FARC-Kämpfer legt seine Waffe nieder, Bild vom 28.02.2017 | Bildquelle: dpa

Friedensprozess in Kolumbien Amnestie für mehr als 3200 FARC-Kämpfer

Stand: 11.07.2017 09:05 Uhr

Nächster Schritt im kolumbianischen Friedensprozess. Präsident Santos gewährte zahlreichen Mitgliedern der Rebellengruppe FARC per Dekret Amnestie für politische Straftaten. Der UN-Sicherheitsrat brachte derweil eine neue Friedensmission für das Land auf den Weg.

Die kolumbianische Regierung hat insgesamt 3252 FARC-Kämpfern Amnestie für politische Straftaten gewährt. Präsident Juan Manuel Santos unterschrieb ein entsprechendes Dekret. Die Amnestie gilt nur für FARC-Mitglieder, die sich in bestimmten Schutzzonen aufhalten. Inhaftierte Kämpfer sind ausgenommen.

Damit wurden seit der Verabschiedung des Amnestiegesetzes Ende Dezember die rechtliche Situation von rund 7400 Rebellen geklärt, so Justizminister Enrique Gil Botero. Die Amnestie kann per Dekret oder auf juristischem Weg ausgesprochen werden. Ausgenommen sind schwere Straftaten wie Kriegsverbrechen, Völkermord oder Vergewaltigungen.

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Kolumbiens blutiger Konflikt

Marcos Calarca, Jairo Martinez und Alberto Martinez (alle COL/FARC Negotiating Committee)

1964 begann der Krieg zwischen dem kolumbianischen Staat und der FARC. Die FARC hatte im Kampf gegen Großgrundbesitzer und die Regierung zu den Waffen gegriffen. Grund für den Konflikt ist soziale Ungleichheit und eine ungerechte Landverteilung. | Bildquelle: imago stock&people

Neue UN-Mission

Das Gesetz ist Teil des Friedensabkommen zwischen kolumbianischer Regierung und FARC-Rebellen. Es wurde in einem Zeitraum von über vier Jahren ausgehandelt und beendete einen Bürgerkrieg zwischen der Regierung, mehreren Rebellengruppen und paramilitärischen Todesschwadronen seit den 1960er-Jahren. Dieser längste Konflikt Lateinamerikas kostete mindestens 250.000 Menschen das Leben. 60.000 weitere gelten als vermisst, mehr als sieben Millionen Menschen wurden aus ihrer Heimat vertrieben.

Zuletzt hatte die FARC der Regierung jedoch mangelnden politischen Willen vorgeworfen, das Friedensabkommen auch wirklich umzusetzen. Inhaftierte FARC-Rebellen protestierten seit rund zwei Wochen mit einem Hungerstreik gegen angebliche Verzögerungen und forderten die Freilassung ihrer Kameraden.

Der Friedensprozess wird durch Beobachter der Vereinten Nationen begleitet. Zu diesem Zweck genehmigte der UN-Sicherheitsrat einstimmig einen weiteren Einsatz in Kolumbien. Die Mission soll ehemaligen Rebellen bei der Wiedereingliederung in die kolumbianische Gesellschaft helfen. Dies sei die dringlichste Aufgabe, nachdem die Aufständischen ihre letzten Waffen niedergelegt haben, heißt es in der entsprechenden Resolution.

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 10. Juli 2017 um 22:00 Uhr in den Nachrichten.

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