Nordkoreas Machthaber Kim Jong-Un | Bildquelle: dpa

Nordkorea-Südkorea-Gipfel Kims Masterplan mit Überraschungen

Stand: 26.04.2018 13:26 Uhr

Nordkoreas Machthaber Kim trifft Südkoreas Präsidenten Moon. Den Stopp der Atomtests verkündete er bereits. Was wie eine Kehrtwende aussieht, ist Teil eines Masterplans.

Von Jürgen Hanefeld, ARD-Studio Tokio

Wie üblich kam die Attacke im Morgengrauen, aber nicht in Gestalt einer Rakete, sondern als Böller politischer Natur. "Nordkorea wird seine Atomtests und Starts von Interkontinentalraketen mit Wirkung vom 21. April einstellen. Um die Suspendierung der Atomtests in einer transparenten Weise zu garantieren, wird das nördliche Testgelände stillgelegt", meldeten Nordkoreas Staatsmedien.

US-Präsident Donald Trump jubelte postwendend per Twitter: Das seien sehr gute Nachrichten für Nordkorea und die Welt und ein großer Fortschritt.

Kim will Arsenal unverändert lassen

Zugegeben, mit dieser Ankündigung im Staatsfernsehen gelang es Kim Jong-Un am vorigen Wochenende erneut, die Welt zu verblüffen. Dabei ist seine Absicht dieses Manövers leicht zu durchschauen: Es soll den Boden bereiten für das Treffen mit seinem Widerpart, dem südkoreanischen Präsidenten Moon Jae-In.

Aber schon der nächste Satz im Kommuniqué des jungen Machthabers macht deutlich, dass Kim keineswegs vorhat, sein Raketenarsenal zurückzuschrauben. "Nordkoreas Führer Kim Jong-Un sagte, sein Land werde keine weiteren Nuklearversuche oder Tests von Interkontinentalraketen benötigen, weil es sein Ziel der Entwicklung von Atomwaffen erreicht habe."

Das heißt: Kims Atom- und Raketenpotenzial bleibt einfach auf dem vorhandenen Niveau, weil er sich damit hinreichend geschützt fühlt. Ab jetzt werde er sich verstärkt um die kränkelnde Wirtschaft kümmern.

Kurz vor erstem Gipfeltreffen von Nord- und Südkorea
tagesschau 20:00 Uhr , 26.04.2018, Sandra Ratzow, ARD Singapur zzt. in Südkorea

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Keine neue Politik

Das ist keineswegs eine neue Politik, sondern die Fortsetzung eines Masterplans, der sich seit Jahren abzeichnet. Schon auf dem Parteitag im Mai 2016 hatte Kim sein Land selbstbewusst zu einer "verantwortungsvollen Atommacht" erklärt. "Nordkorea ist ein Atomstaat. Aber wir werden die Waffe nur für den Fall einsetzen, dass wir angegriffen werden", sagte er damals. "Wir sind bereit, mit anderen Atommächten über nukleare Abrüstung zu verhandeln, um eine atomwaffenfreie Welt zu schaffen."

Sven Schwersensky, der das Büro der Friedrich-Ebert-Stiftung in der südkoreanischen Hauptstadt Seoul leitet, hält die politische Linie des Machthabers für stringent. Kim habe schon vor viereinhalb Jahren verkündet, "dass das Atomprogramm Ende 2017 abgeschlossen sein würde. Und die Angewohnheit, das zu sagen, was es macht, hat das nordkoreanische Regime in der Vergangenheit öfters bewiesen".

Geschichtlicher Rückblick: Nord- und Südkorea
tagesschau 17:00 Uhr , 26.04.2018, Alexander Westermann, NDR

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"Der Knopf ist immer auf meinem Schreibtisch"

Tatsächlich hatte Nordkorea im September 2017 den sechsten und mächtigsten Atomversuch unternommen, und am 29. November 2017 seine größte Interkontinentalrakete, die Hwasong 15, gezündet. Die Nachrichtenagenturen meldeten erschrocken, mit diesem Geschoss könne Pjöngjang das gesamte Festland der USA erreichen.

