Euro-Geldscheine | Bildquelle: a (Weiss)

Bankgeheimnis in Andorra Kein Steuerparadies mehr

Stand: 29.12.2017 01:03 Uhr

Andorra ist bekanntlich klein - aber es beherbergt große Geheimnisse: Jahrelang haben Superreiche aus dem Ausland ihr Vermögen dort vor den Steuerbehörden versteckt. Damit ist bald Schluss: Zum 1. Januar kippt der Zwergstaat das Bankgeheimnis.

Von Oliver Neuroth, ARD-Studio Madrid

"Ex-Minister von Chávez versteckten zwei Milliarden Dollar in Andorra" - mit dieser Schlagzeile sorgte die spanische Zeitung "El País" vor zwei Wochen für Aufsehen. Nach Recherchen des Blattes bekamen Mitglieder der früheren Regierung Venezuelas Bonuszahlungen in Milliardenhöhe für erfolgreiche Verhandlungen über Ölgeschäfte. Dieses Geld soll über Banken in Andorra in andere Steuerparadiese verschoben worden sein.

Andorras Finanzminister Jordi Cinca (Quelle: Oliver Neuroth)
galerie

Finanzminister Cinca räumt Fehler in der Vergangenheit ein.

Zwielichtige Geschäfte waren recht problemlos möglich, gibt Andorras Finanzminister Jordi Cinca zu - weil in dem Fürstentum ein Bankgeheimnis gilt. Die andorranischen Banken mussten den Finanzbehörden in der Heimat ihrer Kunden also nicht berichten, welche Vermögen bei ihnen geparkt waren. Deshalb konnte auch die Familie des ehemaligen katalanischen Regierungschefs Jordi Pujol große Summen in Andorra verstecken - genauso wie die Opernsängerin Montserrat Caballé und gerüchteweise auch Fußballer des FC Barcelona.

Doch damit ist ab dem 1. Januar Schluss, erklärt Ministerpräsident Antoni Martí. "Das Bankgeheimnis hatte nur ein begrenztes Leben, das war uns seit Langem klar", sagt er. Natürlich hätten andorranischen Banken enorm vom Bankgeheimnis profitiert. "Wir wurden zu einem starken Finanzplatz mit hohen liquiden Mitteln. Doch nun ist der Moment gekommen, an dem wir konkurrieren wollen mit anderen Banken in einem Umfeld, in dem dieselben Vorgaben gelten."

Herausforderung für die Banken

Diesen Schritt hat Andorra lange vorbereitet. Vor acht Jahren schon fiel die Entscheidung, transparentere Finanzmarkt-Regeln einzuführen. Andorra schloss Steuerabkommen mit Spanien und Frankreich, die dortigen Behörden können seitdem in Einzelfällen Kontodaten von Banken in Andorra einfordern. Ab 2018 erfolgt der Austausch automatisch - mit allen EU-Ländern.

Esther Puigcercós, Generaldirektorin des andorranischen Bankenverbandes  (Quelle: Oliver Neuroth)
galerie

Puigcercós hofft, dass Andorras Banken durchhalten.

Die Generaldirektorin des andorranischen Bankenverbandes, Esther Puigcercós, spricht von einer Herausforderung für die fünf Banken im Fürstentum. Denn für sie fallen die Vorteile einer Steueroase weg - und somit reiche Kunden aus dem Ausland, die ihr Geld heimlich beiseite schaffen wollen. Die Hoffnung der Generaldirektorin setzt auf die jahrzehntelange Erfahrung mit Privatbanken. Man habe den Kunden schon immer einen guten Service geboten, sagt sie - "in Kombination mit hohen Renditen für ihre Einlagen. Damit können wir uns auch künftig durchsetzen und spielen mit in der für uns neuen Welt der angeglichenen Regeln."

Lob von Ratingagenturen

Dass sich Andorra stark darum bemüht, seine Banken in Einklang mit internationalen Vorgaben zu bringen, loben auch die Ratingagenturen. Standard & Poor´s stufte Andorra im Sommer eine Note hinauf auf "BBB". Die Agentur Fitch sieht es aber als Nachteil, dass der Zwergstaat geldpolitisch vom Euroraum abhängig ist. Der Euro ist offizielles Zahlungsmittel, es gibt aber keine eigene Notenbank. Somit fehle den Geschäftsbanken ein sogenannter "Kreditgeber der letzten Instanz", sagt die Fitch-Analystin Cristina Torrella. "Sollte es zu einer finanziellen Schieflage kommen, dürften die Verpflichtungen der Banken auf den Staatshaushalt durchschlagen." Doch allgemein bewertet auch Fitch die Lage im Fürstentum als stabil.

Andorra kippt das Bankgeheimnis
Oliver Neuroth, ARD Madrid
28.12.2017 22:26 Uhr

Download der Audiodatei

Wir bieten dieses Audio in folgenden Formaten zum Download an:

Hinweis: Falls die Audiodatei beim Klicken nicht automatisch gespeichert wird, können Sie mit der rechten Maustaste klicken und "Ziel speichern unter ..." auswählen.

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 29. Dezember 2017 um 05:40 Uhr.

Darstellung: