Bericht über Brandstiftung Saß Amri in Italien im Gefängnis?

Stand: 21.12.2016 22:53 Uhr

Der Tunesier Anis Amri saß offenbar mehrere Jahre in einem italienischen Gefängnis bevor er nach Deutschland kam. Das berichtet die "La Repubblica". Und auch in seiner Heimat soll er Ärger mit der Justiz gehabt haben.

Von Jan-Christoph Kitzler, ARD-Studio Rom

Die italienische Zeitung "La Repubblica" berichtet, der Tunesier Anis Amri sei 2011 in Italien angekommen und zuerst im Aufnahmezentrum der Insel Lampedusa untergebracht gewesen. Dort habe er zu der Gruppe von Bewohnern gehört, die aus Protest über die Unterbringung am 19. September 2011 ein Feuer gelegt hätten.

Aufnahmezentrum für Flüchtlinge auf Lampedusa
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Mehrfach gab es Proteste gegen die Unterbringungssituation auf Lampedusa. (Archiv)

Danach sei Amri zuerst nach Catania, dann nach Palermo gebracht worden wo er eine vierjährige Haftstrafe wegen Brandstiftung abgesessen habe. Demnach sollte er nach Tunesien abgeschoben werden, was dort jedoch abgelehnt wurde.

Urteil in Abwesenheit

Der Vater Amris sagte dem tunesischen Radiosender "Mosaique FM", sein Sohn habe Tunesien vor etwa sieben Jahren verlassen. Er sei illegal nach Italien gereist. Seit mehr als einem Jahr sei er in Deutschland.

Der Radiosender berichtet weiter, dass Amri auch in Tunesien mit dem Gesetz in Konflikt gekommen sei. Unter anderem wurde er in Abwesenheit wegen schweren Raubes zu fünf Jahren Haft verurteilt.

Viele Tunesier unter Dschihadisten

Die Sicherheitsbehörden versuchen nun zu klären, ob Amri in Tunesien Kontakt mit der Terrororganisation "Islamischer Staat" hatte.

Das amerikanische Zentrum für Strategische und Internationale Studien (CSIC) hatte im Sommer veröffentlicht, dass die meisten ausländischen Dschihadisten, die sich islamistischen Terrorgruppen in Syrien und im Irak angeschlossen haben, aus Tunesien kommen. Offenbar haben sich dort viele junge Muslime radikalisiert. Ob auch Anis Amri dazugehört, ist zur Stunde noch unklar.

Gesuchter Tunesier saß in Italien im Gefängnis
J. Kitzler, ARD Rom
21.12.2016 22:31 Uhr

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Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 21. Dezember 2016 um 22:00 Uhr

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