Sicherheitskräfte vor der israelischen Botschaft in Amman, Jordanien. | Bildquelle: AFP

Nach Streit mit Jordanien Botschaftsmitarbeiter zurück in Israel

Stand: 24.07.2017 22:51 Uhr

Die Krise zwischen Israel und Jordanien ist zunächst entschärft. Der von jordanischen Behörden festgehaltene israelische Botschaftsmitarbeiter ist wieder frei. Dennoch schwelt der Konflikt um den Tempelberg weiter. König Abdullah stellte Forderungen.

Ein bei einem tödlichen Zwischenfall auf dem Gelände der israelischen Botschaft in Amman verletzter Wachmann ist am späten Abend nach Israel zurückgekehrt. Er habe mit einer Botschaftsdelegation den Allenby-Grenzübergang zwischen Jordanien und dem Westjordanland passiert. Das teilte das Büro des israelischen Ministerpräsidenten Benjamin Netanyahu mit.

Zuvor hatte Netanyahu mit dem Botschaftsmitarbeiter telefoniert. Er versprach ihm in dem Gespräch, dass man ihn zurückhole. "Der jordanische Botschafter in Israel ist heute Früh ins Innenministerium zu einem Gespräch gekommen", sagte Netanyahu. "Wir haben ihn gebeten, uns zu helfen. Wir führen diese Kontakte mit einem Ziel: Diesen Vorfall zu beenden und unsere Leute zurück ins Land zu bringen."

Angriff mit einem Schraubendreher

Ein jordanischer Arbeiter hatte den Wachmann gestern in einer Wohnanlage neben der Botschaft mit einem Schraubendreher angegriffen und verletzt, wie das Außenministerium in Jerusalem mitteilte. Der Israeli habe daraufhin in Selbstverteidigung den Angreifer erschossen und auch den unbeteiligten jordanischen Vermieter versehentlich tödlich verletzt. Jordanien hatte nach Medienberichten eine Befragung des Wachmanns gefordert, Israel lehnte dies jedoch unter Berufung auf seine diplomatische Immunität ab.

Der Vorfall belastete die Beziehungen zwischen Israel und Jordanien stark. Das Verhältnis zwischen den beiden Ländern ist eigentlich verhältnismäßig gut. Israel und Jordanien haben 1994 einen Friedensvertrag geschlossen.

Abdullah drängt auf Lösung in Tempelberg-Krise

Die jordanische Nachrichtenagentur Petra berichtete, König Abdullah II. habe bei einem Telefonat mit Netanyahu über die jüngste Tempelberg-Krise gesprochen. Der Monarch habe auf eine sofortige Lösung gedrängt. Die von Israel getroffenen Maßnahmen müssten rückgängig gemacht und der Tempelberg frei für Betende zugänglich sein, forderte der König Jordaniens. Das Land ist Hüter der heiligen Stätte in der Jerusalemer Altstadt.

Sicherheitskräfte bei der israelischen Botschaft in Amman | Bildquelle: AFP
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Ein jordanischer Jugendlicher hatte den Mitarbeiter der israelischen Botschaft in dessen Wohnung in Amman mit einem Schraubenzieher angegriffen.

Nach einem tödlichen Anschlag auf Polizisten vor zehn Tagen hatte Israel Metalldetektoren am Tempelberg installiert. Dies löste blutige Unruhen aus, bei denen vier Palästinenser getötet und Hunderte verletzt wurden. Bei einem Anschlag im Westjordanland wurden drei Mitglieder einer israelischen Siedlerfamilie getötet.

Vorwürfe gegen Premier Netanyahu

In Israel gibt es eine Debatte, ob sich die Regierung von Netanyahu in den vergangenen Tagen richtig verhalten hat. Deutliche Kritik kam vom neuen Vorsitzenden der Arbeitspartei, Avi Gabbay. "Wir werden einen Misstrauensantrag stellen. Auch wenn die Spannungen in unserem Umfeld auf der höchsten Stufe sind: Wir dürfen uns nicht verstellen. Wir müssen die Wahrheit sagen."

Gabbay wirft Netanyahu vor, er führe den Staat nicht sachlich. "Er hört weder auf den Inlandsgeheimdienst noch auf andere Sicherheitsbeamte, und daher vertrauen ihm immer weniger Israelis", so Gabbay. "Diese Metalldetektoren verwandeln vor unseren Augen einen nationalen Konflikt in einen religiösen Konflikt." Gabbay wendete sich öffentlich an Netanyahu. Er sagte, so leite man kein Land, "und so leitet man auch nicht die Sicherheit des Landes, ganz gleich wieviel Jahre Erfahrung Sie mitbringen".

Israelische Grenzpolizisten bewachen an einer Schleuse mit Überwachungskameras und Metalldetektoren den Eingang zum Tempelberg. | Bildquelle: dpa
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Israelische Grenzpolizisten in Jerusalem bewachen an einer Schleuse mit Überwachungskameras und Metalldetektoren den Eingang zum Tempelberg.

Möglicherweise Kompromiss

Bisher wollte keine der Konfliktparteien im Streit um die Sicherheitsmaßnahmen nachgeben. Laut Medienberichten könnte sich aber nun ein Kompromiss abzeichnen. So soll sich der Chef der Polizei von Jerusalem, Yoram Halevi, mit einem Vertreter der islamischen Stiftung getroffen haben.

Ein früherer Mufti von Jerusalem äußerte sich im Fernsehsender Al-Arabia. "Ich sage voraus, dass die Metalldetektoren bald entfernt werden. Wir schauen uns an, ob sie durch Kameras ersetzt werden können. Wir haben den Anwalt unserer Stiftung beauftragt, sich mit der Polizei zu treffen."

Eigentlich wollte sich das israelische Sicherheitskabinett in der Nacht zum Montag um eine Lösung der Krise bemühen. Wegen der Vorfälle in Jordanien wurde eine Entscheidung jedoch aufgeschoben. Das Sicherheitskabinett will sich am Montagabend erneut treffen.

Mit Informationen von Benjamin Hammer, ARD-Studio Tel Aviv

Über dieses Thema berichtete Inforadio am 24. Juli 2017 um 13:51 Uhr.

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