Kim Jong Un mit einer angeblichen Wasserstoffbombe (Handout der nordkoreanischen Regierung) | Bildquelle: REUTERS

Nordkoreas Diktator Kim Atombombe als Überlebensstrategie

Stand: 03.09.2017 16:18 Uhr

Wieder testet Kim Jong Un eine Bombe, wieder überrascht er die Welt. Trotz aller Spione und Satelliten gelingt es nicht, Kims Plan vorherzusehen. Dabei ist dieser eindeutig, analysiert Jürgen Hanefeld: Atommacht werden, zur eigenen Sicherheit. Und zwar flott.

Eine Analyse von Jürgen Hanefeld, ARD-Studio Tokio

Wieder hat der nordkoreanische Machthaber die Welt überrascht. Längst hatten sich die Auguren auf den 9. September geeinigt. An diesem Tag, an dem Nordkorea seine Gründung feiert, sollte etwas Sensationelles passieren. Wieder mal ein Atombombentest? Aber wie so oft irrten die Experten. Heute, buchstäblich aus heiterem Himmel, kam der Doppelschlag: erst die Mitteilung, man habe nun einen neuen Typ von Wasserstoffbombe fertig gestellt, und nur wenige Stunden später die Meldung: Wir haben sie getestet.

Wie kann es eigentlich sein, dass alle Experten, ob Wissenschaftler oder Spione, sich immer wieder foppen lassen? Wissen sie tatsächlich so wenig über die rasante technische Entwicklung in Nordkorea? Wie viele Aufklärungssatelliten braucht man, um vorherzusehen, was Kim vorhat?

Kims Ziel: Atommacht

Die generelle Linie sollte nun aber auch den ignorantesten Analysten klar geworden sein: Kim macht so weiter, wie x-mal angekündigt, nur noch ein bisschen schneller. Er will nichts weniger als eine Atommacht sein, weil dies aus seiner Sicht seine einzige Überlebensstrategie ist. Nur als Atomstaat kann sich Nordkorea vor Angriffen aus den USA schützen.

Aus diesem Kalkül der nuklearen Abschreckung hat Kim Jong Un niemals ein Hehl gemacht. Wer ihn als unberechenbar beschimpft, ärgert sich vielleicht über das immer wieder überraschende Timing. Aber Ziel und Stoßrichtung der nordkoreanischen Politik sind schon lange klar. Solange Amerikaner und Südkoreaner Jahr für Jahr in ihren Grenzmanövern den Ernstfall üben, wird sich daran auch nichts ändern.

Falken im Norden und Süden tragen große Schuld

Vielleicht hätte es gar nicht so weit kommen müssen, wenn der auf Ausgleich setzende Präsident Südkoreas früher eine Chance gehabt hätte. Erst vor wenigen Wochen gab der Geheimdienst Südkoreas zu, die Ergebnisse der Präsidentschaftswahlen vor vier Jahren gefälscht zu haben.

Statt des klugen Herrn Moon wurde damals die ultrarechte Frau Park zur Wahlsiegerin erklärt. Sie war es, die alle Brücken in den Norden abbrach und mit der US-Regierung ein massives Aufrüstungsprogramm gegen Nordkorea vereinbarte. Die Falken im Norden und im Süden tragen große Schuld an der verfahrenen Situation.

Kim wird Plan zügig fortsetzen

Nun scheinen alle Kompromisse obsolet. Solange jene Kräfte, die den Diktator in Pjöngjang in die Schranken weisen wollen, nicht mehr im Köcher haben als unwirksame Sanktionen und empörte Drohungen, wird Kim seine Atompolitik zügig fortsetzen. Solange China und Russland, die USA, Südkorea und Japan kein gemeinsames Angebot machen, weil sie in Wahrheit untereinander zerstritten sind, hat Nordkorea beste Chancen, binnen weniger Jahre als neunte Atommacht der Erde anerkannt zu werden.

Ob das wirklich so schlimm wäre, ist eine interessante Frage. Vielleicht ärgert sich die Weltgemeinschaft gar nicht so sehr über die Tatsache an sich, als über die kindliche Freude, mit der der jüngste Diktator der Welt lachend in die Hände klatscht, wenn er mal wieder mal wieder mit dem Feuer spielt.

Kim kümmert nichts - außer seiner Sicherheit
J. Hanefeld, ARD Tokio
03.09.2017 16:27 Uhr

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Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk Kultur am 03. September 2017 um 17:09 Uhr.

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