Die Gewinner des Alternativen Nobelpreises: Colin Gonsalves, Yetnerbesh Nigussie, Robert Bilott - und ein Vertreter von Khadidja Ismayilova, die nicht ausreisen durfte (von links nach rechts). | Bildquelle: AFP

Alternative Nobelpreise verliehen Gegen die Überheblichkeit der Macht

Stand: 02.12.2017 00:40 Uhr

Mit dem Alternativen Nobelpreis werden Menschen ausgezeichnet, die sich für Menschenrechte, Umwelt und Frieden einsetzen. Verliehen wurden sie am Abend an einem symbolträchtigen Ort. Doch nicht alle Preisträger durften dorthin reisen.

Von Carsten Schmiester, ARD-Studio Stockholm

Der Rahmen war feierlich: Die Preise wurden im Vasa-Museum verliehen - vor der Kulisse des mehr als 300 Jahren alten Kriegsschiffes, von dem nie ein einziger Schuss abgefeuert worden ist. Denn es war bei der Jungfernfahrt noch im Stockholmer Hafen gesunken - eine eindrucksvolle Fehlkonstruktion.

"Trotz aller Gefahren"

Und ein Symbol, das der "Right Livelihood"-Stiftung ins Konzept passt - ein Symbol für die Überheblichkeit der Macht und ihr Scheitern. Seit 1980 zeichnet die Stiftung in bewusster Distanz zu den "richtigen" Nobelpreisen Menschen aus, die aus Sicht der Jury "praktische Lösungen für Kernprobleme dieser Welt" gefunden haben. Auch diesmal wieder, so Jurysprecher Maina Kiai:

"Die Wahrheit zu berichten, die Umwelt zu schützen, für Menschenrechte und soziale Gerechtigkeit zu arbeiten, das alles ist so riskant geworden wie nie zuvor. Unsere Preisträger sind nicht immun gegen diese globale Entwicklung. Sie stehen an der Front im Kampf gegen Korruption und für demokratischere und nachhaltigere Gesellschaften - trotz aller Gefahren."

"Sie bestraft diejenigen, die das alles aufgedeckt haben"

Das gelte besonders für die Journalistin Khadija Ismayilova, die Korruption auf höchster Regierungsebene in ihrer Heimat Aserbaidschan aufgedeckt habe und die gegenwärtig ihr Land nicht verlassen darf. In einem ARD-Online-Interview sagte sie, was sie tue sei "ganz normal". Ihre Arbeit sei nur wegen der Reaktion der aserbaidschanischen Regierung ungewöhnlich. "Anstatt selbst Missmanagement und Bestechung zu untersuchen, bestraft sie diejenigen, die das alles aufgedeckt haben."

Khadija Ismayilova (Archivbild 2016) | Bildquelle: picture alliance / Pacific Press
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Die Journalistin Ismayilova - hier auf einem Bild von 2016 - konnte den Preis nicht persönlich entgegen nehmen. Ihr wurde die Ausreise aus Aserbaidschan verweigert.

Die übrigen Preisträger waren da im Vasa-Museum: Etwa der indische Menschenrechtsanwalt Colin Gonsalves und die Äthiopierin Yetnebersh Nigussie. Sie ist seit dem sechsten Lebensjahr blind und hat in ihrer Heimat unter anderem eine Organisation zur Durchsetzung der Rechte behinderter Menschen gegründet. Sie bedankte sich ganz persönlich:

"Ich glaube, dass diese Auszeichnung das Thema Behinderung anders auf die globale Tagesordnung bringt. Bislang galt es ja als Domäne von Wohltätigkeitsorganisationen. Der 'Right Livelihood'-Preis ist nun aber nicht nur eine Anerkennung für mich, sondern auch die Anerkennung von Behinderungen als Gegenstand von Entwicklungspolitik."

Mit 300.000 Euro dotiert

Der Inder Colin Gonsalves hat den Preis für den von ihm vor dem Obersten Gericht des Landes durchgesetzten Schutz grundlegender Rechte für Menschen am Rande der Gesellschaft bekommen. Dabei ging es unter anderem um das Recht auf Nahrung.

Den nicht dotierten Ehrenpreis erhielt der amerikanische Umweltanwalt Robert Bilott. Er hatte in einem fast 20-jährigen Rechtsstreit gegen den DuPont-Konzern Entschädigungen für etwa 70.000 Menschen erstritten, die chemisch verseuchtes Wasser getrunken hatten und oft schwer erkrankt waren. Der "Right Livelihood Award 2017" ist mit drei Millionen Kronen dotiert, das sind umgerechnet gut 300.000 Euro.

Alternative Nobelpreise verliehen
Carsten Schmiester, ARD Stockholm
01.12.2017 23:59 Uhr

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Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 01. Dezember 2017 um 20:00 Uhr.

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