Sicherheitskräfte vor der israelischen Botschaft in Amman, Jordanien. | Bildquelle: AFP

Streit mit Jordanien Israel fordert Botschaftsmitarbeiter zurück

Stand: 24.07.2017 22:12 Uhr

Nach dem Tod von zwei Jordaniern durch einen Botschaftmitarbeiter Israels in Amman streiten die Regierungen beider Länder. Jordanien verweigert dem Israeli die Ausreise. Israel besteht auf Immunität. Premier Netanyahu gerät derweil zu Hause unter Druck.

Benjamin Hammer, ARD-Studio Tel Aviv

Israel will seinen Sicherheitsbeamten, der zurzeit von den jordanischen Behörden festgehalten wird, so schnell wie möglich nach Hause bringen. Premierminister Benjamin Netanyahu sagte, er habe mit dem Botschaftsmitarbeiter telefoniert. Er habe ihm versprochen, dass man ihn zurückhole. "Der jordanische Botschafter in Israel ist heute Früh ins Innenministerium zu einem Gespräch gekommen", sagte Netanyahu. "Wir haben ihn gebeten, uns zu helfen. Wir führen diese Kontakte mit einem Ziel: Diesen Vorfall zu beenden und unsere Leute zurück ins Land zu bringen."

Nach israelischen Medienberichten prüft die israelische Regierung, alle Botschaftsmitarbeiter aus der jordanischen Hauptstadt Amman abzuziehen. Sie begründet das mit der angespannten Sicherheitslage. Den Sicherheitsbeamten werde man aber auf keinen Fall zurücklassen.

Mit einem Schraubenzieher angegriffen

Ein jordanischer Jugendlicher hatte den Mitarbeiter der israelischen Botschaft in dessen Wohnung in Amman mit einem Schraubenzieher angegriffen. Der Israeli erschoss daraufhin den Angreifer. Offenbar wurde dabei auch ein weiterer anwesender Jordanier von Kugeln getroffen und getötet.

Jordanien besteht darauf, den Vorfall aufzuklären und verweigert dem Israeli die Ausreise. Israel besteht auf diplomatische Immunität. Die Beziehungen zwischen den beiden Ländern sind eigentlich verhältnismäßig gut. Israel und Jordanien haben 1994 einen Friedensvertrag geschlossen.

Sicherheitskräfte bei der israelischen Botschaft in Amman | Bildquelle: AFP
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Ein jordanischer Jugendlicher hatte den Mitarbeiter der israelischen Botschaft in dessen Wohnung in Amman mit einem Schraubenzieher angegriffen.

Eigentlich verhältnismäßig gute Beziehungen

Die Verwaltung des Tempelberges in Ostjerusalem, der im Zentrum der aktuellen Konflikte zwischen Israel und den Palästinensern steht, obliegt einer islamischen Stiftung aus Jordanien. Vor zehn Tagen hatten arabische Israelis bei einem Anschlag zwei israelische Polizisten vor einem Aufgang zum Tempelberg in Ostjerusalem erschossen. Israel reagierte und installierte auch vor den Eingängen für Muslime Metalldetektoren. Die Palästinenser weigern sich seitdem, das Areal zu betreten.

In den vergangenen Tagen kam es zu schweren Ausschreitungen. Dabei kamen vier Palästinenser ums Leben. Bei einem Anschlag auf eine Familie in einer israelischen Siedlung tötete ein Palästinenser drei Israelis.

Vorwürfe gegen Premier Netanyahu

In Israel gibt es eine Debatte, ob sich die Regierung von Netanyahu in den vergangenen Tagen richtig verhalten hat. Deutliche Kritik kam vom neuen Vorsitzenden der Arbeitspartei, Avi Gabbay. "Wir werden einen Misstrauensantrag stellen. Auch wenn die Spannungen in unserem Umfeld auf der höchsten Stufe sind: Wir dürfen uns nicht verstellen. Wir müssen die Wahrheit sagen."

Israelische Grenzpolizisten bewachen an einer Schleuse mit Überwachungskameras und Metalldetektoren den Eingang zum Tempelberg. | Bildquelle: dpa
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Israelische Grenzpolizisten in Jerusalem bewachen an einer Schleuse mit Überwachungskameras und Metalldetektoren den Eingang zum Tempelberg.

Gabbay wirft Netanyahu vor, er führe den Staat nicht sachlich. "Er hört weder auf den Inlandsgeheimdienst noch auf andere Sicherheitsbeamte, und daher vertrauen ihm immer weniger Israelis", so Gabbay. "Diese Metalldetektoren verwandeln vor unseren Augen einen nationalen Konflikt in einen religiösen Konflikt." Gabbay wendete sich öffentlich an Netanyahu. Er sagte, so leite man kein Land, "und so leitet man auch nicht die Sicherheit des Landes, ganz gleich wieviel Jahre Erfahrung Sie mitbringen".

Möglicherweise Kompromiss

Bisher wollte keine der Konfliktparteien im Streit um die Sicherheitsmaßnahmen nachgeben. Laut Medienberichten könnte sich aber nun ein Kompromiss abzeichnen. So soll sich der Chef der Polizei von Jerusalem, Yoram Halevi, mit einem Vertreter der islamischen Stiftung getroffen haben.

Ein früherer Mufti von Jerusalem äußerte sich im Fernsehsender Al-Arabia. "Ich sage voraus, dass die Metalldetektoren bald entfernt werden. Wir schauen uns an, ob sie durch Kameras ersetzt werden können. Wir haben den Anwalt unserer Stiftung beauftragt, sich mit der Polizei zu treffen."

Eigentlich wollte sich das israelische Sicherheitskabinett in der Nacht zum Montag um eine Lösung der Krise bemühen. Wegen der Vorfälle in Jordanien wurde eine Entscheidung jedoch aufgeschoben. Das Sicherheitskabinett will sich am Montagabend erneut treffen.

Tempelberg: Israel auf der Suche nach einer Beilegung der Krise
Benjamin Hammer, ARD Tel Aviv
24.07.2017 21:29 Uhr

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Über dieses Thema berichtete Inforadio am 24. Juli 2017 um 13:51 Uhr.

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