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Historiker findet frühes Werk von Hans Christian Andersen

Das 190 Jahre unentdeckte Märchen vom Talglicht

Es ist eine Sensation: In einer alten Kiste auf der Insel Fünen hat ein dänischer Historiker einen wahren Schatz entdeckt - ein unbekanntes Märchen von Hans Christian Andersen. Der Dichter schrieb die Geschichte über ein Talglicht als 18-Jähriger. Die Historiker sind sich sicher: Es ist das früheste Märchen, das Andersen schrieb.

Von Tim Krohn, ARD-Hörfunkstudio Stockholm

Das Märchen-Manuskript von Andersen.
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Ein Blick ins lange gut versteckte Märchen von Hans Christian Andersen

"Es simmerte und brauste unter der Wiege des Talglichtes und aus der warmen Wiege stieg das Licht - formvollendet, leuchtend weiß und lang..." So fängt sie an, die kleine Geschichte von dem Talglicht.

Handschriftlich auf sechs Seiten notiert von der Familie einer gewissen Frau Bunkeflod aus Dänemark. Diese Frau, eine Vikarswitwe, die gegenüber der Andersens wohnte und mit dem jungen Hans Christan befreundet war, legte die Abschrift in eine Schreibmappe. Und da blieb sie dann liegen. 190 Jahre lang.

Märchenhafte Sensation: Unbekanntes Andersen-Märchen entdeckt
Tim Krohn, ARD Stockholm
15.12.2012 03:14 Uhr

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"Wow, das ist wirklich eine Seltenheit"

Esben Brage, ein Historiker auf der Insel Fünen, traute seinen Augen kaum: "Im Laufe der Jahre hatte ich schon viele Dokumente über Andersen in der Hand, bei denen ich dachte, das ist wirklich etwas Besonderes. Hier aber habe ich gedacht: Wow, das ist wirklich eine Seltenheit."

Er hatte alte Kisten aus dem Regionalarchiv  durchwühlt. Und ganz unten lag diese alte vergilbte Mappe. "Andersen" stand drauf. Und tatsächlich - die Literaturwissenschaftler in Dänemark sind sich mittlerweile sicher - da lag ein echter Andersen drin. Eben das Märchen von dem Talglicht.

Der zuständige Reichsarchivar Asbjörn Hellum ist begeistert: "Wir haben inzwischen mit vielen Andersen-Experten gesprochen. Und alle meinen, das hier ist das früheste Märchen, das er je geschrieben hat."

Es muss zum Ende seiner Schulzeit in Odense entstanden sein, sagt Hellum. Wahrscheinlich war Hans Christian Andersen da gerade mal 18 Jahre alt und noch weit, sehr weit, von seinem späteren Ruhm entfernt.

Eher eine erste Fingerübung als ein Meisterwerk

Der Leiter des dänischen Nationalarchivs, Mads Peter Christensen (rechts), stöbert mit Einar Stig Askgaard im Märchen-Manuskript von Andersen.
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Der Leiter des dänischen Nationalarchivs, Mads Peter Christensen (rechts), stöbert mit Einar Stig Askgaard im Märchen-Manuskript von Andersen.

Literarisch ist die Geschichte nicht gerade eine Meisterwerk, eher eine erste Fingerübung, erklärt der Andersen-Experte Ejnar Stig Asgaard: "Wenn man dieses Märchen liest, dann merkt man schon, dass die Sprache noch längst nicht ausgereift ist. Aber es ist ein kleines, feines Märchen, dass Andersens spätere Karriere zumindest andeutet." Das Thema nämlich sei typisch für ihn, den eitlen und manchmal doch recht kauzigen und empfindlichen Dichter.

Tatsächlich geht es in dem Text, wie so oft bei Andersen, um Reichtum und Schönheit. Im Mittelpunkt steht ein Gegenstand, der zum Leben erweckt wird, also genauso wie später einmal zum Beispiel der berühmte standhafte Zinnsoldat.

Dass sich auch der junge 18-jährige Dichter schon für Märchen interessiert hat, damit hätte Asgaard, der Experte, niemals gerechnet: "Das ist nichts weniger als eine Weltsensation. Andersen ist einer der meistgelesenen Autoren weltweit. Jeder kennt ihn - Kinder, Jugendliche, Erwachsene. Er hat unseren Blick auf die Welt und ihre märchenhaften Seiten geprägt. Dass wir in Dänemark nun sein erstes Märchen überhaupt finden, das ist das beste Weihnachtsgeschenk, dass sich die Welt nur wünschen konnte.“

Das simmernde und brausende, einsame Talglicht im Märchen findet am Ende übrigens auch die Erlösung. In dem Moment, als ein Feuerzeug die Kerze entzündet.

Hans Christian Andersen
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Porträt des dänischen Schriftstellers und Dichters Hans Christian Andersen, gezeichnet 1841

Dieser Beitrag lief am 14. Dezember 2012 um 18:40 Uhr auf WDR2.

Stand: 15.12.2012 03:46 Uhr

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