Die Tür des Büros der Menschenrechtsorganisation in Moskau ist mit einem Siegel der Stadtbehörde versehen.  | Bildquelle: REUTERS

Menschenrechtsorganisation in Russland Amnesty-Büro in Moskau abgeriegelt

Stand: 02.11.2016 15:02 Uhr

Die Geschäftsstelle von Amnesty International in Moskau ist von russischen Behörden über Nacht versiegelt worden. Der Kreml-Sprecher weiß von nichts.

Russische Behörden haben über Nacht das Amnesty International Büro in Moskau abgeriegelt und die Stromversorgung gekappt - ohne Vorankündigung. Die Angestellten der Menschenrechtsorganisation hätte am Morgen die Tür zum Büro aufbrechen müssen. Die Tür sei mit neuen Schlössern versehen worden, sagte Sergei Nikitin, der Russland-Chef von Amnesty International.

Kein Anschluss unter angegebener Telefonnummer

Sergei Niktin
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Sergei Nikitin ist Chef von Amnesty International in Russland, sein Büro wurde Opfer der jüngsten Razzia.

Fotos zeigen die verriegelte Tür mit einer offiziellen Mitteilung der Moskauer Behörden. Die Botschaft: Die Räumlichkeiten gehörten der Russischen Föderation, die Organisation sollte sich an die Stadtverwaltung von Moskau richten, um weitere Informationen zu erhalten. Unter der auf dem Siegel angegebenen Telefonnummer melde sich niemand, berichtete ein Moskauer Mitarbeiter von Amnesty International. Das Büro der Nichtregierungsorganisation befinde sich seit 20 Jahren in Moskau.

Kreml-Sprecher weiß von nichts

Kreml-Sprecher Dmitri Peskow sagte, ihm lägen "keine Informationen" zu der Schließung des Amnesty-Büros vor. Peskow höre "zum ersten Mal" von der Angelegenheit.

Nichtregierungsorganisationen sind in Russland scharfen Kontrollen unterworfen: Sobald sie aus dem Ausland finanziert werden und eine "politische Aktivität" entfalten, müssen sie sich als "ausländische Agenten" registrieren lassen. Im Mai 2016 wurde zudem ein Gesetz beschlossen, nach dem ausländische Organisationen ohne Gerichtsentscheid geschlossen werden können, wenn sie die "nationale Sicherheit" Russlands gefährdeten.

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 02. November 2016 um 14:00 Uhr

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