Seitenueberschrift

IRENA-Konferenz in Abu Dhabi

Energiewende als Exportschlager?

Deutschland sucht Mitstreiter für seine Energiewende. Umweltminister Altmaier will deshalb auf der Konferenz der Agentur für erneuerbare Energien in Abu Dhabi für einen "Klub der Energiewendestaaten" werben. Davon soll auch die deutsche Wirtschaft profitieren.

Von Werner Eckert, SWR-Hörfunk, zzt. in Abu Dhabi

In Peking kann man die Zukunft besichtigen: Wenn die Wirtschaft weiter mit Kohle und Öl betrieben wird, dann bleibt den Menschen buchstäblich keine Luft mehr zum Atmen. Sie werden krank und sterben.

Bundesumweltminister Peter Altmaier sagt, diese Schäden und die Kosten, die sie verursachten, seien in den Energiepreisen momentan nicht enthalten: "Wir haben in der Vergangenheit in allen Ländern der Welt preiswerte Energie zu Lasten der Umwelt produziert", lautet seine Bilanz. "Das geht angesichts des enormen weltwirtschaftlichen Wachstums nicht auf ewige Zeiten. Deshalb müssen wir die Energieversorgung so organisieren, dass sie umweltverträglich und wettbewerbsfähig ist."

Altmaier will Club der Energiewendestaaten gründen
W. Eckert, SWR
14.01.2013 11:51 Uhr

Download der Audiodatei

Wir bieten dieses Audio in folgenden Formaten zum Download an:

Hinweis: Falls die Audiodatei beim Klicken nicht automatisch gespeichert wird, können Sie mit der rechten Maustaste klicken und "Ziel speichern unter ..." auswählen.

Öl und Gas stellen langfristig den Wohlstand infrage

Erneuerbare Energien, so wirbt er, kosteten zwar am Anfang viel. Sie helfen aber auf Dauer zu sparen. Steigende Preise für Kohle, Öl und Gas dagegen stellten den Wohlstand langfristig in Frage. Das sei - mehr noch als für Deutschland - für viele Entwicklungsländer eine Gefahr.

Bundesumweltminister Peter Altmaier
galerie

Altmaier wirbt für die langfristigen Vorteile erneuerbarer Energien.

UN-Generalsekretär Ban Ki Moon hatte deshalb im September 2011 eine Initiative gestartet, den Anteil der erneuerbaren Energien an der Versorgung weltweit auf dann 30 Prozent zu verdoppeln. Die Internationale Agentur für Erneuerbare Energien (IRENA) versucht das zu organisieren. 160 Länder sind Mitglied, 136 davon bei der Vollversammlung in Abu Dhabi vertreten. Und das sind zu viele, um schnelle Fortschritte zu erreichen.

Eine Chance für die deutsche Solarbranche?

Deshalb will Altmaier einen Klub von Vorreitern gründen. "Wir wollen dazu beitragen, dass es eine größere politische Aufmerksamkeit der Weltöffentlichkeit für Fragen der erneuerbaren Energien gibt. Wir wollen erreichen, dass neue Märkte schneller entstehen", zählt er auf. "Wir wollen erreichen, dass in anderen Ländern Fehler vermieden werden, die wir in Deutschland in den letzten Jahren gemacht haben. All das wird IRENA zu gute kommen, das wird aber auch der Energiewende insgesamt helfen."

Am Abend wird Altmaier die Idee mit Ministern von mehreren Staaten besprechen. Darunter sind China und Südafrika als wichtige Schwellenländer, Dänemark, Großbritannien und Frankreich, aber auch kleine Insel-Staaten wie Tonga. Der Minister denkt dabei auch an die deutsche Wirtschaft: Sie könne mit erneuerbaren Energien Geld verdienen, selbst die darbende Solarbranche.

Vorbild Luftfahrtbranche

Strommast vor Windrad
galerie

Der Anteil erneuerbarer Energien an der weltweiten Versorgung soll verdoppelt werden.

Altmaier fordert sie zu einem europäischen Zusammenschluss auf - ähnlich wie es die Luftfahrtbranche mit dem Airbus-Konsortium vorgemacht hat: "Unser Ziel ist es, dass sich die europäischen Solarproduzenten stärker zusammenschließen. Dass wir eine Art Konsortial-Lösung bekommen, die es uns erlaubt, auf den internationalen Märkten geschlossen aufzutreten und zu agieren", wirbt Altmaier. "Ich bin überzeugt, dass wir dann auch Chancen haben - etwa im Vergleich auch mit Anbietern aus Asien -, weil wir vielleicht nicht die billigsten Module liefern, aber die besten Systemlösungen anzubieten haben."

IRENA-Direktor Adnan Amin begrüßt den deutschen Vorstoß für einen Energiewende-Klub ausdrücklich. Und auch der energiepolitische Sprecher der grünen Bundestagsfraktion, Hans Josef Fell, lobt die Idee von Altmaier in Abu Dhabi: "Es ist ein neuer Versuch, mit Vorreiternationen über erneuerbare Energien Klimaschutz und auch Versorgungssicherheit, Unabhängigkeit von fossilen Rohstoffen zu organisieren", sagt er. "Ich wünsche ihm viel Erfolg dazu. Es könnte eine wirklich gute Aktion werden."

Dieser Beitrag lief am 14. Januar 2013 um 12:25 Uhr bei Deutschlandradio Kultur.

Stand: 14.01.2013 12:41 Uhr

Ihre Meinung - meta.tagesschau.de

28 Kommentare zur Meldung. Kommentierung der Meldung beendet.

Schlagwörter der Meldung:
Darstellung: