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Überfall auf BP-Standort in Algerien
Islamisten verschleppen zahlreiche Ausländer
In Algerien haben islamistische Milizen ein Erdgasfeld unter ihre Kontrolle gebracht. Bei dem Angriff auf den Standort des Öl-Konzerns BP im Süden des Landes wurden Agenturberichten zufolge zwei Menschen getötet und zahlreiche Ausländer verschleppt.
Die Berichte über die Anzahl der Geiseln gehen weit auseinander. In lokalen Behördenkreisen war von mindestens acht Geiseln die Rede. Mauretanische Nachrichtenseiten berichten von 41 Verschleppten. Sie berufen sich dabei auf einen vorgeblichen Sprecher der Islamistengruppe, der namentlich nicht genannt wird.
Nach seinen Angaben sind unter den entführten Ausländern sieben US-Bürger sowie Franzosen, Briten und Japaner. Fünf Geiseln würden in der Fabrik festgehalten und 36 weitere in einer Unterkunft, wird der Sprecher zitiert. Algerischen Rundfunkberichten zufolge wurden die einheimischen Arbeiter unter den Geiseln im Laufe des Tages wieder freigelassen.
Geiselnehmer offenbar Islamisten aus Mali
Die Geiselnahme sei eine Reaktion auf die "unverhohlene Einflussnahme Algeriens durch die Gewährung von Überflugrechten für seinen Luftraum für die französische Luftwaffe", so der Sprecher weiter. Frankreichs Armee führt seit Ende vergangener Woche einen Militäreinsatz gegen Islamisten in Algeriens Nachbarland Mali durch.
Spekulationen über die Motive der Entführer
B. Wesel, ARD London
16.01.2013 19:21 Uhr
Die mauretanischen Nachrichtenagentur Ani berichtete, die Geiseln würden von Islamisten unter dem Kommando von Mochtar Belmochtar gefangengehalten, der jahrelang Al-Kaida-Kämpfer in der Sahara angeführt hatte. Ende vergangenen Jahres gründete Belmochtar seine eigene Islamisten-Miliz.
Militär verhandelt mit Islamisten
Die Extremisten hätten bei dem Angriff einen französischen Staatsbürger getötet, teilte das algerische Innenministerium mit. Die staatliche Nachrichtenagentur APS berichtete von einem zweiten Todesopfer, bei dem es sich um einen Briten handeln soll. Sechs weitere Menschen seien verletzt worden.
Die USA bestätigten, dass US-Bürger unter den Geiseln sind. Auch 13 Norweger wurden bei dem Angriff entführt, wie Norwegens Ministerpräsident Jens Stoltenberg mitteilte. Irlands Regierung zufolge ist auch ein Ire unter den Geiseln.
Der Überfall erfolgte am Morgen in der Region von Tiguentourine, rund 40 Kilometer von der Stadt In Amenas entfernt. Die Streitkräfte hätten die Entführer und ihre Geiseln verfolgt und eingekreist, hieß es aus algerischen Sicherheitskreisen.
Freilassung von Islamisten gefordert
Die Geiselnehmer fordern die Freilassung von hundert Islamisten, die in Algerien inhaftiert sind. Das berichtete ein Augenzeuge der Geiselnahme und Angestellter am BP-Standort der Nachrichtenagentur AFP. Algerien lehnt dies ab. Der Innenminister Dahou Ould Kablia sagte, die Behörden würden "nicht auf die Forderungen der Terroristen reagieren und jegliche Verhandlungen zurückweisen". Inzwischen seien Truppen zu dem Gasfeld entsandt worden.
BP sprach in einer in London veröffentlichten Erklärung von einem "Sicherheitsvorfall" auf dem In Amenas Gasfeld nahe der Grenze zu Libyen, das rund 1300 Kilometer von der Hauptstadt Algier entfernt ist. Teile der Gasanlage seien noch immer von Bewaffneten besetzt.
Die Produktionsstätte wird von einem Gemeinschaftsunternehmen betrieben, an dem sich unter anderem BP, die norwegische Statoil und das algerische Staatsunternehmen Sonatrach beteiligen.
Stand: 16.01.2013 20:28 Uhr
