Amsterdam: Linienrichter nach Prügelattacke gestorben

Gewalt im niederländischen Jugendfußball

Linienrichter nach Prügelattacke gestorben

In den Niederlanden ist ein 41-jähriger Linienrichter nach einer Prügelattacke bei einem Jugendfußballspiel gestorben. Drei Jugendliche wurden in Amsterdam wegen des Verdachts der schweren Körperverletzung festgenommen. Sie sollen den Mann gegen den Kopf geschlagen und getreten haben.

Von Ludger Kazmierczak, ARD-Hörfunkstudio Den Haag

Das Opfer der Prügelattacke war ehrenamtlicher Linienrichter des niederländischen Amateurclubs SC Buitenboys (Bildquelle: dpa)
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Das Opfer der Prügelattacke war ehrenamtlicher Linienrichter des Amateurclubs SC Buitenboys

Marcel Oost war nicht dabei, als es passierte. Doch der Vorsitzende des Amateurclubs SC Buitenboys aus Almere hat sich von Vereinskameraden schildern lassen, wie am vergangenen Wochenende ein scheinbar unbedeutendes B-Jugendspiel eskalierte. "Es ist schrecklich. Niemand möchte so etwas miterleben. Du kommst hier vorbei, um ein paar 15- und 16-Jährigen beim Fußballspielen zuzuschauen, und dann passiert so etwas. Das ist nicht zu fassen", sagt Oost.

Das Opfer war ehrenamtlicher Linienrichter

2:2 unentschieden endet die Partie zwischen der B3-Jugend aus Almere und der ersten B-Jugendmannschaft von Nieuw Sloten Amsterdam. Direkt nach dem Schlusspfiff stürmen einige Spieler der Gastmannschaft auf Richard Nieuwenhuizen zu. Er ist Vater eines Buitenboys-Aktiven und hatte während des Spiels den Part des Linienrichters übernommen. "Das machte er jede Woche. Er hatte Spaß daran. Ein echter Fußballfan. Er war immer hier", so Oost.

Tod eines Linienrichters in den Niederlanden
L. Kazmierczak, ARD Den Haag
04.12.2012 09:26 Uhr

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In Höhe der Eckfahne wird der 41-Jährige getreten und geschlagen, kann zunächst aber flüchten. Doch mindestens drei Jugendliche verfolgen Nieuwenhuizen, holen ihn ein und prügeln ihn nieder. Mehrfach sollen die Amsterdamer Spieler dabei auch gegen den Kopf ihres Opfers getreten haben.

Doch der dreifache Familienvater rappelt sich wieder auf und kehrt zurück ins Clubhaus. Dort wird er einige Stunden später ohnmächtig, muss mit dem Notarztwagen ins Krankenhaus gebracht werden. Die Ärzte konstatieren schwere Verletzungen im Gehirn. Gestern um 17:30 Uhr erreichte Almeres Vereinschef Oost die Nachricht vom Tod des beliebten Clubmitgliedes: "Wir wussten, dass es schlecht um ihn bestellt war. Tja, und jetzt? Mir fehlen die Worte. Ich sage lieber nichts. Das macht mich fertig."

Drei Tatverdächtige festgenommen

Am Morgen nach dem Gewaltexzess nahm die Polizei drei Tatverdächtige in Amsterdam fest: Zwei 15-Jährige und einen 16-Jährigen. Sie sollen noch in dieser Woche dem Haftrichter vorgeführt werden. Die Behörden schließen nicht aus, dass im Zuge der Ermittlungen weitere Personen festgenommen werden – Jugendliche, ja Kinder.

Immer wieder kommt es im niederländischen Amateur- und Jugendfußball zu schweren Ausschreitungen. Allein im vergangenen Jahr sperrte der Fußballverband KNVB fast 280 seiner Mitglieder - 74 davon lebenslang.

Linienrichter von Jugendlichen zu Tode geprügelt
ARD-Morgenmagazin 06:30 Uhr, 05.12.2012, Christian Feld, ARD Brüssel

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32.000 bis 33.000 Spiele am Wochenende

Verbandssprecher Rob de Leede ist dennoch bemüht, den Fall aus Almere nicht aufzubauschen. "Wir haben 32.000 bis 33.000 Spiele am Wochenende. Sie können sich vorstellen, dass sich da hier und da mal jemand daneben benimmt, aber alles in allem haben wir die Lage unter Kontrolle. Wir haben die Sache im Griff beim KNVB."

Seit dem vergangenen Jahr können Hooligans und gewaltbereite Spieler, Trainer oder Zuschauer härter bestraft werden. Die neuen Sanktionsmöglichkeiten sollten abschreckende Wirkung zeigen. Im niederländischen Jugendfußball ist diese Botschaft offenbar nicht überall angekommen.

Stand: 04.12.2012 09:42 Uhr

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