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Was geschah in der algerischen Wüste?

Nach dem Ende der Geiselnahme

Was geschah in der algerischen Wüste?

In der Gasförderanlage In Amenas in der algerischen Wüste läuft die Suche nach Vermissten. Spezialeinheiten fanden bei der Aktion laut übereinstimmenden Medienberichten fünf Extremisten und nahmen sie gefangen. Damit stieg die Zahl der Islamisten, von denen angenommen wird, dass sie an der Geiselnahme beteiligt waren, nach bislang vorliegenden Informationen auf mindestens 37.

Gestern hatten algerische Spezialeinheiten das von islamistischen Extremisten gehaltene Gelände gestürmt und die seit Mittwoch andauernde Geiselnahme beendet. Die Regierung in Algier geht bislang von 55 Toten aus. 23 Geiseln und 32 Terroristen seien getötet worden. Informationsminister Mohamed Said sagte, möglicherweise müsse die Zahl der Toten nach oben korrigiert werden.

Wohncontainer, die zur Gasförderanlage In Amenas gehören.
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Was sich genau auf dem Gelände abspielte, ist noch unklar.

Der britische Premier David Cameron sagte, der Tod von drei Briten sei bestätigt worden. Weitere drei britische Staatsbürger sowie eine in Großbritannien lebende Person seien vermutlich auch tot. Spezialisten aus Norwegen suchen auf dem Gasfeld nach fünf Vermissten aus dem eigenen Land. Wie das Außenministerium im Rundfunksender NRK mitteilte, bestehe nach wie vor Hoffnung, Betroffene lebend zu finden. Malaysia sucht auch noch zwei Mitarbeiter.

Frankreich, die USA und Rumänien bestätigten jeweils den Tod eines Staatsbürgers. Auch mindestens ein Algerier starb. Nach Angaben des Auswärtigen Amts waren keine Deutschen unter den Geiseln. Zwei deutsche Mitarbeiter einer Bohrfirma, die während der Geiselnahme an einem Einsatzort mehrere Kilometer entfernt waren, seien inzwischen nach Großbritannien ausgeflogen worden, so das Außenministerium in Berlin.

Weitere Tote auf Gelände der Gasanlage vermutet
tagesschau 16:15 Uhr, 20.01.2013, Jörg Rheinländer, ARD Madrid

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Unterstützung aus dem Westen

Die algerische Armee verteidigte die Erstürmung der Anlage. "Der Einsatz ist die Antwort auf eine Entscheidung der Terroristen gewesen, alle Geiseln zu töten und ein wahres Massaker anzurichten", zitierte die Tageszeitung "Al Khabar" einen Armeesprecher. Nach Informationen aus den Reihen der Sicherheitskräfte wollten die Terroristen den Industriekomplex in die Luft sprengen. Der staatliche algerische Ölkonzern Sonattrach, einer der Betreiber der Anlage, teilte mit, das gesamte Raffineriegelände sei mit Sprengsätzen vermint gewesen. Sieben noch verbliebene ausländische Geiseln sollen die Terroristen noch vor der Erstürmung getötet haben.

Die Regierungen Frankreichs, Großbritanniens und der USA stellten sich hinter den Militäreinsatz der Algerier. "Die Schuld an dieser Tragödie liegt bei den Terroristen, die sie verursacht haben", erklärte US-Präsident Barack Obama. Er bot den algerischen Stellen jede Unterstützung an. Die USA würden weiter mit ihren Partnern eng zusammenarbeiten, um die "Geißel des Terrorismus" in der Region zu bekämpfen.

US-Präsident Barack Obama
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Obama sieht die Schuld für das Blutvergießen bei den Terroristen.

Frankreichs Staatspräsident François Hollande verteidigte ebenfalls die gewalttätige Befreiungsaktion gegen Kritik. "Verhandlungen mit den Terroristen kamen nicht infrage", sagte er. Schließlich hätten die Entführer "schändlich gemordet". Der britische Verteidigungsminister Philip Hammond erklärte: "Verschiedene Länder haben verschiedene Herangehensweisen." Er fügte hinzu: "Aber der gemeinsame Kampf gegen globale Bedrohungen bedingt auch, dass wir manchmal mit Leuten zusammenarbeiten, die Dinge etwas anders regeln als wir." Für die abstoßende Tragödie trügen die Terroristen die alleinige Verantwortung.

Doch der Einsatz in der Sahara rief international viel Kritik hervor, da den algerischen Behörden mangelnde Verhandlungsbereitschaft und wenig Rücksicht auf das Schicksal der Gefangenen vorgeworfen wurde. Obama kündigte für die nächsten Tage eine enge Abstimmung mit der algerischen Führung an, um ein klareres Bild von den Ereignissen zu bekommen und so derartige Tragödien künftig zu vermeiden.

Hintergrund

Die Gasanlage Tiguentourine bei In Amenas ist das drittgrößte Gasfeld Algeriens. Von dort stammen 18 Prozent des exportierten Gases. Täglich werden 75 Millionen Kubikmeter Gas durch die Gaspipeline Transmed nach Italien gepumpt.

Seit 2006 wird der mitten in der Wüste gelegene isolierte Komplex von dem britischen Konzern BP und der norwegischen Statoil in Zusammenarbeit mit dem algerischen Unternehmen Sonatrach betrieben. In dem Industriekomplex arbeiten rund 700 Menschen; die meisten von ihnen sind Algerier. In die Anlage wurden umgerechnet rund 1,5 Milliarden Euro investiert.

Quelle: AFP

Widersprüchliche Motive der Geiselnehmer

Die islamistischen Extremisten hatten am Mittwoch zunächst zwei Busse mit Mitarbeitern der vom Energiekonzern BP, der norwegischen Statoil und Sonatrach betrieben Gasförderanlage angegriffen, wurden vom bewaffneten Sicherheitsdienst aber zurückgeschlagen. Daraufhin kaperten die Islamisten das Raffineriegelände sowie die Unterkünfte der Arbeiter und nahmen Hunderte Gefangene, wobei die meisten algerischen Arbeiter schnell wieder freigelassen wurden.

Die Extremisten hatten ursprünglich erklärt, mit ihrem Überfall die französische Bodenoffensive gegen Islamisten im benachbarten Mali bestrafen zu wollen. Später gaben sie allerdings an, die Aktion seit über zwei Monaten geplant zu haben, also lange bevor Paris in den malischen Konflikt eingriff. Zudem gab es eine Erklärung, wonach die Geiselnehmer zwei amerikanische Gefangenen gegen zwei in den USA inhaftierte Personen austauschen wollten. Bei einem der beiden handelt es sich um den blinden Scheich Omar Abdel Rahman, der wegen eines Anschlags auf das World Trade Center im Jahr 1993 zu lebenslanger Haft verurteilt wurde. Als Zweiter wurde der Pakistaner Aafia Siddiqui genannt, der wegen der Ermordung zweier US-Soldaten in Afghanistan verurteilt wurde.

Stand: 20.01.2013 19:13 Uhr

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