Cyril Ramaphosa beim ANC-Parteitag | Bildquelle: REUTERS

ANC-Parteitag in Südafrika Nächtliche Wahl für Zuma-Nachfolge

Stand: 18.12.2017 08:34 Uhr

Wer folgt auf Präsident Zuma? Um diese Frage ringt der ANC in Johannesburg. Durch den Ausschluss von 400 Delegierten dürften sich die Chancen eines Mannes erhöht haben, der für einen Richtungswechsel steht.

Von Jan-Philippe Schlüter, ARD-Studio Johannesburg

Angespannte Atmosphäre in der riesigen Konferenzhalle in Johannesburg. Beim ANC-Parteitag gibt es hitzige Diskussionen über den Ablauf der bevorstehenden Wahl der neuen Parteispitze. Die Delegierten sind nervös und müde. Stundenlang mussten sie warten, bis geklärt war, wer überhaupt abstimmen darf. Nachdem mehrere Vorwahlen vor Gericht für ungültig erklärt worden waren, sind gut 400 Delegierte disqualifiziert worden. Das hat für massive Verzögerungen im Ablauf des Parteitags gesorgt.

Eigentlich hatte die Wahl der neuen ANC-Spitze schon am Samstag stattfinden sollen. Aber erst gestern Abend wurden die Nominierungen bekanntgegeben. Die ganze Nacht über haben die rund 4700 Delegierten ihre Stimme abgegeben.

Noch-ANC-Parteichef Jacob Zuma | Bildquelle: dpa
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Zuma tritt ab. Aber wer folgt ihm?

Wahl entscheidet über ANC-Kurs

Zwischen zwei Kandidaten wird es sich entscheiden: Vize-Präsident Cyril Ramaphosa und Ex-Ministerin Nkosazana Dlamini-Zuma gehen wie erwartet ins Rennen. Die Partei ist über die Frage nach dem neuen Parteichef tief gespalten.

Ramaphosa wird vom reformorientierten Teil des ANC unterstützt, der sich eine Wiederbelebung der Wirtschaft und ein Ende von Korruption und Vetternwirtschaft in der Partei wünscht. Dlamini-Zuma hat versprochen, sich mehr für die arme schwarze Bevölkerung einzusetzen. Allerdings ist sie die Ex-Frau von Präsident Jacob Zuma und wird von seinen Vertrauten unterstützt. Viele fürchten, dass sie für eine Fortsetzung des Systems Zuma steht, in dem Klientelwirtschaft und Korruption an der Tagesordnung sind.

Strukturell von Korruption verseucht

Die Wahl ist auch deshalb so bedeutend, weil der neue Parteichef bei der Wahl 2019 Spitzenkandidat oder Spitzenkandidatin für das Präsidentenamt wird. Entsprechend viel steht für beide Seiten auf dem Spiel. Und auch für die Zukunft des ANC selbst ist die Wahl wegweisend, sagt Politikanalyst Ralf Mathekga: "Geht der neue Parteichef mit einer lahmenden Partei aus dieser Konferenz hervor? Oder mit einem geläuterten ANC?" Der ANC sei strukturell von Korruption verseucht, sagt Mathekga. "Viele Ortsverbände sind gar nicht in der Lage, einen vernünftigen Wahlkampf zu machen."

Ramaphosa leicht in Führung?

Wer die Wahl zum Parteivorsitzenden gewinnt, ist völlig unklar. Zwar hatte Vize-Präsident Ramaphosa bei den Vorwahlen mehr Ortsverbände auf seiner Seite. Auch der Ausschluss von manchen Delegierten hat sich für ihn wohl positiv ausgewirkt, weil die Disqualifizierten eher dem Lager von Dlamini-Zuma zugerechnet werden. Doch auf der anderen Seite hat sie die Unterstützung von Partei-Organen wie der Jugend- und der Frauenliga, die viele Wählerstimmen einbringen.

Das Ergebnis wird heute im Laufe des Tages erwartet. "Momentan sieht es so aus, als könnte Ramaphosa leicht in Führung liegen", mutmaßt die Politik-Professorin Susan Booysen. "Aber wir sollten das nicht als endgültig ansehen. Schließlich wissen wir bei einer geheimen Wahl nicht, was in der Wahlkabine passiert."

Showdown um ANC-Parteispitze: Wer wird neue/neuer Vorsitzende(r)?
Jan-Philippe Schlüter
18.12.2017 07:25 Uhr

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Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 18. Dezember 2017 um 05:37 Uhr.

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