Eine Polizistin spricht in Seattle mit einem Mann und trägt dabei eine Kamera, die ihren Einsatz aufzeichnet. | Bildquelle: AP

Amazon-Gesichtserkennung Überwachungstechnik für die US-Polizei?

Stand: 23.05.2018 11:56 Uhr

Ein Gesicht unter Millionen wiedererkennen - so wirbt Amazon für seine Gesichtserkennung "Rekognition". US-Bürgerrechtler sehen eine Gefahr für die Demokratie, vor allem weil auch die Polizei die Software nutze.

Der Online-Riese Amazon steht wegen seiner Gesichtserkennungssoftware "Rekognition" zunehmend in der Kritik. Mehrere US-Bürgerrechtsorganisationen befürchten, dass mithilfe des Programms eine Art Überwachungsstaat aufgebaut werden könnte.

Konkret erhebt die Organisation ACLU (American Civil Liberties Union) den Vorwurf, dass Polizeibehörden in mehreren US-Bundesstaaten die Gesichtserkennung bereits nutzen würden. Mithilfe des Programms hätte die Polizei etwa die Möglichkeit, Einwanderer gezielt und dauerhaft zu verfolgen oder Teilnehmer einer Demonstration anhand der Aufnahmen von sogenannten Bodycams von Polizisten zu identifizieren. Aus Sicht der Bürgerrechtler ein klarer Verstoß gegen Grundrechte: beispielsweise den Schutz der Privatsphäre oder das Versammlungsrecht.

"Auf Missbrauch angelegt"

In einem offenen Brief an Amazon-Chef Jeff Bezos, den insgesamt mehr als 30 Organisationen unterzeichnet haben, darunter etwa Human Rights Watch, warnt Nicole Ozer von ACLU, die Anleitungen zu der Software glichen einer "Gebrauchsanweisung für autoritäre Überwachung". "Rekognition" sei regelrecht auf den "Missbrauch durch die Regierung angelegt".

"Wenn ein gefährliches Überwachungssystem wie dieses erst einmal gegen die Öffentlichkeit gerichtet ist, kann der Schaden nicht ungeschehen gemacht werden." 

ACLU hat zudem eine Petition im Netz gestartet, um die Nutzung von "Rekognition" durch Behörden zu stoppen.

Amazon verteidigt Software

Amazon selbst hatte die "zeitnahe und präzise Verbrechensprävention" als einen Vorteil von "Rekogniton" angepriesen und eingeräumt, dass die Software bereits in mindestens einem Polizeibüro getestet wurde. Laut dem Unternehmen hätte dabei die Zeit, in der Verdächtige identifiziert werden konnten, von mehreren Tagen auf ein paar Minuten gesenkt werden können. "Unsere Lebensqualität wäre heute viel niedriger, wenn wir neue Technologie verbieten würden, weil einige Leute sie missbrauchen könnten", verteidigt der Konzern seine Software. Neben Amazon stellen auch andere Internetunternehmen Behörden ähnliche Erkennungsprogramme zur Verfügung.

Doch der Internetkonzern rückt im Werben für seine Gesichtserkennung nicht die mögliche Nutzung durch Behörden in den Vordergrund. "Rekognition" biete die Chance der "Gesichtserkennung in Echtzeit über mehrere zehn Millionen Gesichter und die Suche von bis zu 100 Gesichtern in anspruchsvollen, überfüllten Fotos". Auch Objekte, wie etwa Fahrzeuge, könnte "Rekognition" auf Bildern wiedererkennen. So könne das Programm etwa bei der Suche nach Vermissten eingesetzt werden.

Darstellung: