Österreichischer Baukonzern Alpine ist insolvent

Alpine-Logo (Bildquelle: REUTERS)

Österreichischer Baukonzern Alpine bricht zusammen

Insolvenz mit historischem Ausmaß

Österreichs zweitgrößter Baukonzern Alpine ist pleite - der Schaden beträgt bis zu 2,5 Milliarden Euro. Wieviele der rund 15.000 Mitarbeiter ihre Jobs verlieren, ist noch unklar. Sie hoffen nun auf die Politik - denn im September wird gewählt.

Von Tim Gerrit Köhler, ARD-Hörfunkstudio Wien

24 Stunden können manchmal sehr viel ausmachen. Denn so klang der Chef des österreichischen Baukonzerns Alpine noch gestern: "In Österreich werden wir weiterhin sehr stark am Markt sein. Es gibt viele Kunden, die uns Aufträge geben wollen."

Heute ist von Arnold Schiefer keine Stellungnahme mehr zu bekommen. Er, der seinen Posten erst vor zweieinhalb Monaten angetreten hatte, musste heute vor dem Wiener Handelsgericht Insolvenz anmelden - und zwar eine mit historischem Ausmaß, wie Gerhard Weinhofer vom Gläubigerschutzverband Creditreform sagt: "Die Passiva betragen 2,5 Milliarden Euro. Somit ist das die mit Abstand größte Insolvenz der Zweiten Republik."

Die Allianz-Arena in München (Bildquelle: picture alliance / dpa)
galerie

Auch an der Münchener Allianz-Arena baute Alpine mit.

Österreich steht fassungslos vor den Folgen der Mega-Pleite. Alpine ist nach der Strabag-Holding der zweitgrößte Baukonzern des Landes und beschäftigt rund 15.000 Mitarbeiter, die Hälfte von ihnen im Ausland. Auch in Deutschland ist man mit neun Standorten aktiv, hier baute Alpine unter der anderem die Münchner Allianz-Arena.

Im März gab's noch ein Rettungspaket

Dass es dem Unternehmen aus Salzburg schlecht geht, war schon länger bekannt. Doch dieses Ende hatte niemand erwartet. Erst Anfang März wurde noch ein sogenanntes Rettungspaket geschnürt: Von der spanischen Konzernmutter FCC gab es eine Kapitalspritze, auch die Gläubigerbanken verzichteten auf einen großen Teil ihrer Forderungen. Doch das reichte nicht.

Betriebsrat spricht von hausgemachten Fehlern

Nun ist klar: Alpine hätte weitere Finanzhilfen gebraucht - und weil es die nicht gab, blieb nur der Gang in die Insolvenz. Die Schuld daran sieht Hermann Haneder, der Chef des Alpine-Betriebsrats, vor allem bei der früheren Geschäftsleitung. Die habe zu stark auf das Auslandsgeschäft gesetzt: "Es waren ursprünglich schon sehr hausgemachte Dinge. Dass man sich im Ausland derart verspekuliert, das ist schon ein Management-Fehler."

Ausgebaut - Alpine-Konzern schlittert in die Pleite
T. G. Köhler, ARD Wien
19.06.2013 14:46 Uhr

Download der Audiodatei

Wir bieten dieses Audio in folgenden Formaten zum Download an:

Hinweis: Falls die Audiodatei beim Klicken nicht automatisch gespeichert wird, können Sie mit der rechten Maustaste klicken und "Ziel speichern unter ..." auswählen.

Tatsächlich sind die Zeiten für Bauunternehmen in Europa hart. Wie das EU-Statistikamt Eurostat bekannt gab, lag die Branche im April im Vergleich zum Vorjahresmonat mit knapp sechs Prozent im Minus. In einigen der Auslandsmärkte von Alpine war der Einbruch besonders heftig, etwa in Polen mit 25 und in Slowenien mit 19 Prozent.

Subunternehmer und Lieferanten zittern

Die rund 15.000 Mitarbeiter bangen nun um ihre Jobs. Und nicht nur sie sind betroffen - am Alpine-Schicksal hängen auch viele Arbeitsplätze bei Subunternehmern und Lieferanten, sagt Betriebsratschef Haneder: "Da befürchte ich - und da gibt es Hochrechnungen im Sozialministerium - 500 Firmen, die in Konkurs gehen würden, im Worst-Case-Szenario. Das bedeutet irrsinnig viele Arbeitsplätze. Das sind noch einmal vier- bis fünftausend."

Wie groß die Auswirkungen auf die gesamte Bauwirtschaft sein werden, ist noch nicht abzusehen. Für die Alpine-Mitarbeiter könnte es Auffanggesellschaften geben, doch ein Stellenabbau im großen Umfang scheint unvermeidlich.

Alpine-Pleite als Wahlkampfthema?

Glück im Unglück könnte für die Betroffenen sein, dass in Österreich Ende September ein neues Parlament gewählt wird. Die regierende große Koalition aus SPÖ und ÖVP kann es sich nicht leisten, tatenlos zu bleiben. Und so sagte Sozialminister Rudolf Hundstorfer auch umgehend Hilfe zu: "Der Staat muss einspringen, der Staat wird einspringen. Zum Glück haben wir ja diesen Sozialstaat - und der Sozialstaat wird jetzt helfen. Und der Sozialstaat wird auch alles daran setzen, dass es für die Betroffenen wieder weitergeht mit einer vernünftigen Perspektive."

Die Konkurrenz ist interessiert

Eine solche Perspektive könnte sich zumindest für einige Mitarbeiter durch die Konkurrenz ergeben. Während die Strabag schon abgewinkt hat, bekundet der Baukonzern Porr Interesse an mehreren Unternehmensteilen. Karl-Heinz Strauss, der Generaldirektor der bisherigen Nummer drei im Lande, sagt: "Die Porr ist in Kontakt mit der Alpine-Geschäftsführung. Wir besprechen mehrere Varianten. Ich glaube, dass der Grundkern, der österreichische Kern mit den österreichischen Mitarbeitern, ein sehr solider Kern ist, und wir würden sehr gut zusammenpassen." Bis zu 4500 Mitarbeiter könne man übernehmen, so Strauss - zumindest für die Alpine-Beschäftigten in Österreich also ein kleiner Hoffnungsschimmer.

Dieser Beitrag lief am 19. Juni 2013 um 15:41 Uhr auf NDR Info.

Stand: 20.06.2013 11:15 Uhr

Darstellung: