Bewaffnete algerische Polizisten bewachen Lkw mit Migranten auf dem Weg zur Grenze | Bildquelle: AP

Algerien schiebt ab Migranten in der Sahara ausgesetzt?

Stand: 25.06.2018 10:38 Uhr

Algerien schiebt offenbar viele Migranten nach Niger ab. Die Nachrichtenagentur AP berichtet, dass mehr als 13.000 Flüchtlinge ohne Wasser und Essen in der Sahara ausgesetzt worden seien.

Algerien hat offenbar binnen 14 Monaten mehr als 13.000 Migranten in der Sahara ausgesetzt. Sie seien ohne Wasser und Essen ausgewiesen worden, berichtete die Nachrichtenagentur AP unter Berufung auf Augenzeugen. Mobiltelefone und Geld seien ihnen in vielen Fällen abgenommen worden. Die Migranten waren demnach gezwungen, bei Temperaturen von bis zu 48 Grad stunden- oder tagelang zu laufen, um die nächsten bewohnten Orte zu erreichen.

Überlebende berichten von Märschen durch die Wüste

AP stützt seinen Bericht auf Angaben von mehr als zwei Dutzend Flüchtlingen, die die Abschiebungen von Algerien nach Niger und die anschließenden Märsche durch die Wüste überlebten. Demnach waren unter den Abgeschobenen auch schwangere Frauen und Kinder. Fast alle Befragten berichteten, dass sie gesehen hätten, wie Flüchtlinge in der Sahara zusammengebrochen seien. Sie hätten sie nie wiedergesehen.

Manche Migranten erreichten nach einem mehrstündigen Fußmarsch die nächsten Dörfer hinter der Grenze in Niger und Mali. Andere marschierten tagelang, ehe sie gefunden und vor dem drohenden Tod gerettet wurden.

Migranten vor einem Bus in der algerischen Wüste | Bildquelle: AP
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Dieses Bild zeigt laut der Nachrichtenagentur AP, wie Migranten in der algerischen Wüste von Bussen in Lkw umsteigen, um an die Grenze zum Niger transportiert zu werden.

Algerien macht keine Angaben zu Abschiebungen

Algerien bestreitet die Misshandlung von Migranten und veröffentlicht keine Zahlen zu Abschiebungen. Die Aussagen der Augenzeugen werden aber durch mehrere Videos gestützt, auf denen Hunderte Menschen zu sehen sind, die in die offene Wüste stolpern.

Der Internationalen Organisation für Migration liegen keine genauen Angaben zu Abschiebungen in die Wüste vor. Sie berichtet aber, dass sich seit Mai 2017 die Zahlen von Migranten, die zu Fuß von Algerien den gefährlichen Weg Richtung Niger zu Fuß gehen, auf mehr als das 20-Fache gestiegen sei.

Über dieses Thema berichtete Inforadio am 15. Juni 2018 um 08:00 Uhr.

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