ziel des Vergeltungsangriffs geworden.

Deutschland hat im Rahmen der Mission "Resolute Support" in Afghanistan 938 Soldaten stationiert, die meisten von ihnen in Balch. Masar-i-Sharif ist die Hauptstadt der Provinz Balch und eine der wichtigsten Städte Afghanistans.

Mit Informationen von Jürgen Webermann, ARD-Studio Neu Delhi

Über dieses Thema berichtete das nachtmagazin am 11. November 2016 um 00:00 Uhr.

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