Vier Wochen später, während die USA tobten und der UN-Sicherheitsrat erneut seine Sanktionen verschärfte, hielt Kim die Neujahrsansprache, die als eigentlicher Wendepunkt in der Politik Nordkoreas gilt. "Die Vereinigten Staaten werden nie in der Lage sein, einen Krieg gegen mich und unser Land zu beginnen", sagte er. "Die gesamten USA liegen in der Reichweite unserer Atomwaffen, und der Knopf ist immer auf meinem Schreibtisch."

Nordkoreas Interkontinentalrakete Hwasong 15 steigt in den Himmel | Bildquelle: dpa
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Am 29. November 2017 testete Nordkorea seine größte Interkontinentalrakete, die Hwasong 15.

Olympische Spiele als Eisbrecher

Aber dann schlug Kim versöhnliche Töne an. Er erklärte die Bereitschaft seines Landes, an den Olympischen Winterspielen teilzunehmen. "Die Winterspiele in Südkorea werden ein gutes Ereignis für unser Land sein", sagte er. "Wir sind bereit, verschiedene Schritte zu unternehmen, einschließlich der Entsendung einer Delegation. Funktionäre der beiden Koreas sollten sich dringend treffen, um die Möglichkeiten auszuloten."

Nordkoreanische Fans bei den Olympischen Winterspielen 2018 | Bildquelle: AFP
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Nordkoreas Teilnahme an den Olympischen Winterspielen 2018 in Südkorea galt als wichtiger Schritt der Annäherung.

Damit war das Eis gebrochen. Es hatte schon vorher Hinweise auf eine Verhandlungsbereitschaft Pjöngjangs gegeben, zum Beispiel beim Parteitag 2016. Aber da lief das nordkoreanische Raketenprogramm noch auf vollen Touren, und Südkorea verweigerte jeden Dialog.

Präsidentin Park Geun-Hye und ihr Vorgänger Lee Myung-Bak hatten schon vorher alle Brücken zum Norden abgebrochen. Als Reaktion auf die Raketenrüstung Pjöngjangs schlossen sie sogar die gemeinsame Sonderwirtschaftszone Kaesong, einst ein Renommierprojekt des Vereinigungswillens.

Südkoreas Präsident erfolgreicher als seine Vorgänger

Südkoreas Präsident Moon Jae-In | Bildquelle: AP
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Südkoreas Präsident Moon hat in seiner Amtszeit bereits mehr erreicht als seine beiden Vorgänger.

Nach dem Desaster mit der korrupten Präsidentin Park wählten die Südkoreaner Moon Jae-In zum neuen Staatschef. Er ist noch keine zwölf Monate im Amt, hat aber mehr erreicht als seine beiden rechtslastigen Vorgänger. "Ob die beiden Koreas zusammenleben oder getrennt: Wir müssen zusammen in Frieden gedeihen, ohne einander zu stören oder Schaden zuzufügen", so Moon.

Er ist der Initiator der derzeitigen Entspannungsphase, ein sozialliberaler Erbe der sogenannten Sonnenscheinpolitik des Friedensnobelpreisträgers Kim Dae-Jong. Moon hatte das Tor zum Dialog weit aufgestoßen, indem er Nordkorea im Sommer vergangenen Jahres zur Teilnahme an den Winterspielen 2018 einlud - verknüpft mit dem Vorschlag, die üblichen Frühjahrsmanöver mit den USA zu verschieben. Für ihn war Olympia vor allem ein Mittel zum Zweck. Es sollte der Anfang einer neuen Annäherung sein.

Bisher sieht er sich auf gutem Weg. Vor einer Woche sagt Moon vor Journalisten: "Nordkorea hat gegenüber der internationalen Gemeinschaft seinen Wunsch nach vollständiger Denuklearisierung zum Ausdruck gebracht. Und sie wollen mit uns reden. Sie haben keine Bedingungen gestellt, die die USA nicht erfüllen könnten, etwa den Rückzug amerikanischer Truppen."

Damit ist auch Kim seinem eigentlichen Ziel ein großes Stück weitergekommen: Auf Augenhöhe mit seinem Lieblingsfeind zu verhandeln - den USA.

Koreagipfel "Hoffnung auf Entspannung"
Jürgen Hanefeld, ARD Tokio
25.04.2018 16:18 Uhr

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Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 24. April 2018 um 18:40 Uhr in der Sendung "Hintergrund".

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